Das aktuelle Wetter NRW 23°C
Django Unchained

Tarantino über Django Unchained - "Realität war schlimmer"

16.01.2013 | 15:33 Uhr

Essen.   Mit „Inglourious Basterds“ thematisierte Quentin Tarantino die Gräueltaten der Nazis. Nun präsentiert er in Westernform mit „Django Unchained“ eine Abrechnung mit der Sklaverei. Im Interview verrät Tarantino, warum er Gewaltszenen entschärft hat und warum er von Christoph Waltz begeistert ist.

Mit „Inglourious Basterds“ thematisierte Quentin Tarantino die Gräueltaten der Nazis. Nun präsentiert er in Westernform mit „Django Unchained“ eine Abrechnung mit der Sklaverei. Wieder spielt Christoph Waltz eine Hauptrolle und erneut gilt der Film als Oscar-Favorit.

Herr Tarantino, man spricht deutsch in „Django Unchained“, es erklingt Beethoven und selbst das Nibelungenlied wird bemüht. Wie kommt’s?

Quentin Tarantino: Ich war schon etliche Male zu Besuch in Deutschland, beim Dreh von „Inglourious Basterds” habe ich dann für ein halbes Jahr richtig in Berlin gelebt. Das waren wichtige Erfahrungen in meinem Leben, die sich nun in „Django“ widerspiegeln. Als Filmemacher hat man den enormen Vorteil, dass man sich aus seinem engen Umkreis fortbewegen und Geschichten jenseits der Heimat erzählen kann.

Stimmt es, dass Sie Gewaltszenen entschärft haben, um bessere Chancen für den Oscar zu haben?

Meldung vom 13.01.2013
Bei "Django Unchained" leiden die Zuschauer mit

Der amerikanische Kultfilmer Quentin Tarantino huldigt mit seinen Filmen am liebsten den Helden seiner Jugend, speziell den Regisseuren und Schauspielern von B-Pictures. „Django Unchained“ ist eine Erinnerung an den Italo-Western, vor allem an Sergio Corbuccis „Django“.

Tarantino: Das habe ich nicht für die Oscar-Leute gemacht, sondern für das Publikum. Beim Betrachten von „Django“ durchlebt man sehr viele Gefühle, für den Preis einer Kinokarte soll man möglichst viele Emotionen geboten bekommen. Der Film ist witzig, brutal, romantisch und spannend. Es gibt Szenen, die nur schwer erträglich sind. Und es gibt Gewalt, die kathartisch wirkt, über die man lachen kann. Wenn „Django“ am Ende das Haus seiner Peiniger in die Luft sprengt, möchte ich, dass das Publikum applaudiert. Bei Testvorstellungen habe ich festgestellt, dass einige der brutalen Szenen so dramatisch ausfielen, dass die Zuschauer regelrecht traumatisiert waren. Damit konnten sie diesen Triumph von Django am Ende nicht mehr richtig genießen – deswegen habe ich diese Szenen entschärft.

Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Christoph Waltz beschreiben?

Tarantino: Ich habe mich in Christoph verliebt, als er für „Inglourious Basterds“ vorsprach. Diese Rolle des SS-Offiziers Hans Landa war für mich die beste, die ich je geschrieben habe. Bei der Besetzung wurde mir jedoch klar, dass diese Figur möglicherweise gar nicht zu spielen war. Ich war kurz davor, den Film abzusagen, denn ohne diesen Hans wäre er sinnlos gewesen. Als dann Christoph ins Spiel kam, waren sämtliche Zweifel sofort beseitigt: Er gab mir meine Figur zurück. Und daraus entstand eine wunderbare Zusammenarbeit.

Bei „Django Unchained“ gaben Sie Christoph Waltz sogar das unfertige Drehbuch, was Sie sonst niemals tun…

Tarantino: Stimmt, aber ich hatte die Rolle eigens für ihn geschrieben und wusste, dass er sie spielen würde. Als die ersten zwanzig Seiten fertig waren, gab ich sie ihm. Danach gingen wir gemeinsam essen und unterhielten uns darüber. Später gab ich ihm die nächsten zwanzig Seiten und so weiter bis zum fertigen Drehbuch. Für mich hatte das den Vorteil, dass Christoph viel mehr Zeit hatte, sich auf die Rolle vorzubereiten.

In „Inglourious Basterds“ zeigen sie die Gräueltaten der Nazis, in „Django“ thematisieren sie die Unterdrückung der Sklaven – gibt es da einen Zusammenhang?

Tarantino: Klare Antwort: Ja. Amerika ist verantwortlich für zwei Holocausts in seiner Geschichte. Für die Auslöschung der Indianer und für die Sklaverei. Ich wollte mit „Django“ keinen zweiten „Schindlers Liste“ erzählen, sondern eine spannende Geschichte. Ich wollte die Brutalität zeigen, die von Amerikanern an schwarzen Sklaven begangen wurden. In Wirklichkeit ist das 1000fach schlimmer, als ich es zeige. Aber mit solchen Bildern wäre der Film nicht zu ertragen gewesen.

Kann man den NS-Holocaust auf dieselbe Ebene stellen?

Tarantino: Absolut! Die Sklaverei war ein Holocaust, ebenso das Auslöschen der amerikanischen Ureinwohner. Das ist so verbrecherisch wie die Vernichtung der Juden durch die Deutschen oder der Armenier durch die Türken. Jeder dieser Völkermorde hat seine eigenen Ursachen und Auswirkungen. Aber am Ende steht jeweils ein rassistischer Genozid.

Wenn „Django“ eine Fortsetzung von „Inglourious Basterds“ ist, geht es dann bei Ihrem nächsten Film thematisch weiter?

Tarantino: Bei allen Unterschieden der beiden Filme gibt es eine Verbindung. Und das legt nahe, dass daraus durchaus eine Trilogie zu diesem Thema entstehen könnte. Ich weiß noch nicht, worum es in diesem dritten Teil gehen sollte, aber mir scheint möglich, dass es ein drittes Kapitel geben könnte.

Warum ist das Thema der Sklavenunterdrückung so tabu in Amerika?

Tarantino: Amerika hat Angst vor diesem Thema und will damit nichts zu tun haben. In Deutschland musste sich die Bevölkerung immer und immer wieder mit seiner Schande auseinandersetzen. Auch die meisten Länder müssen sich mit den Sünden ihrer Vergangenheit auseinandersetzen. Nur in Amerika schliddert man stets darüber hinweg. In der Schule redet man über den Goldrausch, aber nicht über die Sklaverei.

Die Premiere von „Django“ wurde wegen eines Amoklaufs abgesagt – was sagen Sie zu den Waffengesetzen Ihrer Heimat?

Django-Darsteller in Berlin

Tarantino: Ich finde, Amerikaner sollten das Recht auf Waffen haben. Ich selbst besitze eine Waffe, denn ich lebe allein und möchte mich verteidigen können, falls ich angegriffen werde. Ganz anders sieht es aus bei automatischen Waffen, die auf jeden Fall verboten gehören. Es gibt absolut keinen Grund, dass Leute Waffen besitzen, die für das Militär entwickelt wurden.

Dieter Oßwald


Kommentare
19.01.2013
19:29
Tarantino über Django Unchained -
von thombus | #4

Ist mal jemandem aufgefallen, dass der Film rasstisch ist, und zwar gegen Weiße? Der schwarze Held ermordet ca. 100 ausschliesslich Weiße, darunter auch Unbewaffnete und Frauen. Auch Väter werden im Angesicht ihrer Kinder erschossen. Alle Weißen im Film - mit Ausnahme von Christoph Waltz - sind zudem entweder Verbrecher oder sogar degeneriert. Alle Schwarzen sind entweder Helden oder Opfer. So einseitig war die ursprüngliche Django-Geschichte aus den 60ern nicht. Da gab es neben dem Ku-Klux-Clan auch noch die mexikanische Bande, wodurch die Mexikaner nicht ausschließlich Opfer waren, sondern auch Täter.

17.01.2013
17:29
Tarantino
von Geologe | #3

Ich merke schon, ich habe es hier mit Tarantino Fanatikern zu tun...:)

Nicht falsch verstehen, ich bin selbst ein großer Tarantino-Fan. Auch wenn das größtenteils der Verdienst von Pulp Fiction ist und auch Jackie Brown.

Bei Sin City war er Regiebeteiligter. Das Gleiche hatte ich auch bei Planet Terror in Erinnerung. Wie dem auch sei, da Planet Terror von Rodriguez ist, würde ich eine beratende Funktion Tarantinos nicht ausschließen. Die Filme macht es jedenfalls auch nicht besser.

Da ich auch ein großer Fan von Comic-Verfilmungen bin, lässt sich über die Bildästhetik bei Sin City ebenfalls streiten. Aber über "Kunst" lässt sich ja bekanntlich generell streiten...;)

Kill Bill ist einfach nur schwach, wenn man bedenkt, über was für ein Potential Tarantino verfügt.

1 Antwort
Tarantino über Django Unchained -
von RANRW | #3-1

Er hat mit Pulp Fiction - und vielleicht auch schon Reservoir Dogs - nun schon fast ein eigenes Genre geschaffen. Ist da nunmal schwierig ein derartiges absolutes Meisterwerk zu wiederholen. Mir gefällt gerade Kill Bill Vol 2 aber eigentlich sehr gut. Insbesondere sämtliche Szenen mit Budd und/oder Bill.

17.01.2013
17:12
@ Geologe | #1
von Eduard79 | #2

Ihrem Beitrag fehlt es aus zwei Gründen an Substanz:

1. Sie können "From Dusk Till DAWN" nicht einmal richtig schreiben, wissen also vermutlich auch nicht, was der Filmtitel bedeutet.

2. "Planet Terror" und "Sin City" sind BEIDES Filme von Robert Rodriguez. Weder Regie noch Drehbuch sind von Tarantino (bei Sin City hat Tarantino lediglich Gastregie für eine Szene gemacht). Was also haben diese Filme mit der Beurteilung der Leistung von Tarantino zu tun!?

Fakt ist meiner Meinung weniger, dass Tarantino nicht mehr an die Leistung von "Pulp Fiction" herangekommen ist. Es ist eher so, dass viele Leute der Meinung waren, Tarantino würde nun Filme wie "Pulp Fiction" am laufenden Band produzieren - was er natürlich nicht tut.

Ich behaupte, Sie beurteilen Tarantino nicht nach seiner Leistung, sondern einfach nach ihrem Geschmack, was Filme betrifft. Hat dann nur wenig mit Objektivität zu tun.

1 Antwort
From Dusk Till Dawn
von Geologe | #2-1

...kleiner Schreibfehler, da der Kommentar in weniger als einer Minute verfasst wurde. Wir sind ja alle nur Menschen... Aber! Sehr aufmerksam!

17.01.2013
15:59
Tarantino
von Geologe | #1

Tatsache ist doch, dass Tarantino nie wieder an die Leistung von Pulp Fiction anknüpfen konnte.

Einzig und allein Christoph Walz konnte "Inglourious Basterds" einigermaßen retten. Das Gleiche gilt vermutlich jetzt für "Django Unchained", wobei die Gesamtbesetzung bei Letzterem sogar noch etwas besser ist als bei "Inglourious Basterds".

"Jackie Brown" war, genau wie "From Dusk Till Down", auch noch ganz unterhaltsam. Wobei bei "From Dusk Till Down" Tarantino-Weggefährte Robert Rodriguez Regie geführt hat und Quentin ihn nur unterstützt hat und als Schauspieler mitgewirkt hat.

So Sachen wie "Planet Terror", "Sin City" und "Kill Bill" kann man alle getrost in die Tonne kloppen...

2 Antworten
Tarantino über Django Unchained -
von zeiglerrulez | #1-1

Du weißt aber schon, dass sowohl "Planet Terror" als auch "Sin City" von Robert Rodriguez inszeniert sind, wobei gerade "Sin City" in bildästhetischer Hinsicht als eine der innovativsten und besten Comicverfilmungen gilt.
Woher Deine Abneigung gegenüber "Kill Bill" herrührt, erschließt sich mir auch nicht.
Ich freue mich auf jeden Fall wie Bolle auf "Django unchained".

"From Dusk Till Down"
von Kommentierer | #1-2

Du weißt, dass es "From Dusk till Dawn" heißt ?

Aus dem Ressort
„Ruhm ist Blödsinn“ findet Frankreichs Kinostar Clavier
Kino
„Ruhm ist Blödsinn“, sagt der französische Schauspieler Christian Clavier im Interview. Aber prominent ist er doch nicht ganz ungern. Diese Woche kommt sein jüngster Filmerfolg in deutsche Kinos: „Monsieur Claude und seine Töchter“ hat in Frankeich schon sieben Millionen Besucher begeistert.
Maverick, Rockford, Space-Cowboy - James Garner ist tot
Hollywood
Charme und Witz als bevorzugten Waffen: Wenn die Colts rauchten, verzog sich "Maverick"-Star James Garner mitunter leise durch die Hintertür. Auch als "Detektiv Rockford" behielt er das Lächeln auf den Lippen. Jetzt ist der Schauspieler mit 86 gestorben.
"Wir sind die Neuen" - Heiner Lauterbach in WG-Komödie
Komödie
In "Wir sind die Neuen" stoßen zwei Welten aufeinander. Alt-68er und junge Studenten leben unter einem Dach. Der deutsche Film mit Stars wie Heiner Lauterbach und Gisela Schneeberger zeichnet sich durch pointierte und klischeearme Dialoge aus, krankt aber etwas daran, Pointen zu zerreden.
"Schmetterlingsjäger" – Auf den Spuren von Vladimir Nabokov
Doku
Mit seinem skandalträchtigen Roman "Lolita" wurde der russisch-amerikanische Vladimir Nabokov zum weltbekannten Literaten. Der Regisseur Harald Bergmann und der Philosoph Heinz Wismann begeben sich in dem Film "Der Schmetterlingsjäger – 37 Karteikarten zu Nabokov" auf die Spuren des Schriftstellers.
Der Schweizer Hugo Koblet – der James Dean des Radsports
Kino-Doku
1950 gewann der Schweizer Hugo Koblet mit 25 Jahren als erster Nicht-Italiener den Giro d’Italia, ein Jahr später die Tour de France. Der Kinofilm "Hugo Koblet – Pédaleur de Charme" erzählt die tragische Geschichte der Radsportlegende mit Originalaufnahmen, Spielfilmszenen und Interviews.
Umfrage
Ein Gericht hat erlaubt , dass chronisch Kranke zu Hause Cannabis anbauen. Wie stehen Sie zu Cannabis?

Ein Gericht hat erlaubt , dass chronisch Kranke zu Hause Cannabis anbauen. Wie stehen Sie zu Cannabis?

 
Fotos und Videos
Die Top-Verdiener Hollywoods
Bildgalerie
Stars
Karlheinz Böhm ist tot
Bildgalerie
Todesfall
Zwischenfall bei Filmpremiere
Bildgalerie
Belästigung
Die Muppets sind zurück
Bildgalerie
Kino