Park mit therapeutischer Wirkung
01.02.2009 | 00:51 Uhr 2009-02-01T00:51:00+0100
Dortmund. Das Leben ist grausam. Gerade noch hat Pietro Paladini einer unvorsichtigen Schwimmerin das Leben gerettet, nun kommt er nach Hause, und seine Frau ist tot. Einfach so, gestürzt, passiert selten, kommt aber vor - "Stilles Chaos" mit Nanni Moretti.
Deutscher Filmstart: 29.01.2009
Regie: Antonello Grimaldi
Darsteller: Nanni Moretti, Blu Yoshimi, Alessandro Gassmann, Valeria Golino u.a.
Und der Top-Manager steht mit seiner kleinen Tochter Claudia allein da. „Stilles Chaos”, so der Titel dieses Films von Regisseur Antonio Grimaldi, scheint mit einer Art Versuchsanordnung zu beginnen. Wie, so fragt er, reagiert ein Mensch auf einen solchen Schicksalsschlag? Man wüsste natürlich Antworten wie: Flucht in die Arbeit, seelische Zusammenbrüche, lähmende, nicht endende Trauer und so weiter.
Doch Paladini, gespielt vom großartigen Nanni Moretti, reagiert anders, unerwartet, wie ein erstauntes Kind fast, mit einem atavistischen Reflex: Er wird nicht von der Seite seiner Tochter weichen, damit ihr nichts passiert. Und wenn sie in der Schule ist, wird er im kleinen Park davor auf sie warten.
Der Park als therapeutische Einrichtung
Was jetzt folgt, ist wunderbares, poetisches Erzählkino. Der kleine Park entpuppt sich als bunter Mikrokosmos mit großen Stabilisierungsqualitäten. Da ist die junge Frau, die stets zur selben Zeit den Hund ausführt und manchmal lächelt, da ist der behinderte Junge, der sich so herrlich freut, wenn ihn die Zentralverriegelung von Paladinis Auto grüßt; da ist die Schwägerin, die stets Probleme hat, und der alte Mann, der den Wartenden zum Spaghetti-Essen einlädt. Selbst die Beamten der Stadtpolizei, die bei Schulschluss den Verkehr anhalten, gehören zum fürsorglichen Personal dieses Ortes, der gleichsam zur therapeutischen Einrichtung wird. Für lange Zeit lebt dieser Film fast nur von der feinen Balance dieser menschlichen Kontakte und Beziehungen.
Sein Büro schreit nach ihm, aber Paladini steht nicht zur Verfügung. Intrigen in der Firma weicht er aus, ab und zu ein Handy-Telefonat mit der Sekretärin muss reichen. Doch die Zurückhaltung nützt der Karriere, und auf dem Höhepunkt dieses Handlungsstrangs kommt sogar der große Boss Steiner zu Verhandlungen in den Park. Roman Polanski spielt ihn in einem vergnüglichen Gastauftritt. Und die kleine Tochter Claudia? Ihr tut die Schule gut. Und sie sorgt schließlich auch dafür, dass die Park-Aufenthalte des Papas ihr glückliches Ende finden.
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