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Kunstmuseum Bochum droht das Aus - Schaden fürs Revier

25.01.2012 | 18:42 Uhr
Kunstmuseum Bochum droht das Aus - Schaden fürs Revier
Anlaufziel Museum: Mehr als 400 000 Gäste besuchten zuletzt die Ruhrkunstmuseen im Revier, zu dem auch das Kunstmuseum Bochum zählt.Foto: dapd

Essen/Bochum.   Das Kunstmuseum in Bochum könnte geschlossen werden. Die Debatte schadet dem Image der Region. Die Anziehungskraft des Ruhrgebiets als Kulturregion steht auf dem Spiel.

In puncto Kooperation sind die Museen im Revier weiter als andere Kulturinstitute der Region. Seit 2010 haben sich 20 Häuser von Duisburg bis Witten, von Oberhausen bis Marl, allen Konkurrenzen und Eigenheiten zum Trotz, zu „Ruhrkunstmuseen“ verbündet. Ihr Ziel: bessere Abstimmung, größere Außenwirkung, effektiveres Marketing, Nachdem nun Pläne einer möglichen Schließung des Kunstmuseums Bochum bis 2022 laut geworden sind, weiß man, wozu dieser Zusammenschluss auch gut ist. Nämlich sich mit breiter Brust gegen eine Spardebatte zu stellen, die für viele Museums-Chefs im Revier nur der Anfang vom Ende einer einzigartigen Museumslandschaft sein könnte. Jetzt sei der Moment, sich zu Wort zu melden, sagt der Essener Folkwang-Chef Hartwig Fischer . Museen und Sammlungen dürften nicht zum „Spielball bürokratischer Spar- und Abbruchphantasien“ werden.

Leider kein Einzelfall

Für Fischer ein Irrwitz, „wo man doch weiß, dass Museen schon so knapp ausgestattet sind, dass durch Schließung nicht viel zu holen ist.“ Er fürchtet, dass die Diskussion um das Kunstmuseum Bochum kein Einzelfall bleibt, „sondern der Versuch eines schleichenden Kulturabbaus“. Zuerst die Spardebatte um das Museum Alte Post in Mülheim, nun Bochum. Dazu die Überlegung in Hagen, mit dem Verkauf eines Hodler-Gemäldes Löcher im städtischen Haushalt zu stopfen . Für Fischer ist das „so, als würde man die Brennstäbe verkaufen, um das Kraftwerk zu sanieren“. Mit Einsparungen im Kulturbereich werde aber „kein Haushalt saniert, sondern die Anziehungskraft der Region geschmälert“.

Hans Günter Golinksi, Chef des Bochumer Kunstmuseums, gibt noch sich gelassen. „Ich lasse mir da keine Angst machen. Wir sind als Bürgermuseum gestartet, fest verankert in der Stadt.“ Wie seine Kollegen sieht Golinski Museumsarbeit als „hochpolitischen Auftrag. Wir sind für die Erziehung zur visuellen Mündigkeit da, eine wichtige Aufgabe in Zeiten wachsender Bilderflut“. Das heiße aber auch, lieber eine Schau weniger zu machen, dafür mit gutem Begleitprogramm – für Kinder, Jugendliche, Schulen, zum Nulltarif. Schon deshalb, sagt Golinski, sei ein städtisches Kunstmuseum unverzichtbar.

Museums-Pädagogik

Martina Schürmann

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Kommentare
27.01.2012
16:46
Kunstmuseum Bochum - Städt. Amt für die Sammlung von Kunst und Langeweile
von steude | #7

3 Mio Zuschuss benötigt das Museum/ Jahr. Das sind ca. 8.200 EUR jeden Tag.

Es wird behauptet das Museum zieht überregional Besucher an. Den Eindruck habe ich subjektiv nicht. Als Aushängeschild würde das Museum dann nicht taugen. Auch diese Rechtfertigung für den Erhalt des Museums bräche weg.

Nicht einmal eine funktionierende Internet-Seite hat das Museum. Stattdessen befinden sich bei der Stadt Bochum ein paar Seiten, wie bei einem städt. Amt.

Unter Philosophie des Museums ist dort zu lesen:
"Wir beanspruchen, ein besonderer Ort zu sein, der anderen Orten unähnlich ist, ihnen widerspricht, sich ihnen entzieht. Pointiert formuliert geht es darum, das Museum in Widerspruch zur Gesellschaft zu verorten, es nicht anzupassen, sondern provokant auszusondern. Statt den Sinn eines zeitgenössischen Museums in der "Aktualität" zu erschöpfen, geht es um "Alterität" und "Andersartigkeit". Diese programmatische Provokation funktioniert jedoch nicht ohne Identifikation - sie erfordert zugleich die Verortung am Ort – eine Herausforderung, der wir uns stellen!"

Da von höre und sehe ich in Bochum nichts. Das Museum ist weder unangepasst, noch provokant, noch andersartig. Es ist stink langweilig.

Das Geschwurbel der Philsophie des Museums zeigt, dass außer heißer Luft kein interessanter Kern (mehr) existiert: http://www.bochum.de/C125708500379A31/CurrentBaseLink/W272CC3Y073BOLDDE

Nach meiner Ansicht, könnte man das Museum aber zu einem überregionalen Anziehungspunkt machen, wenn es denn tatsächlich unangepasst, provokant und andersartig wäre.
Als Beuys in Düsseldorf war, da war da die Hölle los. Die Kunstsammlung dort profitiert noch heute davon.

Das Problem des Museums ist die Langeweile, die es verkörpert. Dass man es deswegen zu machen will, da dürfen die Verantwortlichen sich nicht wundern.

Aber eigentlich könnte Bochum ein Kunstmuseum als Anziehungspunkt durchaus gebrauchen. Also sollte man ihm eine zweite Chance geben. Es bedarf dann eines neuen Konzeptes. Der angepasste Mief muss raus aus dem Museum, die freie Kunstszene, die Künstler, die sich was trauen und tatsächlich unangepasst, provokant und andersartig sind, müssen rein. Die muss man einladen, ein paar spektakuläre Performances im Museum veranstalten und die Leute kommen in Scharen.

Ein städt. Amt für die Sammlung von Kunst und Langeweile brauchen wir jedenfalls nicht.

27.01.2012
11:46
Kunstmuseum Bochum droht das Aus - Schaden fürs Revier
von Alex9 | #6

Wenn 20 nahe beeinander gelegene Kunstmuseen mit teilweise mäßigem Renommee im Durchschnitt nur gut 20.000 Besucher pro Jahr zählen, liegt es nahe, einen Teil davon mit den anderen zu fusionieren und daraus ein paar Einheiten mit größerer Durchschlagskraft zu schaffen. Das bisherige Kirchturmdenken wird von den Konsolidierungserfordernissen der betroffenen Kommunen sicher bald eingeholt werden.

27.01.2012
07:00
Bochum und das Revier müssen attraktiv bleiben
von meigustu | #5

Berlin saugt sich voll mit Kultursubventionen aus dem Bundesetat die eigentlich als Bundesmittel ganz Deutschland zur Verfügung stehen sollten.

Die Entscheider wandern dann ab eben weil in den anderen Ballungsräumen "nichts los ist". Wir als eine Region in einem schwierigen Umbruch sind davon besonders betroffen. Wer jetzt noch anfängt die Attraktivität der Region zu senken erweist uns einen Bärendienst.

Kultur ist notwendige Werbung und kein Luxus.

26.01.2012
23:35
Kunstmuseum Bochum droht das Aus - Schaden fürs Revier
von dischmidt | #4

Ich frag mich, wo denn die Kooperationsdebatte (gen andere Kommunen oder Institutionen) bleibt. Wenn von 20 Häusern im Verbund der RuhrKunstMuseen 1 schließt, dann bleiben 19 über. Verschwindet mit dem Gebäude und dem Betrieb der Inhalte oder wandert in andere Häuser? Gibt es da keine Lösung?

Bei der Diskussion um BoSy/Konzerthaus/Haus der Musik ist doch auch immer die regionale Kooperation da. Hier funktioniert sie nur zwecks Abwehr einer Spardebatte.

26.01.2012
14:15
Objektivität statt Emotionalisierung
von mitLINKSinsVERDERBEN | #3

Als Bochumer aus Leidenschaft, der sowohl an der Stadt als auch am VfL hängt, sage ich es mit schwerem Herzen:

Wir können nicht aus Trotz, Prestige, aus Emotionalität oder Sentimentalität an unserem "Luxus" festhalten. Um einen Totalverlust = Pleite zu vermeiden, müssen wir uns leider von einigen unserer geliebten (?) oder lieb gewonnenen Objekte und Einrichtungen trennen.
Dabei ist unabhängig von der subjektiven Interpretation rein sachlich und objektiv zu berücksichtigen, was die Bochumer Bürger, die diese Stadt tragen, nutzen und schätzen.
Es ist klar, dass es für die direkt Betroffenen undenkbar ist, doch: Wenn Kultureinrichtungen wie das Kunstmuseum als Beispiel kaum genutzt werden und als Folge dessen diese Einrichtungen über die Maßen Schulden anhäufen, dann muss man sich die Frage stellen:
Ist diese Art der kulturellen Einrichtung noch zeitgemäß? Ist sie wirklich ein wichtiger, also auch vom Bürger angesehener und gewollter kultureller Pfeiler der Stadt, oder ist es "nur" ein Prestigeobjekt, von dem man sich schwer trenne kann.

Ähnlich gestaltet sich ja auch die Diskussion um das Bochumer Konzerthaus:
Ist es wirklich sachlich und finanziell verantwortbar, ist es dermaßen akut erforderlich, diese Spielstätte zu bauen? Gibt es nicht andere Mittel und Wege, die zwar weniger Luxus, weniger Prestige und weniger "unser Eigen" sind, jedoch ohne schlechtes Gewissen realisierbar sind?

Ich denke da zum Beispiel daran, dass es unbedingt dieser Kunstbau sein musste, obwohl eine deutlich günstigere, viel bodenständigere Alternative möglich war. Doch die Stadtverwaltung hat sich auf diesen teuren architektonischen Kunstbau festgelegt - wider jede sachliche und finanzielle Verantwortung.

Bei solchen Entscheidungen in Zeiten, in denen wir sparen müssen, darf nicht mehr nach Prestige und Emotion verfahren und gehandelt werden. Das Einzusehenist für Bochum überlebensnotwendig.

Abgesehen davon sind es eben jene unüberlegten Handlungen, die ja nicht "nur" einige Hundertttausende Euro kosten, sondern in Dutzenden Millionen Euro münden. Bestes Beispiel für eine vollkommen verfehlte Finanzplanung ist das Archiv in Duisburg:
Als Bürger, der brav Steuern zahlt, der nicht auf Pump leben will und daher auf Spielereien wie IPhone und dickes Auto verzichten muss, frage ich mich:
Wie ist es möglich, dass Politiker solche unfassbaren Fehlentscheidungen treffen können? Wie ist es möglich, dass jene Entscheidungsträger dafür nicht haftbar gemacht werden können?

Harte Zeiten bedeuten auch harte Entscheidungen. Doch die sollten sachlich und demokratisch entschieden werden - und nicht aus Emotion oder Sentimentalität.

26.01.2012
13:18
Kunstmuseum Bochum droht das Aus - Schaden fürs Revier
von H.Siepker | #2

Anstatt sich als Stadt im Verbund mit anderen gegen die Umverteilung von Mitteln von der Stadt zum Land/Bund und umgekehrt von Sozialabgaben vom Land/Bund an die Stadt zu wehren, wird eine Sparliste vorgelegt, die dazu führt, dass die Bürger mit ihren unterschiedlichen Interessen (sgruppen) gegeneinander aufgehetzt werden. Hier wird von der Verwaltung versucht, herrauszumendeln, welche Interessensgruppe die stärkere ist. Wer in diesem Wettbewerb verliert, wird am Ende eingespart. So wird der Erhalt der Infrastruktur gegen die Schulbildung UND Kultur in Stellung gebracht. In Wirklichkeit will niemand ein Museum schließen. Allerdings hofft die Stadt, so andere, ebenfalls unpopuläre Maßnahmen, wie Schließung von Schwimmbädern und Schulen mit weniger Nebengeräuschen durchdrücken zu können. Entsolidarisierung der Gesellschaft nennt man sowas! Nebenbei werden die sogenannten "weichen" Standortfaktoren so geschwächt, dass die Stadt ihre Attraktivität für hinzuziehende Bürger und Firmen vollends verliert und in Gefahr gerät auf einer schiefe Ebene ins Rutschen zu kommen. Das die Methode "Entsolidarisierung " funktioniert, sieht man am Kommentar von Sündenbock.............. .

26.01.2012
12:27
Kunstmuseum Bochum droht das Aus - Wirklich Schaden fürs Revier?
von suendenbock | #1

Da jammert die interessierte Szene schon im Voraus, wollte man doch mehr Mittel für wichtige Projekte, nun soll es gar nichts mehr sein? Dabei hat man jahrelang so schön kooperiert, will heißen in jeder Ruhr-Stadt gibt es Kunstmuseen, aber jedes hat ein entsprechend honoriertes Direktorium, einen eigenen "Sammelkeller", ein eigenes Gebäude und eigene Events. Dabei gilt wohl, dass dieser Bereich wohl von weniger als 5% der Bürger genutzt wird, aber von allen mit bezahlt werden muss. Ist es da verwunderlich, dass nach Einsparungen gerufen wird? Ist es Bochumer Kunst-Interessierten nicht zuzumuten nach Essen zu fahren, ich war auch in Wuppertal zur Monet-Ausstellung ohne an den Untergang der Kunst in Bochum zu denken. Wenn die Mittel für die MENSCHEN nicht reichen, dann kommt halt "erst das Fressen, dann die Kultur". Dies ist aber kein zwanglsäufiger Untergang, denn diejenigen, die die Museumskultur fordern, sollten auch bereit sein, dafür zu bezahlen. Der Ruf, wer an Kultur spart, macht die Stadt kaputt ist so laut wie falsch (gilt übrigens auch für Schule, Jugendbetreuung, Straßenbau und......).

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