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„Vincent will Meer“ - nur raus aus der Psychiatrie!

21.04.2010 | 10:29 Uhr
„Vincent will Meer“ - nur raus aus der Psychiatrie!

Essen.Drei Patienten hauen ab aus der Psychiatrie, um mit dem Auto der Psychologin irgendwie in Italien ans Meer zu gelangen. Das riecht schwer nach Til Schweigers „Knockin’ On Heaven’s Door”, unterscheidet sich in seiner Dezenz jedoch wohltuend von jener Orgie aufgesetzter Gefühle.

Gemeinhin geht ein Verleih wie Constantin kein Risiko ein, verkauft seine Filme Titel entweder über bekannte Stars (Bushido, Bully Herbig), prominente Themen („Der Baader-Meinhof Komplex”) oder Bestseller („Das Parfüm”). Eine bescheiden daherkommende Tragikomödie wie „Vincent will Meer” hätte man von dort kaum erwartet. Hauptdarsteller und Drehbuchautor Florian David Fitz mögen manche zwar aus der TV-Erfolgsserie „Doctor’s Diary” kennen, doch es braucht schon Vertrauen, will man eines relativen Neulings ins Kino gehen.

Fitz erzählt von drei Patienten aus der Psychiatrie, die aus der Klinik abhauen, um mit dem Auto der Psychologin irgendwie in Italien ans Meer zu gelangen. Das riecht schwer nach Til Schweigers „Knockin’ On Heaven’s Door”, unterscheidet sich in seiner Dezenz jedoch wohltuend von jener Orgie aufgesetzter Gefühle zweier Todkranker. Hier leiden die Protagonisten nur an Magersucht (Karoline Herfurth als Marie), Zwangsneurosen (Johannes Allmayer als Alexander) und Tourette-Syndrom (Florian David Fitz als Vincent), die Flucht ans Meer ist lediglich eine Metapher für ein herbeigesehntes selbstbestimmtes Leben.

Ein intimes Roadmovie

Das Drehbuch meidet weitgehend gängige Handlungsklischees, Regisseur Ralf Huettner („Die Musterknaben”) tritt das Wagnis an, so etwas wie ein intimes Roadmovie inszenieren zu wollen. Die größte Dramatik entsteht dabei im Gegenüber von Mensch und überwältigender Gebirgsnatur, für die kleineren Dramen sorgt das Bodenpersonal. Die Gefühle etwa, die Vincent für Marie entwickelt, werden zwar erwidert, besitzen diesmal aber keine Zauberkraft — sie ändern wenig an der Absicht der jungen Frau, sich selbst planmäßig zu zerstören.

Der Film könnte sich noch sehr viel entspannter entfalten, wäre da nicht das Verfolgerauto mit Vincents Politiker-Vater und der bestohlenen Klinikärztin. Der allgegenwärtige Heino Ferch, der sich knarzend vom Saulus zum Paulus wandeln muss, und die blass bleibende Katharina Müller- Elmau als bestohlene Doktorin haben den Flüchtigen im Grunde nichts entgegenzusetzen. Ihre Rolle als bloßes dramaturgisches Element merkt man jeder Filmsekunde an, die man gern im anderen Wagen verbracht hätte.

Und auch das ist eine Überraschung: Am Ende, in Italien, ist niemand wirklich geheilt. Aber vieles hat sich tatsächlich geändert.

Arnold Hohmann

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