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Spannender Agentenfilm "Eine offene Rechnung"

19.09.2011 | 18:20 Uhr

Mit dem Namen des Regisseurs John Madden verbinden die meisten immer noch den Welterfolg „Shakespeare in Love“. Mit „Eine offene Rechnung“ zeigt er, dass er durchaus auch im Agentenfilm reüssieren kann und das Spiel mit zwei Zeitebenen beherrscht.

Essen. Agenten leben nicht nur gefährlich, sie müssen manchmal auch Bereitschaft für ein hohes Maß an Selbstüberwindung aufbringen. Rachel (Jessica Chastain) beispielsweise gehört in den 60er-Jahren zu einem Dreierteam des israelischen Geheimdienstes Mossad, das in Ostberlin den Nazi-Arzt Dieter Vogel, den „Chirurgen von Birkenau“, aufspüren und nach Israel entführen soll. Nun liegt sie auf dem Behandlungsstuhl jenes Frauenarztes, hinter dessen Fassade man Vogel vermutet, und lässt einen Mann an und in ihren Körper, der daheim als Staatsfeind gilt.

Es sind solch vibrierende Momente, die in John Maddens neuem Film „Eine offene Rechnung“ für den eigentlichen Thrill sorgen. Der zentrale Konflikt jedoch, der die drei Agenten noch 30 Jahre später an ihren Erinnerungen leiden lassen wird, tritt daneben gelegentlich in den Hintergrund. Da nämlich geht es um Lüge oder Wahrheit: Rachel, ihre Mitstreiter David (Sam Worthington) und Stephan (Marton Csokas) werden drei Jahrzehnte später (nun verkörpert von Helen Mirren, Ciarán Hinds und Tom Wilkinson) immer noch als Volkshelden gefeiert, obwohl ihr Ruhm offensichtlich auf einer Lüge beruht.

Zunächst die offizielle Version

Der Zuschauer sieht als Rückblende zunächst die offizielle Version. Darin gelingt dem inzwischen erfolgreich gekidnappten Vogel zwar die Flucht aus dem Ostberliner Mietshaus, er wird im letzten Moment aber von Rachel erschossen. Das mag kein Ersatz für einen Schauprozess sein, die Kunde davon aber genügt dem israelischen Gerechtigkeitssinn. Die Wirklichkeit jedoch ist weit weniger glorreich und derart belastend, dass David sich später lieber vor einen Bus werfen wird, als zum Rapport bei Stephan zu erscheinen, der im Räderwerk des Mossad inzwischen Karriere gemacht hat.

Dass John Madden („Shakespeare in Love“) sich hier eines israelischen Filmerfolgs („Ha-Hov“, 2007) bedient, verwundert nicht so sehr, wie die Namen der beiden Drehbuchautoren. Matthew Vaughn und Jane Goldman hatte man bisher eher der Comic-Verfilmung („Kick-Ass“) oder Literatur-Adaption („Der Sternenwanderer“) zugeordnet. Vielleicht ist das der Grund, warum das Spiel mit Lüge und Wahrheit hier zwar noch gut gelingt, die großen moralischen oder historischen Fragen in Bezug auf Israel aber eher schattenhaft bleiben.

Der Legende dienen

Das Agenten-Trio jedenfalls wird von Ostberlin immer wieder eingeholt. Rachel (der Brillant des Films: Helen Mirren) muss gerade ein Buch absegnen, in dem ihre eigene Tochter weiter an der Legende der Mutter arbeitet. Die wiederum möchte dieses Kapitel nun endgültig beenden. Am Ende kämpfen eine alte Frau und ein noch älterer Mann auf dem Flur eines Pflegeheims verbissen miteinander. Eine fast schon absurde Situation, ein schweres Stück Tötungsarbeit.

Arnold Hohmann



Kommentare
20.09.2011
10:40
Spannender Agentenfilm Eine offene Rechnung
von vantast | #2

@kahevo: alt, aber unüblich ist das noch nicht. Auf keinen Fall sollten Sie gleich den großen Hammer rausholen, es gibt größere Probleme!

20.09.2011
10:32
Spannender Agentenfilm Eine offene Rechnung
von kahevo | #1

reüssieren
Der arme Schreiberlig, kennt nicht die deutsche Ausdrucksweise?
Erfolg haben können, geht doch.

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