The Equalizer – Denzel Washington als eiskalter Rächer

Was wir bereits wissen
In dem Action- und Selbstjustiz-Thriller „The Equalizer“ von Regisseur Antoine Fuqua („Training Day“, „Olympus Has Fallen“) spielt Hollywood-Star und Oscarpreisträger Denzel Washington einen ehemaligen Elitesoldaten, der das Gesetz in die eigene Hand nimmt und sich mit der Mafia anlegt.

Essen.. Es ist offensichtlich, dass Robert McCall kein typischer Baumarkt-Angestellter ist. Er gibt sich zwar die größte Mühe, nicht weiter aufzufallen, und erledigt seine Arbeit mit einem bemerkenswerten Grad an Professionalität. Aber trotz allem passt dieser Mann in den späten 50ern nicht in diese kleine Welt der einfachen Verkäufer und übergewichtigen Wachleute. Und je mehr er versucht, unsichtbar zu bleiben, desto deutlicher fällt er auf.

Fernsehserie aus den 80er-Jahren

Zunächst nimmt sich „The Equalizer“, Antoine Fuquas Kinoversion einer mittlerweile eher in Vergessenheit geratenen Fernsehserie aus den 1980er-Jahren, noch erstaunlich viel Zeit. Fast könnte man den Eindruck bekommen, dass Fuqua und seinem Drehbuchautoren Richard Wenk eine Art philosophischer Actionfilm vorschwebte, vielleicht sogar eine moderne, zeitgemäße Variation auf John Fords amerikanisches Meisterwerk „Der schwarze Falke“. Eins zumindest verbindet den von Denzel Washington gespielten McCall, der einst als Elite-Soldat an verdeckten Operationen der CIA beteiligt war, mit John Waynes legendärem Einzelgänger Ethan Edwards. Beide gehen sie für ein junges Mädchen auf einen privaten Feldzug, der mehr und mehr zum Selbstzweck wird.

Related content Jeden Abend setzt sich McCall in ein kleines Diner, trinkt seinen selbst mitgebrachten Tee und liest einen Klassiker. Dabei kommt er immer wieder ins Gespräch mit der minderjährigen Prostituierten Teri (Chloë Grace Moretz), die von einem anderen Leben träumt, aber sich nicht aus den Fängen der russischen Mafia befreien kann. Als sie schließlich von ihrem Zuhälter fast zu Tode geprügelt wird, gibt McCall sein unscheinbares Leben auf. Er stattet dem Zuhälter einen Besuch in dessen Büro ab. Als er wieder geht, lässt er fünf tote Mafiosi zurück. Nur erregt er damit die Aufmerksamkeit des skrupellosen Oligarchen Vladimir Pushkin (Vladimir Kulich), der umgehend seinen Vollstrecker, den soziopathischen Killer Teddy (Marton Csokas) nach Boston schickt.

In dem Augenblick, in dem das Morden beginnt, offenbart sich das wahre Gesicht dieses Action- und Selbstjustizthrillers. Die literarischen Anspielungen auf Hemingways „Der alte Mann und das Meer“ und auf „Don Quijote“, die dem „Equalizer“ McCall eine quasi mythische Dimension verleihen sollten, sind genauso wie die kunstvollen Einstellungen, in denen Kameramann Mauro Fiore, Denzel Washington durch geschliffene Glasscheiben filmt und so visuell etwas Gebrochenes andeutet, reine Falschmünzerei.

Selbst Denzel Washington, der mit dem Equalizer eigentlich nur seine Rollen aus Filmen wie „Man on Fire“, „Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3“ und „Unstoppable – Außer Kontrolle“ variiert, spielt hier falsch. Während seine Figuren in den Filmen Tony Scotts etwas Gebrochenes hatten und noch den Traditionen und dem Ethos des Arbeitermilieus verbunden waren, ist McCall nichts als ein glorifizierter Killer. Washington gleicht hier eher einer Maschine als einem Menschen. Allerdings sind seine Methoden für eine vor allem auf Effizienz ausgerichtete Maschine zu sadistisch. Dieser McCall hat Spaß daran, seine Gegner leiden zu lassen.

Ein Elite-Soldat sieht rot

Wenk und Fuqua wollen diesen Killer, der eine sentimentale Ader für alle Schwachen und Unterdrückten hat, mit aller Macht überhöhen. Nur können weder ein dem Film vorausgestelltes Zitat von Mark Twain noch eine überaus simple Interpretation von „Der alte Mann und das Meer“ darüber hinwegtäuschen, dass sich „The Equalizer“ wie die Rache- und Selbstjustizfilme der 1970er und 80er Jahre vor allem an seinen blutigen Exzessen berauscht: Ein Elite-Soldat sieht rot.

Und ganz unabhängig davon, was man nun von Filmen wie „Ein Mann sieht rot“ oder „Der Exterminator“ hält, sie waren zumindest gradlinig und ohne jeden dreisten Kunstanspruch inszeniert. Ihre Kunst lag vielmehr in ihrer harten und dreckigen Direktheit. Vor diesem Hintergrund wirken Fuquas inszenatorische Spielereien, diese ständigen Spiegelungen und fortwährenden Zeitlupenaufnahmen, nur prätentiös. Zudem zerdehnt er gerade die Actionszenen derart unreflektiert, dass sie keinerlei innere Spannung entwickeln.

Vielleicht könnte man Fuquas hochfliegende filmische Ambitionen nur als gescheitertes Experiment abbuchen, als einen Versuch, das Genre zumindest visuell neu zu definieren. Doch die Schlusswendung des Films, die McCall in privater Mission nach Moskau führt, wo er dem bösen Russen Vladimir Pushkin, dieser Name sagt schon alles, einen Besuch abstattet, lässt keinen Zweifel daran zu, dass Fuqua alles extrem ernst meint. Es geht hier eben nicht um ein Spiel mit Genrebildern, sondern um eine amerikanische Ermächtigungsphantasie: Die Welt könnte eine viel bessere sein, wenn die CIA nur ihre Spezialisten von der Leine lassen würde.

Wertung: 2 von 5 Sternen