"Schmetterlingsjäger" – Auf den Spuren von Vladimir Nabokov

Auf den Spuren des Schmetterlingsjägers: Eine Doku nähert sich Vladimir Nabokov.
Auf den Spuren des Schmetterlingsjägers: Eine Doku nähert sich Vladimir Nabokov.
Foto: NFP
Mit seinem skandalträchtigen Roman "Lolita" wurde der russisch-amerikanische Vladimir Nabokov zum weltbekannten Literaten. Der Regisseur Harald Bergmann und der Philosoph Heinz Wismann begeben sich in dem Film "Der Schmetterlingsjäger – 37 Karteikarten zu Nabokov" auf die Spuren des Schriftstellers.

Essen.. Alles vermischt sich in „Der Schmetterlingsjäger“, Harald Bergmanns essayistische Annäherung an den Schriftsteller Vladimir Nabokov und dessen Überlegungen zum Wesen von Zeit. Dokumentarisch anmutende, aber akribisch inszenierte Home-Movies der Familie Nabokov treffen auf eine elegant fotografierte Verfilmung einiger Passagen aus dem Roman „Ada oder Das Verlangen“. Momente aus Nabokovs Kindheitserinnerungen kollidieren mit Szenen, in denen der alternde Schriftsteller einem Journalisten ein Interview gibt.

Harald Bergmann, der schon einige höchst innovative Filme über die Dichter Friedrich Hölderlin und Rolf Dieter Brinkmann realisiert hat, springt fortwährend zwischen den Formen und Ebenen, Stilen und Zeiten hin und her. Aber keiner dieser Sprünge und Wechsel geschieht willkürlich. Jeder hat seine Entsprechung in den Werken Nabokovs.

Versuch, alles Chronologische zu unterlaufen

Jeder Wechsel der filmischen Ebenen ist auch ein Versuch, alles Chronologische zu unterlaufen. Die Menschen erfahren Zeit zwar als etwas, das im Fluss ist und sich nur in eine Richtung bewegt. Aber Bergmann sucht gemeinsam mit Nabokov nach einem anderen Verständnis von Zeit und damit auch nach einer anderen Form von Erfahrung. In ihrer Welt geschieht alles parallel.

Natürlich werden Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nicht eins in „Der Schmetterlingsjäger“. Aber der Film vermittelt einen Eindruck wie sich diese Gleichzeitigkeit anfühlen könnte. Und damit der Betrachter dabei nicht die Übersicht verliert, hat Bergmann noch eine weitere Ebene eingezogen. In einem ironischen Making-of-im-Film unterhalten sich ein Philosoph und ein experimenteller Filmemacher über Nabokov und den Film. Und die beiden vermitteln in ihren Gesprächen die komplexesten Ideen und Themen mit einer Leichtigkeit, die etwas Berauschendes hat.

Wertung: Drei von fünf Sternen