Kunstprojekt: Buntes im düsteren Würfel
05.06.2009 | 10:54 Uhr 2009-06-05T10:54:00+0200Ennepetal. Zeitgenössische Kunst an ungewöhnlichen Orten: Der Kunstraum Ennepetal organisiert das internationale Kunstprojekt "Zwischen den Säulen" in einer ehemaligen Metallfabrik.
Die rührige Gruppe Kunstraum Ennepetal ist bekannt für ihre pfiffigen Aktionen, bei denen sie zeitgenössische Kunst mit ungewöhnlichen Orten konfrontiert. Jetzt präsentiert die Initiative eine große Ausstellung unter dem Titel „Zwischen den Säulen” in der ehemaligen Metallfabrik Stockey & Schmitz in Ennepetal.
Der düstere Gebäudewürfel der früheren Schmiede und Gießerei ist landschaftsprägend: Vom Zug und von der B7 aus übermächtig zu sehen, steht er als Zeugnis für die Blüte und die Probleme der Industrialisierung in Südwestfalen. Seit 1730 wurde hier produziert; 1993 ging der Betrieb in die Insolvenz. Heute gehört das Gelände der W. Helkenberg Containerdienste GmbH.
Bei Inhaber Walter Helkenberg fand der Kunstraum offene Ohren für das Ausstellungsprojekt, das in der mittleren Etage des leer stehenden früheren Verwaltungs- und Produktionsgebäudes Arbeiten von 34 Künstlerinnen und Künstlern auf einer Fläche von 1300 Quadratmetern präsentiert.
Industriekathedrale
Die riesigen Säle wirken wie eine Kathedrale der Industriekultur mit ihren zahlreichen säulengleichen Metallträgern; die Spuren vergangener Arbeitswelten sind unübersehbar. Ein aufregendes Spannungsfeld. Entsprechend bildet die Ausstellung, zu der Künstler aus ganz Südwestfalen, aus Ruhrgebiet und Rheinland sowie aus Belgien und Holland beitragen, mit Installationen, Skulpturen, Malerei, Videoarbeiten und Fotografien einen lebhaft-bunten Überblick über die aktuelle Szene.
So nutzen die holländische Bildhauerin Maria Bemelmans und die Ennepetaler Objekt-Künstlerin Doris Hommes unzählige Metallkästen, das Strandgut der ehemals blühenden Fabrik, zur Gestaltung einer Installation, die den Raum und seine Funktion hinterfragt. Markus Nottke hat eine Art Bällchenbad im schwarzen Plastikfolien-Pool entworfen, in dem die bunten Kugeln, durch Ventilatorenwind bewegt, aneinander vorbei tanzen.
Werner Kollhoff, Vorsitzender der Initiative, betont, dass die Gruppe über die aktuelle Ausstellung hinaus Pläne mit dem Gebäude hat. „Wir wollen ein langfristiges Konzept aufbauen”, schildert Kollhoff engagiert, „wir möchten schon den Charakter dieses Industriedenkmals möglichst erhalten und sind überzeugt, dass hier nicht nur Kunstausstellungen, sondern auch andere Veranstaltungen wie Konzerte und Lesungen einen Ort finden können.” Also machen sich derzeit kluge Köpfe Gedanken über eine künftige Nutzung, denen der Eigentümer des Gebäudes wohlwollend gegenübersteht. Denn auch die frühere Gießerei war nicht nur eine kunstlose Arbeitsanstalt. Hinter der dunklen Fassaden-Verkleidung verbergen sich wohl faszinierende Stuckarbeiten. So käme dann mit Glück Kunstraum zu Kunstraum.
Die Ausstellung ist am 6. und 7. Juni sowie am 13. und 14. Juni zu sehen. Samstags sind die Öffnungszeiten 15 bis 18 Uhr, sonntags 12 bis 18 Uhr.
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