Warum "Shaun das Schaf" auch als Kinofilm tierisch gut ist

"Shaun das Schaf" und seine muntere Rasselbande.
"Shaun das Schaf" und seine muntere Rasselbande.
Foto: Studiocanal
Shaun das Schaf ist der Liebling von Kindern und Erwachsenen. Jetzt bekommt es seinen ersten Kinofilm – und obendrein eine schreckliche Frisur verpasst.

Essen.. Shaun das Schaf ist sauer. Nicht nur, weil ihn die schreckliche „Frisur“ nervt, die ihm der Bauer bei der letzten Schur verpasst hat. Nein, ihm macht auch die ewig gleiche Routine zu schaffen, die den Alltag auf der Farm mittlerweile bestimmt.

Eine Auszeit scheint dringend nötig, ein neues Abenteuer ist längst überfällig. Also trommelt Shaun seine Herde zusammen, um mit ihr zusammen einen Ausflug aufs Land hinaus zu machen. Ein guter Plan, der aber unabsehbare Verwicklungen nach sich zieht, die den Bauern schließlich mit komplettem Gedächtnisverlust in der „Großen Stadt“ stranden lassen.

Der Bauer wird zum Starfriseur

Auf Shaun und seine Artgenossen wartet eine schwere Aufgabe, zumal ihr Ernährer inzwischen eine unerklärliche Karriere als Starfriseur macht und ein Tierfänger auf die lose Bande aufmerksam wird.

Mindestens seit 2007 ist das umwerfend komische britische Schaf Shaun Kindern und Eltern auch hierzulande ein Begriff, denn seit damals laufen Kurzfilme mit der Knetgummi-Figur in der "Sendung mit der Maus".

Tatsächlich aber ist Shaun viel älter, tauchte bereits vor 20 Jahren als Nebenfigur in "Wallace & Gromit unter Schafen" auf, wo es sich quer durch die Wohnungseinrichtung der beiden populären Trickfiguren frisst.

Jetzt endlich bekommt der abenteuerlustige und zu jedem Schabernack bereite Wolle-Lieferant aus dem britischen Aardman-Studio seinen eigenen Kinofilm, abendfüllend und derart angefüllt mit komischen Ideen, dass man die Abwesenheit von verbaler Kommunikation fast gar nicht wahrnimmt.

Etwa 40 bis 50 Einstellungen schaffen die Macher pro Woche

Mit "Shaun das Schaf – Der Film" befinden wir uns also wieder in Aardmans Wunderland der „handgemachten“ Animationsfilme. Hier geht es nicht um Computer-Tricks, hier werden Figuren mit Knete geformt und jede ihrer Bewegungen im Stop-Motion-Verfahren festgehalten.

Etwa 40 bis 50 Einstellungen pro Woche schaffen die 20 Animatoren und 30 Modellbauer auf diese zeitintensive Weise, was etwa zweieinhalb Minuten Film ergibt. Shaun stellt ohnehin eine große Herausforderung für die Mitarbeiter dar: Da er im Gegensatz zu anderen Aardman-Figuren zwar große Augen aber keine Augenbrauen besitzt, muss man versuchen, seine Emotionen mit Armen, Ohren oder Körperhaltung auszudrücken.

Das Ergebnis ist wieder eines dieser kleinen Filmwunder, die Kinder ebenso begeistern können wie ältere Semester, für die immer auch genügend Gags und Anspielungen vorhanden sind.

"Shaun"-Serienerfinder Richard Starzak und Komödienspezialist Mark Burton ("Madagascar", "Gnomeo und Julia"), die beide als Regisseure verantwortlich zeichnen, sorgen hier für satirische Einsprengsel, in denen golfverrückte Ärzte, soziale Medien sowie allein durch Medien-Hype hervorgerufene, hirnrissige Modetrends ihr Fett abbekommen.

Wie britischer Humor tickt, merkt man auch an liebevollen Kleinigkeiten wie jener A-cappella-Nummer, die von den Schafen unter dem Künstlernamen "Baa Baa Shop Quintett" zum Besten gegeben wird.

Dialoge werden gar nicht erst vermisst

Das eigentliche Wunder dieses Films jedoch ist der Verzicht auf jede Form von Sprache, selbst auf einen Erzähler oder Zwischentitel wurde nicht zurückgegriffen. Tiere artikulieren sich in ihrer gewohnten Weise, Hofhund Bitzer bellt, die Schafe machen „Määh“ und selbst der Bauer bringt es zu nicht mehr als einem unverständlichen Brabbeln.

Den Machern fordert das ein hohes Maß an Disziplin ab, denn sie müssen dafür sorgen, dass die Bilder derart selbsterklärlich funktionieren, dass Dialoge gar nicht erst vermisst werden. Besonders deutlich wird das etwa am Schluss, wenn die Schafe samt Hofhund aus dem Abenteuer Großstadt auf die Farm zurückkehren, wo inzwischen die Schweine den Hof übernommen haben.

Bei Erwachsenen mag das sofort als Anspielung auf George Orwells "Die Farm der Tiere" funktionieren, für Kinder müssen die Viecher sich vor allem schweinisch benehmen.

Und weil das alles derart zwanglos ineinanderfließt, deshalb ist dieser liebenswerte Film auch so schweinisch gut.


Wertung: Fünf von fünf Sternen

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