Ryan Gosling liefert mit "Lost River" ein dunkles Regiedebüt

Ryan Gosling gibt mit "Lost River" sein Regiedebüt. Im Film hat Bones (Iain De Caestecker) sich dummerweise einen Gangster zum Feind gemacht.
Ryan Gosling gibt mit "Lost River" sein Regiedebüt. Im Film hat Bones (Iain De Caestecker) sich dummerweise einen Gangster zum Feind gemacht.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Ryan Gosling („Drive“) gibt mit dem Drama „Lost River" sein Debüt als Regisseur und zeichnet ein dunkles Bild von den Rändern der Gesellschaft.

Essen.. Schon als Schauspieler hat der Kanadier Ryan Gosling ein Händchen für ungewöhnliche Grenzen überschreitende Produktionen bewiesen. „Half Nelson“ und „Drive“, „Blue Valentine“ und „Only God Forgives“ gehören ohne Zweifel zu den eindrucksvollsten Filmen, die in den vergangenen Jahren an den Rändern der amerikanischen Filmindustrie entstanden sind.

Ryan Gosling geht mit "Lost River" seinen Weg konsequent weiter

Immer wieder hat Ryan Gosling Typen gespielt, die durch die Raster der Gesellschaft fallen, die nicht Schritt halten können oder sich den herrschenden Verhältnissen offen entgegenstellen. Seine Auftritte haben etwas Widerständiges und erinnern einen immer wieder nachdrücklich an die Widersprüche und Ungerechtigkeiten unserer Zeit. Mit seinem Regiedebüt „Lost River“ geht Gosling diesen Weg nun konsequent weiter.

Die arbeitslose Billy (Christina Hendricks) lebt zusammen mit ihren beiden Söhnen, dem fast schon erwachsenen Bones (Iain De Caestecker) und dem deutlich jüngeren Franky (Landyn Stewart), im Umland von Detroit. Die meisten Häuser in ihrer Straße wurden zwangsgeräumt und stehen kurz davor, abgerissen zu werden. Die wenigen Menschen, die hier noch leben, haben praktisch kein Geld mehr und müssen Tag für Tag auch noch um die Reste ihrer Existenz fürchten. Also zieht Bones durch die verlassenen Gebäude und sucht nach Kupfer und anderen Metallen, die er auf einem Schrottplatz verkaufen kann. Nur macht er sich damit den Gangster Bully (Matt Smith) zum Feind. Billy nimmt indessen eine Stelle in einem bizarren Nachtclub an, der seinen Besuchern groteske Mord- und Verstümmelungsszenarien bietet.

Ryan Gosling begibt sich in die Fußstapfen von David Lynch

In gewisser Weise tritt Ryan Gosling mit seinem Regieerstling in die Fußstapfen von David Lynch. Wie dessen Filme folgt auch „Lost River“ einer Art von Märchen- und Albtraumlogik. Ganz reale Orte und Situationen können von einem Moment auf den anderen ins Phantastische kippen. Es ist fast so, als ob Gosling einen Schleier, der ansonsten über unserer Wahrnehmung liegt, wegreißen würde. Schon wird aus einer verfallenden Vorstadt von Detroit eine Hölle auf Erden, die an die visionären Gemälde von Hieronymus Bosch oder Pieter Bruegel dem Älteren erinnern.

Und wie deren Werke beschwört „Lost River“ vor allem eine Atmosphäre des Bedrückenden und Bedrohlichen herauf. Die Geschichten um Billy und Bones bleiben währenddessen konsequent vage und bewahren sich so eine irritierende Fremdheit, die den, der sich auf sie einlässt, regelrecht gefangen nimmt.
Wertung: vier von fünf Sternen