Das aktuelle Wetter NRW 19°C
Kino

Wie Angelina Jolie in „Salt“ die Welt retten will

16.08.2010 | 18:49 Uhr

Essen. Laufen, schießen, die Welt retten: Angelina Jolie hat einen neuen Job in Hollywood. Als knallharte CIA-Agentin Evelyn Salt macht sie den Kerlen Konkurrenz. Eigentlich sollte Tom Cruise die Rolle spielen.

Gut möglich, dass die Herren Craig und Damon in diesen Tagen ein bisschen unruhiger schlafen. Denn in Hollywood wird gerade kräftig an ihrem Agenten-Stuhl gesägt. Von einer Frau. Dass der Begriff „Powerfrau“ für Angelina Jolie praktisch erfunden worden ist, war ja schon länger offensichtlich, nicht nur dank ihres markigen Auftretens als Computerspiel-Sirene Lara Croft. Auch wie tough sie die Doppelbelastung Mutter/Superstar stemmt, konnte uns dank intensiver Berichterstattung nicht entgehen. Nun ist sie auch noch Doppelagentin. Die erste Frau zudem, die so einen Actionthriller im Alleingang stemmt.

„Ich will Bond spielen“, hat Jolie irgendwann beschlossen. Vermutlich so selbstverständlich wie „Ich will sechs Kinder, den Waschbrettbauch von Brad Pitt und nebenbei die Welt retten.“ Und also hat Drehbuchautor Kurt Wimmer die ursprünglich für Tom Cruise geschriebene Figur so lange umgemodelt, bis aus Edwyn Salt „Evelyn Salt“ geworden war. Eine amerikanische Geheimagentin, die vielleicht doch für die Russen arbeitet. Oder eine Russin, die es mit den Amerikanern hält. Jedenfalls eine Frau, die mit furchtlosem Weltenretterblick von Brücken auf fahrende Lastwagen springt, die aus einem Slip und Feuerlöscher eine Rakete bastelt und bei der überstürzten Flucht über die Dächer noch schnell ihren kleinen Hund in gute Hände gibt.

Atemloser Einsatz für Evelyn Salt. Foto: Sony

Wie viele Frauen, die in eine männliche Domäne vordringen, will Jolie den Job dabei augenscheinlich doppelt und dreifach gut machen. So ist Phillip Noyces spannender Thriller eine einzige Vorwärtsbewegung; ein Rennen und Drängen, die Dynamik des immer schneller geschalteten Agenten-Hightech-Kinos aufzunehmen, mitzuhalten beim Wettstreit um die halsbrecherischsten Stunts und aberwitzigsten Crashs. Und diese bis zuletzt aufregend undurchsichtige Agentin Salt schlägt und schießt und rennt nicht nur wie Bourne und Co. Sie sieht selbst geschlagen und geschunden auch noch blendend aus.

Verwundet noch schön

Der Film-Prolog führt da gleich in ein finsteres nordkoreanisches Folter-Verlies. Da liegt eine spärlich bekleidete Frau, schmutzbedeckt und blutverkrustet: Salt. Und schon im nächsten Moment beim geheimen Agentenaustausch, ist die Aura der Unantastbarkeit wieder hergestellt. Diese Frau kann mit dem distanzierten Blick einer Zoll-Beamtin durch Ruinenlandschaften gehen.

Die eigentliche Geschichte setzt dann in Washington ein. Salt ist eine Spitzenkraft beim CIA. Verheiratet mit einem deutschen Spinnenforscher, bei dessen Besetzung offensichtlich nicht die sonst gängigen Bondpartner-Kriterien angelegt wurden. Nichts gegen den jungenhaften Charme des deutschen Schauspielers August Diehl. Aber dass eine Frau vom Kaliber Salt für diesen soften Mann mit dem Sowi-Lehrer-Bärtchen töten könnte, will man nicht ganz glauben. Anlässe zum Killen bekommt sie allerdings auch so noch genug.

Als ein etwas heruntergekommener KGB-Agent in der CIA-Zentrale plötzlich nämlich etwas von russischen Schläferagenten erzählt, die nun gekommen sind, um den russischen Präsidenten in Amerika zu töten und damit die alten Fronten wieder aufzumachen, ist der Film da, wo sich schon lange kein Agentenfilm mehr hinbegeben hat: mitten im Kalten Krieg, unter dem Damoklesschwert der atomaren Bedrohung. Und Salt, die Verbrecher-Jägerin, ist fortan eine Gejagte. Vielleicht ist sie auch Auftragskillerin, Bombenlegerin, Retterin oder Verräterin, eine Gesandte oder Fehlgeleitete. Wie bei einer russischen Matroschka-Puppe steckt unter der gleichen makellosen Fassade doch immer wieder eine andere Figur.

Der Film spielt dabei auf sehr behände Weise mit dem Positionen-Pingpong und gibt Angelina Jolie ausgiebig Gelegenheit, ihre Absatzschuhe in die Hand zu nehmen und loszulaufen. Salt rennt, bis die Lungen rasseln. Hechtet wie eine Katze von Autodach zu Autodach. Wird festgenommen und flieht wieder, stürzt von Dächern und aus Hubschraubern.

Dass Angelina Jolie vom Schießen und Springen dabei noch lange nicht genug hat, kann man in der Schlusssequenz leicht erkennen. Fortsetzung folgt. Die Herren Cruise, Craig und Damon dürfen weiter Baldrian schlucken.

Martina Schürmann

Facebook
 
Kommentare
28.08.2010
22:36
Wie Angelina Jolie in „Salt“ die Welt retten will
von Limo | #5

Einfach Cool die Frau!!!! super

17.08.2010
16:16
Blockierter Kommentar.
von Hartzi123 | #4

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

17.08.2010
15:43
Wie Angelina Jolie in „Salt“ die Welt retten will
von happyindortmund | #3

Superfilm, und sie ist einfach cool...

17.08.2010
13:13
Wie Angelina Jolie in „Salt“ die Welt retten will
von Betueddelers Stopper | #2

Das seh ich ja heut erst. Diese Jolie ist also immer unter den Top- Frauen der Welt?
Hatte ich mir noch nie beguckt, werde ich auch NIE mehr tun, welch Gespenst!

17.08.2010
12:33
Blockierter Kommentar.
von Hartzi123 | #1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3570459/create

Aktuelle Fotos und Videos
Filme und Promis in Cannes
Bildgalerie
Cannes
Will Smith schlägt Reporter
Bildgalerie
Film
Will Smith bei Men in Black 3
Bildgalerie
Kino-Premiere
Ausgerechnet Sibirien
Bildgalerie
Kino
Aus dem Ressort
Cate Blanchett – die Bühnen-Queen von nebenan
Ruhrfestspiele
Auf ihrer Theatertour durch Europas Metropolen macht Oscar-PreisträgerinCate Blanchett mit „Groß und Klein“ Station bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen. Ein Porträt.
Foto
Deutsche Kino-Filme haben mehr Raucher-Szenen als US-Filme
Studie
Einer neuen Studie im Vorfeld des Welt-Nichtrauchertags zufolge rauchen die Schauspieler in deutschen Kinofilmen viel häufiger als in US-Produktionen. Die Forscher betonen, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Tababkonsum der Zuschauer und der Zahl der gesehenen Raucherszenen gebe.