Kraut & Rüben.xml

Frühestblüher: die Primel.
Frühestblüher: die Primel.
Foto: Wolfgang Neuser
Was wir bereits wissen
Primeln sind die Zimtsterne der Gärtnereien und Baumärkte: Jedes Jahr hat man das Gefühl, diesmal sind sie noch früher in den Laden gekommen.

Sie stehen da und wollen nicht so recht zu den Temperaturen draußen passen. Immerhin bringen die in den Gewächshäusern gepäppelten Primelblüten satt Farbe in den Garten – aber will man das? Will man in dieser tristtrüben Zeit des allgegenwärtigen Matschgraugrünbrauns im Garten flammend rote, fröhlich gelbe, schrillschräg pink gemusterte und womöglich sogar noch zweifarbige Blüteninseln? Betonen solche leuchtend farbigen Inseln nicht sogar noch die Tristesse des Meers aus Winterschlaf und vollendetem Tarnanstrich ringsum? Primeln sind doch was für den Frühlingsanfang, ja – und? Haben wir den jetzt? Für alle, die es auf dem kurzen Weg zum Auto nicht merken: Wir sind mitten im W-I-N-T-E-R!

Mischung aus Nerd, Methusalem und Gartenzwerg

Wobei ich nie begreifen werde, warum es die Primel zum Schimpfwort gebracht hat. Die menschliche Primel ist, wenn ich es recht verstehe, so eine Art Mauerblümchen, verhutzelt, eigenartig, eine Mischung aus Nerd, Methusalem und Gartenzwerg. Das mag mit den wie runzelig aussehenden Blättern der Primel zu tun haben. Aber das können nur Menschen jenseits des Gartens so sehen. Denn für unsereinen zählen doch die Vorzüge der Schlüsselblume als Frühjahrsblüher und Staude.

Die ersten Blüher im Jahr

Der Name rührt ja vom lateinischen „primus“, „erster“. Und weil sie als erste Blume im Jahr (wenn man einmal großzügig von Christrosen absieht) die Blüten ausfahren, sind sie natürlich auch schnell wieder verschwunden. Dieses Sich-Verkrümeln dürfte wiederum für die Redewendung „eingehen wie eine Primel“ gesorgt haben. Was man als Gärtner nicht mit den Mimosen verwechseln sollte – denn Primeln sind frosthart und trotzen auch dem späten Schnee. Außerdem kommen sie wieder, wie ich festgestellt habe, weil ich unsere verblühten Primeln immer im Vorgarten aussetze. In manchen Jahren blühen noch ein zweites Mal im Herbst – und manchmal auch im Jahr darauf. Und als ich jetzt im Vorgarten genauer hingesehen habe, musste ich prompt bei Gärtnereien und Baumärkten Abbitte leisten: Da blühen doch tatsächlich die ersten Freiland-Primeln! Am Ende ist die Klima-Erwärmung auch noch schuld an den Zimtsternen im August . . .