"Ruhet in Frieden" – Liam Neesen als Privatdetektiv

Was wir bereits wissen
Liam Neeson spielt in "Ruhet in Frieden – A Walk Along the Tombstones" den Ex-Polizisten und Ex-Alkoholiker Matthew Scudder, der ohne Lizenz als Privatdetektiv in New York arbeitet. Er soll einem Drogendealer die Mörder seiner Frau ausliefern – ein Geschäft ganz ohne Polizei.

Man hat so etwas nicht oft in der Biographie eines Schauspielers, dass ein veritabler Bühnenstar im Kino zunächst große Rollen in wichtigen Filmen anvertraut bekommt, um dann in fortgeschrittenem Alter zum Action-Star zu werden. Das aber ist der Fall bei Liam Neeson, der sich in „Schindlers Liste“ dem Publikum einprägte, der mal als schottischer Held Rob Roy überzeugte, mal als irischer Untergrundkämpfer Michael Collins und einmal sogar als Sexualwissenschaftler Alfred Kinsey. Mit 56 Jahren aber spielte Neeson in dem Entführungsdrama „96 Hours – Taken“ und absolvierte die verlangte Action derart überzeugend, dass ihm plötzlich immer wieder solche Stoffe („Non-Stop“) angeboten wurden.

Auch „Ruhet in Frieden – A Walk Along the Tombstones“ von Scott Frank (Regie und Drehbuch) klingt so, als wäre hier wieder die Physis des knapp zwei Meter großen Darstellers gefragt. Aber das ist ein Trugschluss. Der Film basiert auf einem Roman von Lawrence Block (deutsch: Endstation Friedhof) aus dessen Buchserie um den Privatdetektiv Matthew Scudder. Es ist dies eine Literatur, die man „Hard Boiled“ nennt, weil die Detektive darin wie illusionslose Asphalt-Cowboys agieren, die sich nur ihrer eigenen Vorstellung von Recht verpflichtet fühlen.

Kino Scudder ist so ein Typ, besitzt nicht einmal eine Lizenz, hat aber vor acht Jahren freiwillig den Polizeidienst quittiert, nachdem er unter Alkoholeinfluss drei Gangster auf der Flucht von hinten erschossen hatte. Noch immer geht er zu den Treffen der Anonymen Alkoholiker, wo ein Junkie ihn darum bittet, seinem Bruder zu helfen. Der ist zwar Drogendealer, im Augenblick aber sichtlich erschüttert: Obwohl er die 400 000 Dollar Lösegeld für seine entführte Frau gezahlt hat, haben ihm die Kidnapper die Gattin tot und zerstückelt geliefert. Mit einem Tonband, das die Vergewaltigungen und Verstümmelungen dokumentiert.

Ein Geschäft ohne Polizei

Scudder ist klar, dass er hier nur gebraucht wird, um dem Dealer die Mörder seiner Frau zu identifizieren und abzuliefern, auf dass der dann den Rest erledige. Ein Geschäft ganz ohne Polizei, denn die ist sich in diesem verrottet scheinen New York des Jahres 1999 zu fein dafür, die Trauer eines Rauschgifthändlers anzuerkennen. Und weil das so ist, weil die Polizei in diesem Film fast gar keinen Auftritt hat, muss man sich in diesem von Scott Frank als Moloch aus Regen und Nacht gezeichneten Big Apple am besten immer selber helfen.

Scudder tut sein Bestes, Klient ist Klient, und wird schon bald auf kaum übersehbare Verbindungen aufmerksam. Vor dieser letzten Entführung hat es bereits mehrere Kidnappings mit zerstückelten Opfern gegeben, bei denen stets Drogendealer die Leidtragenden waren. Da scheinen Leute am Werk, die ein Ziel vor Augen haben, das noch längst nicht erreicht scheint.

Auf Action-Sequenzen wartet man in diesem Film vergebens. Dafür bastelt sich Regisseur Scott Frank, Oscar-nominiert für sein Drehbuch zu „Out of Sight“, hier lieber seine eigene Vorstellung eines Film noir, der Schwarzen Serie Hollywoods, schwerpunktmäßig in den 40er-Jahren beheimatet. Die Bilder, nie wirklich ausgeleuchtet vom Kameramann, spiegeln die Finsternis, auch die in den Herzen. New York hat hier alles Fröhliche verloren, wirkt eher verkommen, schmutzig, wie ein Platz, um sich auf die Hölle vorzubereiten.

Hier arbeitet Scudder, mit Traurigkeit im Blick, trotzdem aber bemüht, die letzten Fetzen von Anstand zu krallen und festzuhalten. Auch wenn der Zuschauer längst mehr weiß als er, so mindert das keineswegs die starke Spannung in diesem Film, von dem wir hoffen, dass es Nachfolger geben wird. Die Romanserie umfasst 17 Bände.

Wertung: vier von fünf Sternen