Das aktuelle Wetter NRW 23°C
Kino

Woody zergrübelt Cassandra

04.06.2008 | 07:13 Uhr
Woody zergrübelt Cassandra

Essen. Zwei Brüder in Geldnöten und ein Film, der auf der Stelle tritt. Der neue Allen ist der schlechteste seit langem.

Info
Cassandras Traum

Deutscher Kinostart: 05.06.2008

Regie: Woody Allen

Darsteller: Ewan McGregor, Colin Farrell, Tom Wilkinson, Sally Hawkins, Hayley Atwell u.a.

Trailer

Bilder zum Film

Es schadet ja nichts, dass das Jahr seine Konstanten hat. Im Dezember feiert man Weihnachten, im April beginnt man die Frühjahrsdiät, und einmal im Jahr erscheint mit schöner Regelmäßigkeit ein neuer Woody Allen-Film. Dieses Jahr aber sollte alles anders sein. Weihnachten war ungefährdet. Die Frühjahrsdiät hat wie immer nichts gebracht. Aber der Woody Allen-Film, der sollte ausfallen. Zumindest im Kino. Anfang Januar gab der Münchner Verleih Constantin Film bekannt, das jüngste Werk des New Yorker Stadtneurotikers in Deutschland ausschließlich auf DVD erscheinen zu lassen. Es wäre das erste Mal in 38 Woody Allen-Jahren gewesen. Und manche Cineasten witterten schon buchhalterischen Kleinmut und kunstferne Kalkulation. Dann gab es doch noch ein Umdenken. Aber wenn "Cassandras Traum" in dieser Woche in die Kinos kommt, wird man sehen: Die Bedenken des Verleihs waren nicht unbegründet, diese mörderisch-müßige Grübelei aus der Londoner Arbeiterschicht ist der schlechteste Allen-Film seit langem.

London öd und grau

Mythologische Bezüge sind dem Werk des großen, umgemein produktiven Filmemachers ja nicht fremd, und auch das Kriminalfilm-Genre hat Allen zuletzt zu schönen, amüsanten und vitalen Alterswerken wie "Scoop" und "Machtpoint" animiert. Hinzu kam der Ortswechsel: Allens neues New York war London geworden. War man zuletzt noch begierig darauf, Europa mal durch die dicke Hornbrille des amerikanischen Zerstreuungs-Intellektuellen zu sehen, wirkt auch dieses London nun öd und grau. In der unteren Mittelschicht angelangt, scheint der Film an allem zu sparen: An Farbe, brillanten Dialogen, gewitztem Plot. Stattdessen tritt die Geschichte zwei Stunden lang gemächlich auf der Stelle.

Der Inhalt ist schnell erzählt. Zwei Brüder, Terry (Colin Farrell) und Ian (Ewan McGregor), haben ihre liebe Not mit dem Geld. Der eine, Terry, macht seine Miesen beim Pokern und Pferderennen. Der andere, Ian, hat eine Schwäche für schöne Frauen, schnelle Autos und Immobilien Als sich beide auch noch in ein Boot, "Cassandra's Dream" vergucken, nimmt das Unheil seinen Lauf. Der reiche Onkel will aushelfen, bittet dafür allerdings um einen kleinen Gefallen, einen Auftragsmord. So nimmt das Hadern und Zaudern, das geschwätzige Debattieren und Ermuntern seinen Lauf. Ein ziemlich witzloses Tauziehen der ewig gleichen Argumente, ohne Sieger.

Manchem mag in diesem Film die zentrale Frauenfigur fehlen, die weder Hayley Atwell durch ihre Schönheit noch Sally Hawkins durch ihren frischen Witz darstellen können. Und deshalb kann schon bald wieder alles besser werden. Allens jüngster Wurf, "Vicky, Christina, Barcelona", vor kurzem bei den Filmfestspielen von Cannes vorgestellt, hat die Kritiker mit bester Laune aus dem Kino entlassen. In diesem Film wimmelt es nur so von betörenden Frauen: Rebecca, Hall, Penelope Cruz und Allens neueste Muse Scarlett Johansson umgarnen dort einen feurigen Spanier, gespielt von Javier Bardem. An den Konstanten im Leben wird sich auf Sicht also nichts ändern. (NRZ)

Martina Schürmann

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1780985/create

Aktuelle Fotos und Videos
Filme und Promis in Cannes
Bildgalerie
Cannes
Will Smith schlägt Reporter
Bildgalerie
Film
Will Smith bei Men in Black 3
Bildgalerie
Kino-Premiere
Oscars 2012: Die Nominierten
Bildgalerie
Hollywood
Aus dem Ressort
Christopher Lee - der Ur-Vampir und Filmstar wird 90
Geburtstag
Christopher Lee, die Ikone des Horrorfilms, wird am Sonntag 90 Jahre alt. Für eine ganze Generation prägte er 1958 das Bild von Dracula als Aristokrat der Nacht. Sein Biss war im Vergleich zu Darstellungen in heutigen Vampir-Filmen dezent – sein Cape hingegen wehte eindrucksvoll.
Cate Blanchett – die Bühnen-Queen von nebenan
Ruhrfestspiele
Auf ihrer Theatertour durch Europas Metropolen macht Oscar-PreisträgerinCate Blanchett mit „Groß und Klein“ Station bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen. Ein Porträt.
Foto