Psychothriller ohne Finale: Nikolai Kinski allein zuhaus
12.02.2010 | 12:56 Uhr 2010-02-12T12:56:00+0100
Essen.Zwischen Traum und Trauma, zwischen realer Schuld und Scheinwelt bewegen sich „Die zwei Leben des Daniel Shore“: Michael Dreher setzt den stillen Kinohelden, gespielt von Nikolai Kinski, in seinem Leinwand-Debüt in Szene.
Es gibt Filme, die sich nicht einrichten wollen. Nicht in der Sicherheit eines Genres, der Behaglichkeit eines bekannten Plots, der Vertrautheit der Erzählweise. Daniel Shore, dem stillen Kinohelden vom Michael Dreher, geht es ebenso, er gehört nirgendwo hin. Im sonnigen Tanger probiert er ein luftiges Leben, das in seiner Freiheit und Großzügigkeit ebenso verlockend wie verstörend ist. Im kalten Stuttgart wird er erdrückt von Enge, Ängsten und dem Alpdruck des Vergangenen. So gibt es „Die zwei Leben des Daniel Shore ” und einen Film, der im Grenzbereich bleibt – zwischen Traum und Trauma, zwischen realer Schuld und Scheinwelt. Ein ungewöhnliches Verwirrstück, das seinen Reiz der Undurchdringlichkeit am Ende überstrapaziert.
Sturz vom Balkon
Nikolai Kinski spielt den Deutschamerikaner Daniel. Und er verleiht dieser schemenhaft gezeichneten Figur etwas Dringliches, das in der ersten Hälfte des Films durchaus zu fesseln vermag. Weil seine Doktorarbeit nicht vorankommt, sucht er Zerstreuung in Tanger. Er lebt in der luxuriösen Villa eines reichen Freundes, verliebt sich in die undurchsichtige Prostituierte Imane und lebt mit ihr und dem kleinen Sohn. Bis das Kind nach einem Sturz vom Balkon stirbt - die Wende im Lebensdrehbuch.
Dreher setzt dieses Bild an den Anfang seines Filmes, der immer wieder mit kurzen Rückblenden arbeitet. So verstärkt sich die geheimnisvolle Aura in Stuttgart. Weil das Licht hier matt ist, die Mitbewohner des kafkaesk-düsteren Mietshauses mehr als skurril wirken und die klaustrophobische Atmosphäre des Hausflurs fast zwingend an Polanskis „Der Mieter” erinnert. Doch zwischen Paranoia und Pädophilieverdacht verliert sich der Plot im Ungefähren. Am Ende drückt sich Dreher um seine Geschichte herum.
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