Victoria Schulz schockiert und begeistert in neuem Film

Dora (Victoria Schulz) entdeckt in „Dora oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern“ ihre Sexualität.
Dora (Victoria Schulz) entdeckt in „Dora oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern“ ihre Sexualität.
Foto: Alamode Film
In „Dora oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern“ schockiert und begeistert Schauspielerin Victoria Schulz mit ihrer Darstellung einer Behinderten.

Essen.. In den USA wäre Victoria Schulz eine sichere Anwärterin auf den Darsteller-Oscar. Bekanntlich geht die Statue dort sehr gern an Akteure, die auf der Leinwand glanzvoll Charaktere mit Behinderung verkörpert haben. Allerdings wäre der Film, in dem die junge Schauspielerin Victoria Schulz auftritt, für die Academy vermutlich viel zu „shocking“: In „Dora oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern“ entdeckt die 18-jährige, geistig zurückgebliebene Titelfigur plötzlich ihre Sexualität und kann danach gar nicht mehr genug davon bekommen.

Für ihren zweiten Kinofilm hat sich die Schweizer Regisseurin Stina Werenfels das gleichnamige Bühnenstück von Lukas Bärfuss vorgenommen, das jetzt im Kino viel stärker wirkt als im Theater. Was an Victoria Schulz liegt, die hier zu Beginn noch wie selbstverständlich Kindergeburtstag mit Torte und Luftballons feiert, wie sie später dann ebenso selbstverständlich quiekend ihren ersten Sex mit einem älteren Mann genießt. Man weiß nicht so recht, wie man diesen undurchschaubaren Peter (Lars Eidinger) einstufen soll. Ist das noch Vergewaltigung, was er da zu Beginn mit der kindlich Naiven anstellt? Ist das noch das Ausnutzen einer geistig Behinderten?

Das geistig behinderte Mädchen lebt sich aus, was man von ihren Eltern nicht gerade sagen kann. Bei ihnen ist der Sex nur noch Mittel zum Zweck, weil Mutter Kristin (Jenny Schily) vor dem Schlussgong unbedingt noch ein Kind haben möchte. Sie hat es gut gemeint mit ihrer Tochter, indem sie Doras Tabletten einfach abgesetzt hat. Nun aber, angesichts ihres Freiheitsdrangs, möchte sie den Sprössling am liebsten wieder in den häuslichen Käfig stecken. Schiere Eifersucht keimt auf, als Dora dann auch noch schwanger wird.

Merkwürdige biblische Assoziationen

Der Film nimmt auch deshalb für sich ein, weil die Filmemacherin immer wieder versucht, das Geschehen aus der Wahrnehmung Doras zu zeigen, um damit ihren Blick auf die Welt zu verdeutlichen. Allerdings spielt Stina Werenfels auch sehr gern mit Symbolen, lässt mal beim Sex einen Apfel über den Boden rollen oder schickt eine Schlange mitten hinein in eine Drogenparty. Man fragt sich, was solch biblische Assoziationen in einem so klaren Film zu suchen haben.

Wertung: Vier von fünf Sternen

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