Kommunen zahlen doppelt
18.01.2008 | 17:48 Uhr 2008-01-18T17:48:30+0100Hagen/Schwelm. Die Kulturhauptstadt 2010 im Ruhrgebiet hat geradezu explosionsartig eine Fülle von kreativen Ideen freigesetzt. Doch das Geld wird knapp. ...
... 51 Millionen stehen zur Verfügung, mindestens 70 müssten es sein, und die Hauptlast tragen die Kommunen. Die aber sind zum großen Teil im Nothaushalt.
"Ruhr 2010"-Geschäftsführer Fritz Pleitgen hat in den vergangenen Wochen unermüdlich betont, dass der Kulturhauptstadt-Etat nicht ausreicht. "Wir haben 48 Millionen, dazu kommen drei Millionen zusätzlich vom Bund. Aber wir rechnen damit, dass wir 70 Millionen brauchen", so Brigitte Norwidat-Altmann von der "Ruhr 2010". Die Organisatoren setzen auf Sponsoren. "Wir kooperieren in erster Linie mit Unternehmen des Initiativkreises Ruhrgebiet. Abschlüsse stehen kurz bevor. Das Interesse ist sehr groß", erläutert Brigitte Norwidat-Altmann.
Im Vergleich zu anderen Kulturhauptstädten sind sogar die erhofften 70 Millionen kleine Fische. So legt Liverpool, amtierende Kulturkronen-Trägerin 2008, 100 Millionen auf den Tisch. Auch Istanbul und Pécs, die sich mit dem Ruhrgebiet die Kulturhauptstadt-Ehre 2010 teilen, haben größere Budgets. Die Türken wollen 120 Millionen in die Hand nehmen, die Ungarn sogar noch mehr.
Wie das kommt? In der Türkei und in Ungarn ist die Kulturhauptstadt eine Frage des nationalen Prestiges. In Deutschland hat sich bisher noch kein rechtes Bewusstsein dafür entwickelt, dass das Ruhrgebiet 2010 stellvertretend für ein ganzes Land im Blickpunkt steht. "Die Kulturhauptstadt ist eine nationale Aufgabe", unterstreicht auch Dr. Arnim Brux, Landrat des EN-Kreises und als Vertreter des RVR Mitglied im Aufsichtsrat der "Ruhr 2010".
NRW-Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff nimmt demgegenüber Berlin in Schutz: "Der Bund hat den zugesagten Etat von neun Millionen um weitere drei Millionen auf 12 Millionen erhöht, das lässt sich nur schwer als Zurückhaltung interpretieren", argumentiert Grosse-Brockhoff. "Aber natürlich gilt es zurzeit, das Bewusstsein für die Bedeutung der Kulturhauptstadt 2010 noch weiter zu schärfen, auch international. Die ,Ruhr 2010' ist dazu unter anderem im Gespräch mit dem Außenministerium", so Grosse-Brockhoff.
"Im Augenblick liegen über 2000 Projektvorschläge vor, die gesichtet werden. Es kommen jetzt die ersten Rückantworten, also Absagen. Es gibt einige Leitprojekte seitens der Geschäftsführung. Doch die spannende Frage lautet: Wie können wir eine ausgeglichene Verbindung zwischen Leitthemen und den Ideen aus der Region herstellen," schildert Brux den aktuellen Stand.
Inhaltlich steht also nicht das Geld im Vordergrund, sondern die Realisierung genau jener Idee, die dem Ruhrgebiet letztlich den begehrten Titel eingetragen hat. Brux: "Im Augenblick hat die Bewertung der Projekte noch eine große Dynamik. Es wird eine spannende Frage sein, inwieweit sich die ganze Region in der Kulturhauptstadt wiederfindet. Das wird der kritische Punkt sein, darüber müssen wir im Aufsichtsrat sprechen. Manche haben die Befürchtung, dass für die Region nichts übrig bleibt."
Die Projektvorschläge, die in Essen nicht akzeptiert werden, gehen zur Realisierung in die Städte zurück. Und genau da liegt der Kultur-Hund begraben. Denn die finanzielle Situation der Kommunen ist schwierig. Hagen ist zum Beispiel im Nothaushalt ebenso wie Witten und Schwelm. Dass nun ausgerechnet mit Hagen die Pionierstadt der Industrialisierung vielleicht kulturhauptstadtmäßig leer ausgehen könnte, darüber mag Oberbürgermeister Peter Demnitz gar nicht erst nachdenken. Rein kommunalaufsichtlich dürfte Demnitz keinen Cent für 2010 aus dem Stadtsäckel lassen. "Wir müssen abwarten, wie unsere Hauptleuchtturm-Projekte, die wir vorgestellt haben, beschieden werden. Dann müssen wir sehen, ob wir einen Eigenanteil leisten können, das müssen wir mit der Kommunalaufsicht stemmen. Kommen die Gelder aus den Kulturhauptstadt-Töpfen nicht, sind wir als Stadt nicht in der Lage, Ersatz zu leisten."
Damit wäre schlimmstenfalls 2010 genau die Stadt außen vor, die über ihren berühmten Bürger, den Kunst-Visionär Karl Ernst Osthaus, der Kulturhauptstadt überhaupt erst ihr Motto liefert: "Wandel durch Kultur, Kultur durch Wandel."
Die "Ruhr 2010" hat das Problem der Kommunen erkannt. Brux: "Es muss eine Lösung geben. Die kommunalaufsichtlichen Schwierigkeiten diskutieren wir gerade. Das Problem verschärft sich dadurch, dass die Städte im Prinzip zweimal für die Kulturhauptstadt zahlen: mit ihren eigenen Mitteln und über die Umlage für den RVR."
19:32
Hallo Michael,
zur Vorbereitung
Lieben Gruß
Peter