Das aktuelle Wetter NRW 17°C
Kino

"Silver Linings" - unterhaltsame Tragikomödie mit Tiefgang

02.01.2013 | 17:07 Uhr
"Silver Linings" - unterhaltsame Tragikomödie mit Tiefgang
Jeder für sich hat einen Kacks weg: Bradley Cooper und Jennifer Lawrence in "Silver Linings".Foto: Senator Film/dapd

Essen.   In der Tragikomödie „Silver Linings“ überzeugt Bradley Cooper („Hangover“, „A-Team“) als zerrissener Held an der Seite von Filmpartnerin Jennifer Lawrence. In der Verbindung von psychologischem Tiefgang und gefälliger Unterhaltsamkeit vermag der Streifen tatsächlich zu punkten.

Familiendrama, Charakterkomödie, Liebesgeschichte – das sind die Essenzen eines neuen Hollywood-Films aus dem Independent-Lager, der sich dank tatkräftiger Presseberichterstattung neuerdings ins Rampenlicht der anstehenden Oscar-Verleihung vorarbeitet. In der Verbindung von psychologischem Tiefgang und gefälliger Unterhaltsamkeit vermag „Silver Linings“ tatsächlich einige Punkte für sich zu verbuchen.

Aufbrausendes Verhalten

Pat Solatano hat acht Monate in psychiatrischer Behandlung zugebracht. Sein Hang zu aufbrausendem Verhalten und Gewaltbereitschaft gab noch keinen Anlass dazu. Aber als Pat eines Tages nach Hause kam und seine Frau Veronica unter der Dusche mit einem anderen Mann erwischte, da war das einfach zu viel für seine Nerven. Pat flippte aus. Dafür gingen ihm Frau, Haus und Job verloren. Ganz haltlos ist Pat aber dennoch nicht, er ist wieder bei seinen Eltern (Jacki Weaver und Robert DeNiro) untergekommen, liest kiloweise Bücher und versucht sich in ausgedehnten Joggingeinlagen abzureagieren.

Bei einem dieser Dauerläufe kollidiert er eines Morgens mit Tiffany aus der Nachbarschaft. Die junge Frau trägt schwer am Unfalltod ihres Mannes und sucht Schutz in Verhaltensweisen, die ihr keinen guten Ruf eingebracht haben. Auch Pat ist nur bedingt von Tiffanys unverblümter Art begeistert, aber für sein Ziel, sich wenigstens einmal mit seiner Ex-Frau auszusprechen, scheint Tiffany der geeignete Schlüssel. Allerdings stellt Tiffany eine Bedingung: Sie möchte an einem Tanzkurs teilnehmen, und weil ihr dazu noch ein Partner fehlt, soll Pat diese Lücke füllen.

Mehr oder minder bedeutsame Konfliktherde brodeln

Was sich liebt, das neckt sich – das ist der Kern der Liebesgeschichte. Weil das aber für sich allein wohl zu simpel wäre, lodern drumherum mehr oder minder bedeutsame Konfliktherde, die den neuen Film von David O. Russell komplexer erscheinen lassen, als er eigentlich ist. Den schwierigen, von bipolarer Störung seelisch zerrissenen Helden gibt ausgerechnet Bradley Cooper, der als lässiger Sonnyboy in grellen Komödien („Hangover“) oder wüsten Actionspektakeln („A-Team“) zu Ruhm kam, und man sieht ihm in jeder Szene die Anstrengung an, das zementierte Image mit tieferem Anspruch zu bekämpfen. Allein der Versuch aber, sich zu beweisen, wird Cooper zumindest eine Nominierung beim Oscar sichern. Viel interessanter ist die rund zwanzig Jahre jüngere Filmpartnerin Jennifer Lawrence.

Die hat sich seit ihrem Durchbruch vor zwei Jahren mit „Winter’s Bone“ in über einem halben Dutzend höchst verschiedener Rollen als aktuell einzige ernst zu nehmende Nachwuchsaktrice mit dauerhafter Perspektive nach oben etabliert und sorgt geradezu aufreizend mühelos für die spannenden Momente in einem Film, in dem jeder einen Knacks weg hat und das mit ziemlich dickem Pinsel aufträgt.

Die Machart ist gefällig amerikanisch, der krampfige psychologische Anspruch dagegen wirkt nicht nur europäisch, sondern verdächtig – deutsch.
Wertung: 2 von 5 Sterne

Uwe Mies

Kommentare
Funktionen
Aus dem Ressort
„Lost River“ – Das düstere Regiedebüt von Ryan Gosling
Drama
Mit dem Drama „Lost River“ gibt der Kanadier Ryan Gosling („Drive“) sein Debüt als Regisseur und zeichnet ein dunkles Bild von der Gesellschaft.
„Tracers“ – Im Vollsprint durch die Straßenschluchten
Actionfilm
In dem Actionfilm „Tracers“ spielt Taylor Lautner einen Fahrradkurier, der Schulden bei der chinesischen Mafia hat und gehörig auf Trab gehalten wird.
Wenn in San Francisco und Los Angeles die Erde bebt
Katastrophenfilm
In dem Katastrophenfilm „San Andreas“ spielt Actionstar Dwayne Johnson einen Rettungspiloten, der nach einem Erdbeben Frau und Tochter retten muss.
„Poltergeist“ – Gänsehautkult kehrt auf die Leinwand zurück
Horror
Die Neuauflage des Horrorfilms „Poltergeist“ aus dem Jahr 1982 wirkt wie eine Kopie des Urfilms – das Remake bietet deshalb kaum Überraschungen.
Wundervolle Bilder aus dem Niemandsland
Drama
Das bewegende Drama „Die Maisinsel“ des georgischen Regisseurs George Ovashvili kommt fast ohne Dialoge aus und beeindruckt mit seinen Bildern.
Fotos und Videos
STAR WARS Identities in Köln
Video
Ausstellung
Yoda und Darth Vader in Köln
Bildgalerie
Star Wars
Superhelden gegen Roboter
Bildgalerie
Avengers 2
"Mr Spock" - Leonard Nimoy ist tot
Bildgalerie
Fotostrecke
article
7441225
"Silver Linings" - unterhaltsame Tragikomödie mit Tiefgang
"Silver Linings" - unterhaltsame Tragikomödie mit Tiefgang
$description$
http://www.derwesten.de/kultur/kino/was-sich-liebt-das-neckt-sich-id7441225.html
2013-01-02 17:07
Kino,Hollywood,Silver Linings,Bradley Cooper,Film,Jennifer Lawrence
Kino