"Tatort"-Kinofilm mit Til Schweiger lässt Bond-Gefühle aufkommen

Til Schweiger als Tschiller in Action, von Istanbul bis Moskau.
Til Schweiger als Tschiller in Action, von Istanbul bis Moskau.
Foto: Warner Bros
Was wir bereits wissen
Tschiller-"Tatort" mit Til Schweiger als Kino-Film: Acht Millionen Euro hat „Tschiller: Off Duty“ gekostet. Der Film weckt zwar Bond-Gefühle, doch er kommt an den britischen Agenten-Klassiker nicht heran.

Essen.. Den ersten kleinen Triumph feiert Til Schweiger in der ersten Sekunde: Er ist ihn los, den ungeliebten „Tatort“-Vorspann. Statt vertrauter Klänge von Klaus Doldinger gibt es harten Rap auf die Ohren. Was Schimanski anno 1985 mit „Zahn um Zahn“ recht war, ist Nick Tschiller nun billig: Der „Tatort“-Sprung auf die große Leinwand. Götz George hatte dafür 90 Minuten Zeit, Schweiger gönnt sich eine Dreiviertelstunde mehr. Acht Millionen Euro hat der Thriller „Tschiller: Off Duty“ gekostet – das Ergebnis mit beachtlichen Schauwerten und furiosen Actioneinlagen kann sich durchaus sehen lassen: Da kommen Bond-Gefühle auf, ein „Quantum Tatort-Trost“.

Krimi Beim Hightech-Schnickschnack und den eleganten Outfits kommt der deutsche LKA-Beamte nicht an den britischen Agenten heran, bei leinwandpräsenter Lässigkeit und dem Erobern geheimnisvoller Schönheiten zieht er aber gleich. Im Unterschied zum letzten, ziemlich zugeknöpften Bond zeigt Tschiller sich ganz traditionell noch oben ohne. Mehr nach 007 als nach 0815 sehen zudem die Verfolgungsszenen aus, bei der recht bleihaltigen Flucht über den Dächern von Istanbul wie bei der wilden Hatz durch die Straßen von Moskau. Statt eines Panzers, wie einst Pierce Brosnan nutzt Schweiger als XXL-Gefährt einen – nein, wir petzen keine Pointen.

Schweigers Kino-"Tatort": Plot passt auf Bierdeckel

Große Geheimnisse bei der Handlung wären eh kaum auszuplaudern. Der Plot passt auf einen Bierdeckel, die Figuren purzeln aus der Klischeekiste. Macht aber nichts, das Genre kommt ja ganz gut ohne komplexe Konstruktionen aus. Hauptsache Spannung, Action und Atmosphäre. Tschillers Tochter Lenny (überzeugend: Schweiger-Tochter Luna) gerät in die Fänge mafiöser Mädchenhändler. Der Hamburger Kommissar a. D. nimmt die Verfolgung auf. Nach einem Zwischenstopp in Istanbul, wo man alte Erzrivalen und verloren geglaubte Verbündete trifft, führt die heiße Spur nach Moskau.

Fahri Yardim im "Tatort" der heimliche Publikumsliebling

Natürlich darf bei dieser Mission Impossible der bewährte Partner des Ermittlers Yalcin Gümer (Fahri Yardim) nicht fehlen. Im „Tatort“ längst zum heimlichen Publikumsliebling avanciert, darf Yardim seine Position als lakonisch komischer Sidekick hier erheblich ausbauen – und Schweiger lässt sich so bereitwillig die Comedyshow stehlen wie einst von Dieter Hallervorden bei „Honig im Kopf“.

Schweigers Pläne

Mit seiner selbstironischen Leichtigkeit macht Yardim gar den altgedienten „Tatort“-Spaßvögeln aus Münster ernsthaft Konkurrenz. Sogar mit politischen Spitzen: „Der trifft sich mit Angela und geht mit Putin nackt Bären reiten“, beschreibt er den bösen Oligarchen Kinski (!). Das homophobe Publikum am roten Teppich in Moskau schockiert er nebenbei, als er seinem Buddy lustvoll an den Hintern fasst.

"Tatort" im Kino als ratternde Popcorn-Achterbahn

Die Popcorn-Achterbahn von Schweigers Stammregisseur Christian Alvart rattert dramaturgisch gut geölt, rasant und atmosphärisch dicht. Aber das Thema Selbstjustiz jenseits von politischer Korrektheit so ganz unreflektiert und ohne Brüche zu belassen, bleibt eine vertane Chance des Drehbuchs – wobei ja in dieser Hinsicht auch 007 nicht besser ist. Vom dumpfen Papa-rächt-Tochter-Krimi à la „Taken“ ist „Tschiller: Off Duty“ immerhin weit entfernt. Und die traditionelle Twitter-Häme, die sonst die sonntäglichen Tschiller-"Tatort"-Ausstrahlungen im Sekundentakt begleitet, dürfte diesmal auch ausbleiben.