Kunst der Masse im Museum Alte Post in Mülheim

Olaf Neumann: „Kunstmuseum“ als Schwarmkunstwerk aus vielen einzelnen Museumsbesuchern.
Olaf Neumann: „Kunstmuseum“ als Schwarmkunstwerk aus vielen einzelnen Museumsbesuchern.
Foto: Neumann
Was wir bereits wissen
Schwarmkünstler Olaf Neumann macht nicht Kunst über die Menschen, sondern mit ihnen. Sein Werk entsteht im Dialog aus einer Mitmach-Kultur.

Mülheim.. Rund um den Erdball wird mit Menschenmengen Kunst gemacht. Leute spinnen Geländer, Straßenlaternen und Bäume in Innenstädten mit Strick- und Häkelnadeln bunt ein. US-Künstler Spencer Tunick ist mit seinen Fotografien von nackten Menschenmassen berühmt geworden. Hunderte positionierte er vor dem Opernhaus in Sydney, dem Kunstpalast in Düsseldorf oder am Aletschgletscher in den Alpen. Die Masse ist der Held, der Einzelne bleibt Statist.

Olaf Neumann aber will mehr abbilden als einzelne Gesichter. Von Schwarmkunst kann Neumann zufolge erst die Rede sein, wenn der Schwarm sich selbst in einen Prozess begibt und sich mit der entstehenden Kunst auseinandersetzt. Erste Arbeiten von Neumann entstanden übers Internet, er rief seine virtuellen Freunde dazu auf, ihm persönliche Fotos zu schicken. Diese übersetzte er in Zeichnungen und fügte sie zu einem großen Bild zusammen.

Kunst Besucher vor ihrem liebsten Bild abgelichtet

In Mülheim hat er dieses Prinzip noch einmal aufgegriffen und sechs Monate lang im Kunstmuseum in der Alten Post Besucher mit dem Fotoapparat porträtiert, jeweils vor ihrem liebsten Werk der Sammlung. Männer, Frauen und Kinder posieren vor Nolde, Feininger, Campendonk. In der Hand halten sie alle eine gartenzwerggroße Hundefigur aus einem Comic – Dogtari, ein weiteres kreatives Geschöpf Neumanns. Den Klassikern der grafischen Sammlung versetzen die grellen gelben, blauen und rosa Hunde einen frechen Stich, streifen am Kitsch entlang. Aber funktionieren als Hingucker wie eine Art Signatur des Künstlers.

Neumann hat die Fotografien teils in Pastellzeichnungen übertragen, teils zu Collagen zusammengestellt, vervielfältigt und am Rechner zu einem neuen Werk, einem „Digital Painting“, komponiert. Ein Abbild der Museums-Idee, Kunst und Besucher enger zusammenzuführen.