Kunstinstallation in Kulturhauptstadt Mons bricht zusammen

Der Boden mit Holzbalken übersät: Die Trümmer von „The Passenger“ nach dem Einsturz.
Der Boden mit Holzbalken übersät: Die Trümmer von „The Passenger“ nach dem Einsturz.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Schwerer Schock: „The Passenger“, eine Installation von Arne Quinze, stürzte ein. Die Hauptattraktion des Kulturhauptstadt-Jahres ist gefährdet.

Mons.. Schock für die künftige europäische Kulturhauptstadt Mons: Kurz vor der offiziellen Eröffnung des Festivaljahres stürzte an Heiligabend mitten im Zentrum der belgischen Provinzmetropole eine In­stallation des Künstlers Arne Quinze (43) ein. Der durch eine gescheiterte Ehe mit Boris Beckers Ex-Frau Barbara auch außerhalb der Kunstszene bekanntgewordene Belgier hatte das aus Tausenden Holzlatten bestehende Werk mit dem Namen „The Passenger“ erst im November fertiggestellt. Es über­spannte wie ein gigantisches Astwerk einen ganzen Straßenzug und sollte eine der Hauptattraktionen der Kulturhauptstadt 2015 sein.

Der Künstler und die Festivalleitung zeigten sich nach dem Einsturz vor allem erleichtert darüber, dass dieser nur Sachschäden verursachte. „Das ist ein Schock, aber das Wichtigste ist, dass niemand verletzt wurde“, kommentierte der sofort nach Mons geeilte Quinze. Nach Angaben einer Augenzeugin war eine ältere Dame nur wenige Schritte von der Unglücksstelle entfernt, als es plötzlich krachte. „Ich hatte Angst um sie. Die Teile sind direkt neben ihr zu Boden gestürzt“, berichtete Razika Benaddi der Tageszeitung „La Dernière Heure“. Wie durch ein Wunder sei niemand getroffen worden.

Möglicherweise Materialprobleme

Mit Spannung werden nun die Ergebnisse von unabhängigen Ermittlungen zur Unglücksursache erwartet. Quinze hat in der Vergangenheit etliche ähnliche Kunstwerke in Städten wie Paris, München oder Brüssel errichtet, ohne dass irgendetwas passierte. Er bangt nun um seinen guten Ruf und verwies nach ersten eigenen Untersuchungen auf Materialprobleme und mögliche Expertenfehler.

„Es scheint, dass einer der tragenden Holzbalken zu schwach gewesen ist – entgegen den ganzen technischen Untersuchungen, die von den Ingenieuren gemacht wurden“, sagte er. Hinweise auf einen zunächst befürchteten Sabotageakt gebe es nicht. Mehrere Lokalmedien hatten kurz nach dem Unglück darauf hingewiesen, dass das rund 400.000 Euro teure Kunstwerk nicht nur Anhänger habe.

Kostendiskussion

Um die Kostendiskussion nicht weiter anzuheizen, will Quinze die Installation auf eigene Kosten reparieren. Auch die Organisatoren des Festivaljahres zeigten sich optimistisch. Sie kündigten an, dass die neue Version des Kunstwerkes aus Sicherheitsgründen etwas kürzer sein solle und versprachen regelmäßige Strukturkontrollen.

Eine endgültige Entscheidung über die Zukunft von „The Passenger“ werden Gutachter fällen. Sollte aus Sicherheitsgründen ein Abriss angeordnet werden, wäre dies ein harter Schlag für Mons. Die Stadt wollte ihr Kulturhauptstadt-Jahr am 24. Januar eröffnen.

Riga und Umeå ziehen positive Bilanzen

Mehr als 200 Veranstaltungen, eine positive Besucher- und Medienresonanz sowie etwa 15 Prozent mehr ausländische Touristen als im Vorjahr: Die Bilanz für das lettische Riga als europäische Kulturhauptstadt 2014 fällt durchweg positiv aus. „Wir wollten Kultur als positive Kraft der Veränderung präsentieren und ihre Rolle in Lettland stärken. Dies ist uns gelungen“, meint Programmdirektorin Aiva Rozenberga, die das unter dem Motto „Force Majeure“ (Höhere Gewalt) stehende Programm verantwortete.

Kulturhauptstadt Höhepunkte waren ein Chorfest mit 27 .000 Sängern, Gala-Konzerte von in Lettlands Hauptstadt geborenen Klassik-Weltstars und die Aufführung von Richard Wagners Oper „Rienzi“.

Bis Ende November besuchten nach Angaben der Veranstalter mehr als 1,5 Millionen Menschen Veranstaltungen der Kulturhauptstadt. Ein Besuchermagnet war das einstige Hauptquartier des sowjetischen Geheimdienstes KGB, das erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde und mehrere Ausstellungen beherbergte.

Auch Umeå, eine unbekannte Stadt im Norden Schwedens, hat ein Jahr lang als Kulturhauptstadt von sich reden gemacht. „Umeå hat sich zu einer europäischen Stadt gewandelt“, sagt Fredrik Lundeberg, Direktor der Kulturhauptstadt. Die Studentenhochburg hat mit ihrem Programm, das sich am Kalender des Urvolks Sami orientierte, Gäste aus aller Welt angezogen. Bis September übernachteten dort 20 Prozent mehr Touristen.

2015 sind Mons (Belgien) und Pilsen (Tschechien) die Kulturhauptstädte Europas.