Das aktuelle Wetter NRW 22°C
Savages

Oliver Stone erzählt Savages als blutiges Märchen

09.10.2012 | 17:44 Uhr
Blake Lively als Entführungsopfer O und Benicio del Toro als Killer Lado in „Savages“ von Oliver Stone.Foto: UPI

Essen.  Oliver Stones blutiger Drogenkrimi „Savages“ überlässt seinen Zuschauern, welches Ende er nimmt. Stars wie Salma Hayek, John Travolta und Blake Lively hat Stone für seinen Thriller um sich gescharrt. Stone hat das Personal der Buchvorlage von Don Winslow radikal vereinnahmt und scheint mit den Figuren spielen zu wollen.

Wenn sich eine schöne junge Frau als Erzählerin eines Films vorstellt, aber gar nicht sicher ist, ob sie am Ende überhaupt noch leben wird, dann ahnt man, dass hier jemand mit den Möglichkeiten des filmischen Erzählens spielt. Und so erstaunt es dann auch gar nicht mehr, wenn beim großen Finale zwei völlig unterschiedliche Enden vor dem Zuschauer darum ringen, als wahr akzeptiert zu werden. Es sind genau solche Irritationen, die einen für Oliver Stones neuen Film „Savages“ einnehmen.

Mordmaschine und eiskalte Kanaille

Stone hat sich den gleichnamigen Roman (in Deutschland: „Zeit des Zorns“) des derzeit stark angesagten Autors Don Winslow vorgenommen. Er erzählt die Drogengeschichte des Thrillers hier fast wie ein blutiges Märchen. Mit dem traumatisierten Kriegsveteranen Chon (Taylor Kitsch) und seinem besten Freund, dem Gutmenschen Ben (Aaron Taylor-Johnson) stehen gleich zwei für die Rolle des Hans im Glück bereit. Beide betreiben ein sensationell florierendes Hasch-Unternehmen an der Westküste, wobei Chon für die harten Seiten des Geschäfts zuständig ist, während Ben sich in der Dritten Welt als Entwicklungshelfer betätigt, um sein Gewissen zu beruhigen. Beide lieben die Erzählerin O (Blake Lively), und man führt eine glückliche Dreierbeziehung.

Video
Ben und Chon sind erfolgreiche Cannabis-Dealer. Doch als ein mexikanisches Drogenkartell ein Stück vom Kuchen fordert und ihre Freundin Ophelia entführt, beginnt ein blutiger Krieg … Thriller von Oliver Stone. USA '12, FSK: ab 16. Start: 11.10.12

Aus langer Kinoerfahrung aber ist schon klar, dass Glücklichsein nicht zur Wesensart des Drogengeschäfts gehört. Also bleibt man nicht lange berauscht vom eigenen Erfolg, den ein korrupter Drogenfahnder (John Travolta) so wunderbar gegen alle Polizei-Eingriffe abschottet. Und so kommt der Tag, da die mexikanische Drogenkönigin Elena (Salma Hayek) beschließt, das Geschäft von Chon und Ben ihrem Kartell einzuverleiben. Um den Verhandlungspartner schon mal zu beeindrucken, schickt man unseren Glückspilzen ein Video, auf dem sieben Tote samt ihrer abgetrennten Köpfe zu erkennen sind. Als dann auch noch O als Druckmittel entführt wird, lässt Chon den alten Afghanistan-Kämpfer in sich wieder auferstehen. Und Ben muss erkennen, dass es im Leben mehr gibt, als Schul- und Brunnenprojekte in Afrika.

Je mehr Stone seine Figuren überzeichnet, desto logischer erscheint es

Stone hat das Personal der Buchvorlage radikal vereinnahmt und scheint mit den Figuren spielen zu wollen. Selbst an Typen wie Lado (Benicio del Toro), der sadistischen Mordmaschine des Kartells, entdeckt der Regisseur schließlich noch menschliche Seiten. Und sogar eine eiskalte Kanaille wie die schönheitsgeile Elena darf für ihr Entführungsopfer O plötzlich noch Sympathie entwickeln. Je mehr Stone seine Figuren überzeichnet, je mehr er etwa aus Chon und Ben hehre Ritter macht, die für ihre gemeinsame Liebste auch sterben würden, umso logischer erscheint das seltsame Ende mit seinen zwei Gesichtern. Man kann sich halt bedienen.

Arnold Hohmann


Kommentare
Aus dem Ressort
„The Raid 2“ – Gangsterspektakel mit eleganten Kampfszenen
Action
Vor drei Jahren hat der Waliser Gareth Evans dem Action-Kino mit "The Raid", seinem in Jakarta gedrehten Martial-Arts-Spektakel, noch einmal einen neuen Schub gegeben. In der Fortsetzung setzt er nun erneut auf die Kampfkünste von Iko Uwai und erzählt ein geradezu ausuferndes Gangster-Epos.
Kampf der Wikinger - Drachenzähmer kehrt zurück
Animationsfilm
Der Animationsfilm "Drachenzähmen leicht gemacht 2" ist ein visuell beeindruckendes, aber auch etwas zu martialisches Fantasy-Spektakel in 3D. Die Rückkehr des Wikingers Hicks und seines Drachen "Ohnezahn" kommt mit deutlich mehr Action- und Flugszenen daher. Gelungen ist das nicht immer.
"Monsieur Claude und seine Töchter" - Witz und Vorurteile
Komödie
Die französische Komödie "Monsieur Claude und seine Töchter" spielt mit Vorurteilen und Provokationen und bietet prächtige Unterhaltung mit viel Hintersinn. Ganz nebenbei erweisen sich die vier Töchter des Monsieurs jede für sich als eine wahre Augenweide. Wenn bloß die Schwiegersöhne nicht wären.
Shakespeare mal anders – „Viel Lärm um nichts“
Kino
In nur zwölf Tagen verfilmte Hollywood-Regisseur Joss Whedon ("Marvel’s The Avengers") in seinem Privathaus mit befreundeten Darstellern Shakespeares Komödie "Viel Lärm um Nichts". Eine neue Interpretation des Stücks liefert sein Film nicht, aber er hat Tempo, Spielwitz und Esprit.
„Ruhm ist Blödsinn“ findet Frankreichs Kinostar Clavier
Kino
„Ruhm ist Blödsinn“, sagt der französische Schauspieler Christian Clavier im Interview. Aber prominent ist er doch nicht ganz ungern. Diese Woche kommt sein jüngster Filmerfolg in deutsche Kinos: „Monsieur Claude und seine Töchter“ hat in Frankeich schon sieben Millionen Besucher begeistert.
Umfrage
Das Beispiel ist krass: Ein 23-Jähriger wird auf Facebook einer Vergewaltigung bezichtigt — aber er ist unschuldig. Wurden Sie schon Opfer von Facebook-Hetze oder Mobbing?

Das Beispiel ist krass: Ein 23-Jähriger wird auf Facebook einer Vergewaltigung bezichtigt — aber er ist unschuldig. Wurden Sie schon Opfer von Facebook-Hetze oder Mobbing?

 
Fotos und Videos
Die Top-Verdiener Hollywoods
Bildgalerie
Stars
Karlheinz Böhm ist tot
Bildgalerie
Todesfall
Zwischenfall bei Filmpremiere
Bildgalerie
Belästigung
Die Muppets sind zurück
Bildgalerie
Kino