Kultur-Kürzungen - was keinem erspart bleibt
16.06.2010 | 13:42 Uhr 2010-06-16T13:42:00+0200
An Rhein und Ruhr.Gespart werden muss überall. Aber nicht überall gleich viel: Wie groß die Unterschiede in den Revier-Städten allein bei der Kultur sind, zeigt ein Überblick.
Gespart, nein: weniger Steuergeld ausgegeben werden muss überall. Aber nicht überall gleich viel. Schwimmbäder und Theater, Brunnen, Fußballstadien und Opernhäuser: Wie groß die Unterschiede in den Städten des Reviers allein auf dem Kultursektor sind, zeigt ein kleiner Überblick.
Bochum: Überwintern, auf bessere Zeiten warten! Kulturdezernent Michael Townsend ist es bislang gelungen, trotz aller Einsparungen keine kulturell bedeutsame Institution schließen zu müssen. Kann das Bestehende also zunächst erhalten bleiben, sind ambitionierte Pläne wie das Viktoriaquartier (mit dem Konzerthaus) ins Stocken geraten. (-etz)
Duisburg: Sollte der Sparhaushalt von OB Sauerland greifen (im Rat abgeschmettert, jetzt entscheidet der Regierungspräsident), wäre dies das faktische Aus für: die Niederrheinische Musik- und Kunstschule, die Stadtteilbibliotheken, das Filmforum, die Akzente, das Traumzeit-Festival, die Cubus-Kunsthalle, das Reibekuchen-Theater, den 2. Bildungsweg bei der VHS, die Kleinkunstbühne Hundertmeister. Um 10 % erhöht wurden die Kartenpreise für Schauspiel und Konzerte. Zurückgestellt wurde die Kürzung des Zuschusses für die Rheinoper (um 2,5 Millionen ab 2013). Mit 2,77 % für Kultur vom Gesamthaushalt gehört Duisburg bundesweit zu den Schlusslichtern. (A.H.)
Eine Million Euro weniger fürs Theater Dortmund mit seinen fünf Sparten
Dortmund: Eine Million Euro weniger soll dem Theater mit seinen fünf Sparten ab der nächsten Saison zur Verfügung stehen. Die Konsequenz: Verringerte Premierenanzahl, geringerer Produktionsetat und weniger Mitarbeiter in der Technik – dabei fehlt selbst für den Austausch kaputter Scheinwerfer schon das Geld. Einsparungen musste auch das Festival „Klangvokal” hinnehmen: Der Zuschuss der Stadt für das Jahr 2010 ist mit 480 000 Euro nahezu halbiert. Wegen der Ende 2009 diskutierten Kürzungen des Kulturetats um zwei Millionen Euro 2010 und um vier Millionen ab 2011 verfassten über 60 Kulturvertreter einen kämpferischen Appell „für den Erhalt der kulturellen Vielfalt”. (na)
Essen: Besonders bluten soll das Kultur-Flaggschiff, die Theater- und Philharmonie GmbH mit Oper, Schauspiel, Ballett und Philharmonie. Erst kürzlich hatte man einen Wirtschaftsplan bis 2013 vorgelegt, der schon Kürzungen in Höhe von etwa 5 % am 42-Millionen-Etat vorsieht. Bis 2013 kämen jährlich weitere Kürzungen von 4 Mio dazu. Ein neues Szenario sieht aber Einsparungen von jährlich 9 Mio Euro vor. Dann wären Sparten akut gefährdet, vor allem das Schauspiel im Grillo. Aber auch die Freie Szene, die Stadtbibliothek oder die Folkwang-Musikschule befürchten, im Kürzungsstrudel unterzugehen. Ende Juni ist der Stadtrat am Zug. Essens Kulturetat beträgt noch 80 Mio Euro, etwa 4 % des Gesamtbudgets der Stadt. (DA)
Hagen will 2,5 Millionen Euro weniger im Kulturbereich ausgeben
Gelsenkirchen: Das Musiktheater im Revier muss – bei einem Gesamtetat von 16,5 Mio € – ab 2013 mit einer Mio € weniger an städtischen Zuschüssen rechnen. Trotzdem gibt es mehr Vorstellungen pro Spielzeit und einen erweiterten Spielplan sowie Kooperationen („Revier -Abo“ mit Bochum). (WP)
Hagen: Mindestens 90 Millionen Euro will die mit rund einer Milliarde Euro verschuldete Stadt Hagen in Zukunft jährlich weniger ausgeben, davon mindestens 2,5 Mio. Euro im Kulturbereich. Das Drei-Sparten-Theater und das Orchester werden mit rund 14 Mio. Euro pro Jahr bezuschusst. Das Ballett wackelt mächtig. Bis 2014 müssen 80 0000 Euro eingespart werden, sonst hat es sich wohl ausgetanzt. Aktuell wird beraten, ob das Haus in einer gemeinnützigen GmbH oder Stiftung weitergeführt wird. Die restlichen 1,7 Mio. Euro werden beim Kulturamt, der Musikschule, der VHS, dem Stadtmuseum und den Büchereien gestrichen. (jh)
Noch ein Schauspieler, aber kein Geld für Regie und Bühnenbild
Moers: Wenn alles so käme, wie vom Kämmerer geplant, gäbe es 2014: am Schlosstheater noch genau einen Schauspieler, aber kein Geld für Regie und Bühnenbild; für die nagelneue Bibliothek keine neuen Medien und keine Zweigstellen mehr; ein saniertes Museum, das kaum noch öffnet; eine VHS, an der keine Schulabschlüsse mehr angeboten werden; eine Musikschule, die 600 Schüler (30 %) weniger hat und kein Jeki mehr anbietet: ein Moers Festival, das von vier auf drei Tage geschrumpft wird. (km)
Oberhausen: Hier läuft der Kulturbetrieb wie bisher. Bereits 2008 hatte der Rat ein Sparpaket verabschiedet, mit dem Ziel, keine kulturelle Einrichtung zu schließen, sondern die Kürzungen auf alle zu verteilen. Die Stadtbibliothek hat keinen Bücherbus mehr und weniger Personal. Das Theater soll ab 2012 jährlich rund eine Million einsparen. (stew)
Recklinghausen: Rund 70 Millionen fehlen 2010 im Recklinghäuser Stadtetat. Dem Rotstift könnte das Vestische Museum für Stadt- und Regionalgeschichte mit einer umfassenden Sammlung Naiver Kunst zum Opfer fallen. Es leidet seit Jahren unter Besuchermangel. Auf der Roten Liste steht auch die Stadtteilbücherei im Stadtsüden. Im Gespräch ist zudem eine Erhöhung der Musikschulbeiträge. (eli)
04:46
Gelsenkirchen:Trotzdem gibt es mehr Vorstellungen pro Spielzeit und einen erweiterten Spielplan . - Man macht dort eben nicht so viel Wind, wie bei den anderen Kommunen. Arbeiten, aber wirksam. Dann hat man auch seine Zuschauer von Nah und Fern.
17:13
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17:13
Elf Worte bringt Vaikl zu Stande
mehr ist nicht drin?
*
das sind 60er Visionen mit der Technik des 21. Jahrhunderts
dein kleines Steigerlein schieb
dir sonst wo hin
kultur revolution
findet nicht im Netz
statt
sondern in deinem Hirn
wenn da je eins is
*
21:47
Es ist unglaublich, wie leicht sich manche Menschen ihre eigene Ignoranz entschuldigen oder eine vorgeschriebene Ausgrenzung verinnerlichen und einhalten.
Jedes Theater/Opernhaus hat Projekte für Kinder- und Jugendliche, die nichts kosten und jede Menge Spaß machen. Sei es hinter die Bühne sehen, sei es Mitmachen auf der Bühne oder in den verschiedenen Werkstätten etc.. Ich habe noch kein Kind gesehen, das nicht gerne dabei war, es sei denn die Eltern und Verwandte haben es ausgelacht, weil es wohl `nun was Besonderes werden will‘.
Was Eintrittsgelder angeht, so kann man auf zwei Schachteln Zigaretten verzichten und dafür schon Premierenkarten bekommen, teilweise viel günstiger. Gerade für Arbeitssuchende gibt es enorme Nachlässe. Kinder bezahlen nicht mal mehr als den Gegenwert einer Schachtel Zigaretten oder 5 Bierflaschen oder wie immer sie die Rechnung auch machen wollen. Manche Theater bieten Karten ab 1 € für Arbeitssuchende.
Das alles hat auch nichts mit Elite zu tun und es gibt keine Kleiderordnung in der Kultur. Diese Märchen von Sekt schlürfenden Millionären und flitternden alten Damen sind zum totlachen, wenn es nicht so traurig wäre, wie leicht sich Menschen damit von Kultur entfernen lassen. So kann man eben auch sehr gut die Masse der Menschen von Innovation und Denken fern halten.
Lassen sie sich doch nicht mehr in die alten Standesordnungen einzwängen und ergreifen sie wenigstens für ihre Kinder die Chance mehr zu sein als ‚Krupps brave Arbeitergruppe‘ oder ‚der fleißige Bergmann‘.
Wenn sie noch immer dem Märchen von der Elite in den Theatern oder den unbezahlbaren Theaterkarten glauben schenke und sich aussondern lassen, dann wird die Kultur mit all seinen Bereicherungen tatsächlich nicht mehr lange für alle da sein.
11:37
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11:14
Der erste Politiker, dem es gelingt, glaubhaft den Menschen seine Pläne zu erklären, wird sich über 50 Prozente freuen dürfen!
Dann wird es wohl eine Fortsetzung der Geschichte geben...
10:49
Das leben ist schwer wenn die stadt
schulden hat wie kommt man wieder
daraus die wollen doch nicht für
alle so ne ein euro job anbieten
um kosten zur verbessern
hauptsache der kleine mann muss
wieder ausbaden für immer
da unser politiker voll fressen und
ne gute reise machen und abkassieren
an armen bürger
10:27
@ #18
Genau. Revolution mit Steigerlied und Kohlestückchen zum Umhängen. Genial, diese Alt-68er-Träume.
09:53
ACHTUNG JETZT KOMMT DIE KULTUR!
Ihr superkritischen Kritiker auf Euren fetten Ärschen und mit schwachen Monitor-Augen: Tut doch heute mal eine gute Tat für die Kultur und quirlt nicht dauernd in Eurem Egobrei. Wir sind Teil der Kulturhauptstadt und die Ideen, die bleiben und sich manifestieren, werden diese politischen Strukturen transfornieren, denn wie die Finanzwelt hat die politische Welt die gesellschaftliche Leitungsberechtigung verloren, Sprich: KULTURREVOLUTION!
Fred Schywek
Schriftsteller vom Rhein
Duisburg
Piratennest der Kulturhauptstadt
05:00
Die Arge übernimmt leider keine Museumsbesuche,Schwimmstunden,Theaterveranstaltungen. Weder für Singles, noch für Famillien.
Annähernd 10 Mio. Bürger dieses Landes sind aber von diesem Amt und den 359,-/Person abhängig. Ob mit oder ohne Job spielt eh keine Rolle mehr. Ich kenne kaum noch jemanden, der nicht als Aufstocker dort ansteht, um den Hungerlohn seines Chefs an das Existenzminimum anzugleichen.
Es sind also nicht die Bürger schuld, wenn Kultur nicht genutzt wird. Und nicht jeder Hartz4 Bezieher will Verblödungs-TV konsumieren - doch wie soll er dem entkommen ? Sozialgerichte haben entschieden, man habe ein Grundrecht auf Fernsehen, ja man kann sogar die Argen auf kostenlose TV-Geräte verklagen, nicht jedoch auf PC,Technik,Internet,Sport,Bildung und Kultur. Ein Schelm, wer dabei böses wittert...
SJ