Das aktuelle Wetter NRW 10°C
Filmkritik

"Who Killed Marilyn?" hat das Zeug zum Sommer-Kino-Hit

01.08.2012 | 19:11 Uhr
"Who Killed Marilyn?" hat das Zeug zum Sommer-Kino-Hit
Sophie Qiunton spielt in „Who Killes Marilyn“ das Kleinstadt-Starlet Candice Lecoeur.Foto: Koch Media

Essen.   Eine Kleinstadt-Schönheit wirkt wie eine Wiedergeburt der Hollywood-Diva. Dann wird sie tot aufgefunden. Ein Krimiautor will nicht hinnehmen, dass es Selbstmord gewesen sein soll. Der französische Mystery-Krimi „Who Killed Marilyn?“ hat das Zeug zum Überraschungshit dieses Sommers.

Was die große Liebesgeschichte dieses Films hätte werden können, scheitert daran, dass die Angebetete bereits zu Beginn tot ist. Das Kleinstadt-Starlet Candice Lecoeur (Sophie Quinton), das so gern wie Marilyn Monroe sein wollte, wird leblos aufgefunden im tiefen Schnee. Selbstmord, heißt es. Das aber will der Krimiautor Rousseau (Jean-Paul Rouve) nicht einfach so hinnehmen. Er ist einer vermeintlichen Erbschaft wegen an diesen kältesten Punkt Frankreichs gereist, der allein seines Käses („Bele du Jura“) und seiner bitterkalten Winter wegen Bekanntheit erlangt hat. Die Erkundung der Todesumstände im Fall Candice, so glaubt der Schriftsteller, werde ihm auch helfen, seine Schreibblockade zu durchbrechen.

Der Film ist noch keine 15 Minuten alt, da spürt man, dass dem Regisseur und Drehbuchautor Gérald Hustache-Mathieu hier ein erzählerischer und filmischer Coup gelungen ist. Was nicht nur daran liegt, dass man sich gleich zu Beginn an David Lynchs bedrohlich-schräge Fernsehserie „Twin Peaks“ erinnert fühlt. Der anreisende Fremde, das friedliche Gesicht der Toten im Schnee, das seltsame Verhalten der Einheimischen, das sind alles vertraute Versatzstücke. Später tauchen dann auch noch übersinnliche Momente auf, wenn Rousseau allmählich zu glauben beginnt, dass zwischen Candice und der Monroe eine Art Schicksalsband existiert.

Tatsächlich hat der Regisseur dafür gesorgt, dass nichts an diesem Hinterwäldlerdorf Mouthe an die Neuzeit erinnert. Die Geschichte könnte ebenso gut in den Sechzigern spielen, in jener Zeit also, als auch der Tod der Monroe nur schwer erklärbar schien. Dazu will es Rousseau, aller Widerstände der örtlichen Polizei zum Trotz, in diesem Fall nicht kommen lassen. Woher stammen die Blutergüsse in dem schönen Gesicht? Warum liegt die Leiche ausgerechnet im administrativen Niemandsland? Und warum eigentlich ermittelt die Polizei nicht? Es gibt viel zu tun.

Man denkt an David Lynch

Der Betrachter wird sanft auf einen spannenden Mystery-Krimi vorbereitet, in dem sich der ungeliebte Ermittler plötzlich auch noch mörderischen Attacken ausgesetzt sieht. Gleichzeitig aber muss er erkennen, dass auch Tote noch sehr gegenwärtig sein können. Als Rousseau endlich das Tagebuch von Candice entdeckt hat, ist es die Stimme der Verstorbenen, die uns selbst Seite für Seite vorliest und damit den Weg frei macht für viele erhellende Rückblenden. Hier sehen wir den allmählichen Aufstieg der Toten, deren Karriere mit TV-Werbung für den lokalen Käse beginnt und als Mätresse im Schlafzimmer des Ministerpräsidenten der Region endet.

Der Zuschauer hat inzwischen längst erkannt, dass es in der Tat so etwas wie eine übersinnliche Verbindung zwischen der Dorfschönheit und dem Hollywood-Idol zu geben scheint. Als sei jeder, der wie Marilyn wirken will, dazu verflucht, ihr Leben mit all seinen Qualen erneut zu durchleben. Da braucht es wahrlich nicht der Überdeutlichkeit, mit der dieses Phänomen vom Regisseur immer wieder auch noch erklärt wird. Das aber ist auch schon das einzige Manko in einem Film, der zum Überraschungshit dieses Sommers werden könnte.

Arnold Hohmann



Kommentare
Aus dem Ressort
Florian Fitz will „Filme machen, in denen es um was geht“
Kino
Schauspieler Florian David Fitz spricht mit Kinogästen in der Lichtburg über das schwierige Thema Sterbehilfe und seinen neuen Film „Hin und weg“. Die Dreharbeiten sind für den 39-Jährigen auch eine „Übung im Loslassen“ gewesen.
"The Northmen" – Harte Kerle in den schottischen Highlands
Action
Die Wikinger kommen: Im Actionfilm „The Northmen – A Viking Saga“ strandet eine rauflustige Horde an schottischen Gestaden, dabei waren die Nordmänner eigentlich auf Raubfahrt zu den Goldschätzen eines englischen Klosters unterwegs. Der Schweizer Regisseur Claudio Fäh setzt auf handgemachte Kämpfe.
"Denk wie ein Mann 2" - Trinken und Strippen in Las Vegas
Komödie
Die Fortsetzung der Komödie spielt in Las Vegas, wo ein Paar glanzvoll seine Hochzeit feiern will und dazu die Clique eingeladen haben. Bei den Junggesellen-Partys aber hauen die acht Männer und Frauen zu kräftig Putz. Am Ende einer turbulenten Nacht droht das Hochzeitsfest ins Wasser zu fallen.
Nachts kriechen die Boxtrolls aus der Unterwelt empor
Animation
"Die Boxtrolls" ist nach Alan Snows Kinderbuchvorlage entstanden. Es geht um die seltsame Stadt Cheesebridge, in der nachts aus der Unterwelt die Boxtrolls emporkriechen und alles mitnehmen, was nicht niet- und nagelfest ist. Eine raffinierte Mischung aus Puppentrick und 3D-Animation.
Das Priesterdrama "Am Sonntag bist du tot"
Drama
„Am Sonntag bist du tot“ stellt zentrale Fragen nach Schuld und Vergebung, Liebe und Tod. Das Drama zeichnet ein eindrucksvolles Bild einer Welt, die aus den Fugen geraten ist. Es geht um einen Priester, der in wenigen Tagen sterben soll – und das auch weiß. Aber er macht weiter wie bisher.
Umfrage
Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?

Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?

 
Fotos und Videos
So viel verdienen die Hollywood-Stars
Bildgalerie
Forbes-Liste
Fifty Shades of Grey - Trailer
Video
Erotik-Verfilmung
Schiller auf dem roten Teppich
Bildgalerie
Filmpremiere
Die Top-Verdiener Hollywoods
Bildgalerie
Stars