Zerbrochene Träume bei "Crossing Over"
27.06.2009 | 10:40 Uhr 2009-06-27T10:40:00+0200
Essen. Wayne Kramers bitterer Film „Crossing Over” erzählt von der Migrantenproblematik in Los Angeles. Auch wenn das Konterfei von Harrison Ford auf den Plakaten in den Vordergrund gerückt ist, so geht der Schauspieler hier doch eher in einem überzeugenden Ensemble auf.
Deutscher Kinostart: 25.06.2009
Regie: Wayne Kramer
Darsteller: Harrison Ford, Sean Penn, Ray Liotta, Ashley Judd u.a.
Gemeinhin ist das Problem Immigration im Hinblick auf die USA im Kino mit einem Blick auf die Grenze nach Mexiko abgetan. Wayne Kramers geschichten- und schicksalsreicher Film „Crossing Over” zeigt nun jedoch ein sehr viel differenzierteres und sicher auch kritischeres Bild vom Umgang Nordamerikas mit seinen vielen gebetenen und ungebetenen Gästen.
Auch wenn das Konterfei von Harrison Ford auf den Plakaten in den Vordergrund gerückt ist, so geht der Schauspieler hier doch eher in einem überzeugenden Ensemble auf. Als altgedienter Agent Max Brogan bei „Immigration and Customs” in Los Angeles ist er einer aus dieser Truppe des Heimatschutzministeriums, der Menschen ohne Papiere aufspüren und sie außer Landes schaffen soll. Jeden Tag Razzien zu leiten, jeden Tag das Ende großer Träume erleben zu müssen, das hat aus Max einen schlecht gelaunt dreinblickenden Zeitgenossen gemacht. Längst bestimmt eine gewisse Altersmilde sein Handeln: Wenn ein flehentlicher Blick ihn trifft, schaut er auch schon mal weg.
Keine abgestumpfte Routine
Max ist einer, den die Routine nicht abgestumpft hat, der sich bei Gelegenheit sogar kümmert um das Elend, dessen Zeuge er Tag für Tag wird. So auch bei der jungen Mexikanerin, die ihm gerade noch einen Zettel zustecken kann, bevor man sie in Abschiebehaft steckt. Es ist ein Hinweis auf den Aufenthaltsort ihres kleinen Sohnes, den Max später nach Mexiko fährt, um den Kleinen seinen Großeltern zu übergeben. Die Mutter wird man später als Leiche in der Wüste wiedersehen, krepiert zwischen ungeliebter Heimat und dem Traum von Amerika.
Doch „Crossing Over” ist kein Film über den guten Menschen in Uniform. Eher schon ein böser Film über die rigiden Praktiken der Behörden und ihrer Vertreter. Da muss eine junge Muslimin in der Schule nur ein Referat halten, in dem sie Verständnis für das Anliegen der Attentäter von 9/11 äußert, schon schlägt ihr blanker Hass entgegen. Das FBI stürmt die Wohnung ihrer Eltern, verhört die Minderjährige als potenzielle Terroristin und zerreißt danach Familienbande: Da nicht in den USA geboren, wird das Mädchen gemeinsam mit einem Elternteil abgeschoben.
Bunte Zwangsgesellschaft mit unüberbrückbaren Gegensätzen
Erpressung ist bei Immigration an der Tagesordnung: Entweder du bist still, oder du kannst dir das „Land of the Free” von der Backe putzen. Ein Beamter, der für das Abstempeln der Green Card zuständig ist (Ray Liotta), nutzt diese Macht, um aus einem australischen Filmsternchen mit Hollywood-Ambition schnell eine willige Sexsklavin zu machen. Und dass es mit der Assimilation auch nicht klappt, dafür ist der islamische Kollege von Max das beste Beispiel. In starken traditionellen Familienstrukturen aufgewachsen, muss man ihm schließlich sogar den „Ehrenmord” an seiner Schwester zutrauen.
Kramer, der mit seinem Spielerfilm „The Cooler” bekannt wurde, bringt vieles zusammen in diesem Los Angeles, das hier derart ausschnitthaft fotografiert ist, dass sich eher der Eindruck einer Kleinstadt aufdrängt. Kein Schmelztiegel wird einem da präsentiert, mehr schon eine bunte Zwangsgesellschaft mit unüberbrückbaren Gegensätzen. Das Ziel schließlich, die Einbürgerungszeremonie und der Eid auf die Verfassung, hat in „Crossing Over” wenig Feierliches an sich. Sie findet statt in einer schäbigen Turnhalle, das Pathos wirkt drittklassig, die Hymne angestrengt.
Nicht gerade das Ambiente für das, was Immigranten sich einmal als den schönsten Tag in ihrem Leben ausgemalt haben. Aber irgendwie passend zu einem Land, in dem nicht mehr viel übrig ist von den Idealen der Gründerväter.
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