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Zeiten ändern dich

05.02.2010 | 09:08 Uhr
Zeiten ändern dich. © Constantin Film
Zeiten ändern dich. © Constantin Film

Bushido - vom Berliner Ghettojungen zu einem der bekanntesten deutschen Rapper.

Bushido, lange Zeit der böse Bube der deutschen Rap-Szene, ist seit geraumer Zeit dabei, sein Ghetto-Image abzustreifen, um ins bürgerliche Lager zu wechseln. Statt im Berliner Bezirk Tempelhof lebt der Multimillionär inzwischen in einer Luxusvilla in Lichterfelde. Statt im Kapuzenshirt ist er mittlerweile meist im Anzug unterwegs, schließlich ist der Rapper jetzt auch als Immobilienmakler tätig. Eingeläutet wurde der Wandel von Anis Mohamed Youssef Ferchichi, wie Bushio bürgerlich heißt, 2008 mit seiner Autobiografie. Wochenlang stand sie an der Spitze der Bestsellerlisten. So war es nur eine Frage der Zeit, bis die Lebensbeichte verfilmt werden würde.

Viel Zeit hat sich Produzent und Drehbuchautor Bernd Eichinger («Das Parfum», «Der Baader Meinhof Komplex») nicht genommen, weder für dramaturgische noch inszenatorische Feinheiten. Recht plump erzählt «Zeiten ändern Dich» jene Szenen aus Bushidos ersten 30 Lebensjahren nach, die das Image des Rappers auszeichnen: Als Kleinkind muss er miterleben, wie sein alkoholkranker Vater die Mutter verprügelt und dann aus dem Leben der Familie verschwindet.

Nervendes Machogehabe

Info
Zeiten ändern dich
  • Filmstart 4. Februar 2010
  • Drama/Biografie
  • Regie: Uli Edel
  • zum Trailer

Als 16-Jähriger bricht Bushido die Schule ab und beginnt, sich als Dealer das nötige Kleingeld zu verdienen: Das Startkapital dafür leiht ihm die Mutter. Die Beziehung zu Selina, Tochter aus besserem Hause, scheitert. Die Eltern sind ihm zu spießig, und Selina geht das Machogehabe ihres Freundes bald auf die Nerven. Allenthalben und wie ein unfreiwilliger Running Gag fordert Bushido «Respekt», was im Klartext meist heißt, dass er jemandem in die Fresse hauen muss, um seine Ehre zu verteidigen.

Dann kommt aber auch schon der Aufstieg zum erfolgreichen Rapper und am Ende steht ein Berliner Konzert vor dem Brandenburger Tor samt großer Familienversöhnung an. Spätestens da haben Edel, Eichinger und Bushido jegliche Bodenhaftung verloren und liefern ein kolportagehaftes, spießiges Happy End, das der Bühnenfigur Bushido völlig zuwider läuft. Dessen Selbstinszenierung als cooler, aufrechter Macho wird durch unfreiwillig komische Szenen und dilettantische schauspielerische Leistungen sabotiert.

Drehbuchautor Eichinger schrieb hölzerne Dialoge

Den hölzernen Dialogen von Drehbuchautor Eichinger konnten auch gestandene Schauspieler wie Hannelore Elsner als Bushidos Mutter sowie Katja Flint und Uwe Ochsenknecht als die Eltern seiner Freundin Selina kaum Glaubwürdigkeit verleihen. Und Bushido, der sich als Erwachsener selbst spielt und die Geschichte aus dem Off erzählt, ist kein schauspielerisches Naturtalent und wirkt eher peinlich.

Cool ist allenfalls Schlagersänger Karel Gott. Als die Fanmassen vor dem Brandenburger Tor ungeduldig auf die Ankunft Bushidos warten, bringt er sie dazu, mit ihm das Lied von «Biene Maja» zu singen. Das zeugt von künstlerischer Klasse und Selbstironie. (ddp)

DerWesten

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