"Tore tanzt" - die furchtbaren Leiden des jungen Tore

Julius Feldmeier als Tore in einer Szene des Kinofilms „Tore tanzt“.
Julius Feldmeier als Tore in einer Szene des Kinofilms „Tore tanzt“.
Foto: Rapid Eye Movies
Mit „Tore tanzt“ gelingt der Hamburger Regisseurin Katrin Gebbe ein beeindruckendes Spielfilmdebüt. In dem Film erzählt sie die Geschichte eines jungen Mannes, der Opfer eines furchtbaren Missbrauchs wird.

Essen.. Kompromisse gibt es für den jungen Tore nicht. Der Außenseiter, der schon einiges erleiden musste, hat endlich seine Welt gefunden. Bei den Hamburger „Jesus Freaks“, einer kleinen Gemeinschaft extrem gläubiger Punks, fühlt er sich geborgen. Zu spät erkennt er, dass letztlich nur er seinen Glauben wirklich ernst nimmt. So landet er wieder auf der Straße. Aber es gibt noch Benno und seine Familie. Denen hat er einmal geholfen, und nun kann Tore bei ihnen im Schrebergarten Unterschlupf finden.

Wie für ihren schrägen Helden kommen auch für Katrin Gebbe keine Kompromisse in Frage. In ihrem Spielfilmdebüt „Tore tanzt“ geht auch sie bis zum Äußersten. Was zunächst noch wie das leicht skurrile Porträt eines naiven Toren wirkt, entpuppt sich schon bald als ungeheuer dichtes Schreckensszenario, in dem Gebbe ihr Publikum konsequent mit den düstersten Seiten der menschlichen Natur konfrontiert.

Ungeheuer bedrückende Bilder

Der freundliche, hilfsbereite Benno (Sascha Alexander Gersak) ist für Tore (Julius Feldmeier) nicht nur ein Retter in der Not. Er und seine Freundin Astrid (Annika Kuhl) reagieren auf Tores Bereitschaft, die andere Wange hinzuhalten, mit immer sadistischeren Schikanen.

Katrin Gebbe schickt den verzweifelt nach Halt und Sinn suchenden „Jesus-Freak“ in die Hölle auf Erden. In dunklen, ungeheuer bedrückenden Bildern, die durch Peter Folks und Johannes Lehnigers düster-elektronischen Score noch klaustrophobischer wirken, erzählt sie eine moderne Variante klassischer Märtyrer-Legenden.

Doch was einst selbstverständlich war, das heroische Leiden früher christlicher Missionare, gleicht mittlerweile einer Provokation. In der einen oder anderen Situation geht Katrin Gebbe dabei tatsächlich zu weit. Gerade die Szenen, in denen sich Tore prostituieren muss, bewegen sich gefährlich nah an homophoben Klischees. Doch selbst diese gelegentlichen Ausrutscher sind letztlich Teil eines ungeheuer mutigen Kunstwerks, das ganz bewusst zu extremen Reaktionen reizt.
Wertung: 3 von 5

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