Das aktuelle Wetter NRW 16°C
Film

"Zero Dark Thirty" - Osama Bin Ladens Tod als Kino-Drama

29.01.2013 | 18:48 Uhr
Jessica Chastain als CIA-Analystin Maya in „Zero Dark Thirty“ von Kathryn Bigelow.Foto: Universal

Essen.   Kathryn Bigelow hat früher Thriller („Blue Steel“), Vampirfilme („Near Dark“) und Science-Fiction („Strange Days“) gedreht. Seit ihrem Oscar für den Kriegsfilm „The Hurt Locker“ jedoch bevorzugt sie politische Themen. „Zero Dark Thirty“ beschreibt die Jagd auf Osama Bin Laden.

Kathryn Bigelows Film „Zero Dark Thirty“ wurde in den USA mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Es ist nun mal etwas anderes, ob ich weiß, dass der US-Geheimdienst Gefangene der Folter unterzieht, oder ob ich bei dieser Prozedur zuschauen soll. Wer Bigelows Film über die Eliminierung Osama Bin Ladens sieht, kommt daran nicht vorbei: Die erste halbe Stunde zeigt quälend ausführlich, wie ein CIA-Agent versucht, die Abwehr eines Gefangenen zu brechen. Das berüchtigte simulierte Ertränken beim „Waterboarding“ ist dabei nur ein Mittel von vielen.

Todeszeitpunkt 0.30 Uhr

„Zero Dark Thirty“, gemeint ist Bin Ladens Todeszeitpunkt um 0.30 Uhr nachts, wurde aus der Not geboren. Eigentlich waren Bigelow und ihr Drehbuchautor Mark Boal gerade dabei, einen Film vorzubereiten über das Versagen amerikanischer Geheimdienste bei der Jagd auf Bin Laden wenige Monate nach dem 11. September. Dann wurden sie von Osamas Tod eingeholt und mussten umdenken. Keine Schwierigkeit offenbar bei diesem Team, das schon mit dem Irak-Kriegsdrama „The Hurt Locker“ einen Oscar errungen hat.

Am Ende hat man sich vom ursprünglichen Projekt gar nicht so weit entfernt. Der Kleinmut, die Angst vor einer Fehlentscheidung, gerade in den Führungsetagen der CIA – das alles lässt Einblicke zu auf die Verwundbarkeit der USA im Ernstfall. Da können die Verantwortlichen von Glück sagen, dass es in solchen Situationen Mitarbeiter wie die Analytikerin Maya Lambert gibt, die ganz auf ihren Instinkt setzt. Die Schauspielerin Jessica Chastain („Tree of Life“) ist diese Maya von Anfang an mit einem Hauch des Manischen, der es verhindert, in dieser Frau eine Identifikationsfigur zu sehen.

Nächtlicher Einsatz in Echtzeit

Auch Maya ist zunächst angewidert von der Folter, zwingt sich aber zum Hinsehen und wird später nicht zögern, selbst solche „peinlichen Verhöre“ anzuordnen. Nach Pakistan versetzt, soll sie sich hier einer Agentengruppe anschließen, die Informationen sammeln und geplante Anschläge nach Möglichkeit verhindern soll. Schon bald weicht sie bei den Recherchen von der Linie der anderen Agenten ab, verbeißt sich in die Fahndung nach Bin Laden und stößt sehr früh auf das gut sichtbare Haus in Abbottabat, Pakistan, wo Amerikas Todfeind Nr. 1 schließlich nach langem Zögern erschossen wird – über 100 Tage später.

Geräuschgedämpfte Hubschrauber

Sie habe, so die Regisseurin, immer einen journalistischen Ansatz bei „Zero Dark Thirty“ im Sinn gehabt. Das zeigt sich vor allem bei dem nächtlichen Einsatz gegen Osama, der in Echtzeit gedreht wurde und der fast dokumentarisch wirkt. Das beginnt mit der ruhig gefilmten Annäherung von geräuschgedämpften Hubschraubern und endet in einer chaotisch wirkenden Haus-Durchstöberung. Überall das Grün der Nachtsichtgeräte, die Konfusion der Beteiligten, den über Leichen führenden allmählichen Aufstieg in die oberste Etage, wo man Bin Laden dann erschießt. Der Zuschauer fühlt sich ähnlich verlassen wie die Einsatzkräfte, kann den Raum des Hauses nie richtig erfassen. Am Ende des Einsatzes herrscht denn auch kein Triumph, die Soldaten begreifen kaum, was da gerade geschehen ist.

Osama bin Laden ist tot

Verbissene Einzelgängerin

Mit dem erfolgreichen Ende der Mission beginnt für Maya jedoch erst das richtige Drama. Als verbissene Einzelgängerin hatte man sie bereits eingeschätzt, ohne Bindungen, ohne Freunde, ohne Fröhlichkeit. Am Ende aber, auf dem Heimflug, schenkt Jessica Chastain uns einen Blick, der die ganze Verlorenheit dieser Figur offenbart. Sie steht nicht vor einem Leben, an das sie anknüpfen könnte, sie steht – vor dem Nichts. Diese Tragik zu zeigen ist vielleicht die eigentliche Botschaft dieses fesselnden Films.

Arnold Hohmann



Kommentare
Aus dem Ressort
Der letzte Hobbit-Film feiert am 1. Dezember Premiere
Mittelerde
Die zweite Trilogie geht zu Ende: Am 1. Dezember startet der dritte Hobbit-Film des Regisseurs Peter Jackson in den Kinos. Eine kleine Vorschau haben die Schauspieler nun auf Facebook gegeben. Die ersten drei "Herr der Ringe"-Filme gelten als kommerziell erfolgreichste Filmtrilogie aller Zeiten.
Bewegendes Drama mit Oscar-Preisträgerin Marion Cotillard
Drama
In dem neuen Film "Zwei Tage, eine Nacht" der Regisseure Jean-Pierre Dardenne und Luc Dardenne spielt Oscar-Preisträgerin Marion Cotillard ("La vie en rose") die Mitarbeiterin einer kleinen Firma, die ihren Job zu verlieren droht. Allerdings könnten ihre Kollegen die Entlassung noch verhindern.
"5 Zimmer Küche Sarg" – Wohngemeinschaft der Vampire
Komödie
In der Komödie "5 Zimmer Küche Sarg" beleuchten die neuseeländischen Regisseure Taika Waititi und Jemaine Clement die nicht ganz alltäglichen Probleme, die in einer sehr speziellen Männer-Wohngemeinschaft vorkommen – denn Viago, Vladislav, Deacon, Petyr und Nick sind Vampire.
WM-Film "Die Mannschaft" zeigt Thomas Müller im Dirndl
WM-Film
Die Fußball-Helden auf dem Platz kennt jeder. Aber beim Frühstück im Campo Bahia? Im Mannschaftsbus? Oder Thomas Müller im Dirndl? Mit "Die Mannschaft" kommt ein Film ins Kino, der uns zur Fußball-WM in Brasilien mitnimmt — mit verborgenen Szenen, die es so noch nie zu sehen gab.
"Love, Rosie" – Verfilmung des Bestsellers von Cecelia Ahern
Komödie
In der Liebeskomödie "Love, Rosie – Für immer vielleicht" geht es um die Freunde Rosie und Alex, die eigentlich für einander bestimmt sind, aufgrund vieler Missverständnisse aber einfach nicht zueinander finden. Die Verfilmung basiert auf dem Bestseller der irischen Autorin Cecelia Ahern.
Umfrage
Statt mit Aufkleber will Verkehrsminister Dobrindt die Pkw-Maut mit automatischer Nummernschild-Erkennung an den Autobahnen kontrollieren lassen. Was halten Sie davon?

Statt mit Aufkleber will Verkehrsminister Dobrindt die Pkw-Maut mit automatischer Nummernschild-Erkennung an den Autobahnen kontrollieren lassen. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos
So viel verdienen die Hollywood-Stars
Bildgalerie
Forbes-Liste
Fifty Shades of Grey - Trailer
Video
Erotik-Verfilmung
Schiller auf dem roten Teppich
Bildgalerie
Filmpremiere
Die Top-Verdiener Hollywoods
Bildgalerie
Stars