Kunst statt im muffigen Pavillon nun in Gladbecker Galerie

Gladbeck.. Der Rückblick stimmt nicht milder. „Es war“, sagt Ausstellungsplaner Gerd Weggel, „ein alter vergammelter Pavillon. Aber wir haben da gute Kunst gezeigt.“ Die Zeit des Provisoriums ist nun überstanden. Im Rathauspark öffnete die Neue Galerie Gladbeck.

Ein Raum mit hohen Wänden, ohne rechten Winkel, ohne Fenster, in äußerst zurückhaltendem Industrie-Design. Ein Raum, der selbst ein Kunstwerk ist und schon bei der Eröffnung viel Bewunderung fand. „Einfach toll. Und so etwas hier in Gladbeck.“

Schon als der Galeriebetrieb 1984 startete, vollzog sich ziemlich rasch eine inhaltliche Umorientierung. Vom Start mit lokalen und regionalen Künstlern hin zur Präsentation hochwertiger zeitgenössischer Kunst. Aber, es stimmt, der Galeriebetrieb nahm seinen Anfang in einem Pavillon, der seine besten Jahre schon lange hinter sich hatte. Als Erweiterung für die ehemalige Stadtbücherei 1963 gebaut, hing der blaue Kasten lustlos an dem schönen alten Büchereigebäude. Die Bücher, sie sind schon lange umgezogen ins städtische Kulturzentrum.Der alte Pavillon, er wurde zum Galerieraum. Mit Felix Droese und Wolfgang Nestler stellten zwei Documenta-Künstler hier aus. Der Maler Paul Schwer verwandelte die Galerie in einen einzigen Farbraum. Christian Sery, mittlerweile Rektor der Hochschule für Bildende Künste Dresden, rollte seinen „Dead Men Walking“ aus rotem Kautschuk im ehemaligen Lesesaal aus.

Und zur Polke-Ausstellung im Frühjahr 2005 kamen allein 3000 Besucher. Dass sie alle sich mit dem „muffigen Pavillon“ abfanden, ist den Kontakten Gerd Weggels in der Kunstszene zu danken. Im Beruf Rektor einer Gladbecker Realschule, in seiner Freizeit Kunstkenner und Ausstellungsplaner für die Galerie.

Das Provisorium ärgerte

Die Künstler, sie kamen. Aber das Provisorium ärgerte trotzdem. Schon im Jahr 2000 dachte man in der Stadt deshalb über einen neuen Anbau für die ehemalige Bücherei nach. Aber wie in vielen Ruhrgebietsstädten war und ist auch in Gladbeck das Geld knapp.

Um das Projekt nicht sterben zu lassen, gründeten Kunstfreunde aus Gladbeck und Umgebung 2004 den Verein der „Freunde und Förderer der Galerie“. Schon ein Jahr später verhandelte der Verein mit der Stadt über einen Vertrag zur „Übernahme“ der ehemaligen Stadtbücherei. Die FAZ schrieb damals sehr passend von einer „Schwimmbadlösung für die Galerie“.

Dann begann die Zeit des Geld-Einsammelns. Die Künstler, die schon das Provisorium erduldet hatten, stellten dem Verein ihre Kunstwerke zur Verfügung. Diese wurden dann bei einer Auktion zur Finanzierung des neuen Anbaus versteigert. Zudem zeigte sich NRW-Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Große-Brockhoff von dem bürgerschaftlichen Engagement so beeindruckt, dass er beim Land eine Viertelmillion Euro als Zuschuss für den insgesamt 550 000 Euro teuren Galerie-Neubau locker machte.

Die Bauphase ist überstanden. Mit Skulpturen und Zeichnungen des Bildhauers Werner Pokorny begann jetzt der Ausstellungsbetrieb in der Neuen Galerie Gladbeck. Monumentales wollte Weggel zum Neustart präsentieren, um zu zeigen, was der Anbau „leisten kann“. Pokorny platzierte wie zufällig riesige schwarze Holzgefäße, auf denen in der Form minimalistisch angedeutet kleine Häuser thronen in dem Kunstraum. Wie passend.