Obsessed
12.06.2009 | 07:28 Uhr 2009-06-12T07:28+0200Böse Blondine jagt integeren Familienvater: Hollywood-Drama mit Superstar Beyoncé Knowles.
Deutscher Kinostart: 11.06.2009
Regie: Steve Shill
Darsteller: Ali Larter, Beyoncé Knowles, Idris Elba u.a.
Besprechung:
Die Präsidentschaft von Barack Obama zieht offensichtlich auch in Hollywood ihre Spur. Denn ein Film, in dem eine lüsterne weiße Blondine es mit allen Mitteln darauf abgesehen hat, einen schwarzen Erfolgstyp und fürsorglichen Familienvater zu verführen, hat es noch nicht gegeben. "Obsessed" ist der Titel des knapp zweistündigen Leinwand-Dramas, das ab dem 11. Juni in den deutschen Kinos zu sehen ist. Mit der bekannten Popsängerin Beyoncé Knowles präsentiert der Debütfilm von Steve Shill sogar einen Star.
Doch diese Besetzung der Rolle einer braven jungen Ehefrau und Mutter ausgerechnet mit der attraktiven Knowles ist schon die erste der zahlreichen Zumutungen dieses Films, der ziemlich ungeniert das Handlungsmuster des Kinohits "Eine verhängnisvolle Affäre" variiert, der vor mehr als zwei Jahrzehnten Michael Douglas den unerbittlichen Nachstellungen von Glenn Close aussetzte. Damals war der Ausdruck "Stalker" für Menschen, die sich obsessiv und manchmal auch mit Gewalt in das Leben anderer Menschen drängen wollen, noch nicht geläufig. Inzwischen ist das ein Modethema geworden, zweifellos mit interessanten psychologischen Aspekten.
Unsinnlich und verklemmt
Doch damit kann der Film um das schwarze Ehepaar und die weiße Verführerin absolut nicht dienen. Derek, der so heftig umworbene Mann, ist ein athletischer Hüne, der laut Drehbuch Vermögensverwalter sein soll. Als Derek, gespielt von Idris Elba, die neue Aushilfssekretärin in seinem Büro wahrnimmt, wirft er der Blondine mit den schönen Beinen im kurzen Rock schon mal einen wohlgefälligen Blick zu, mehr allerdings auch nicht. Denn daheim wartet mit Sharon und dem gemeinsamen Baby im neuen Haus das perfekte Familienglück auf den smarten Geschäftsmann. Derek widersteht deshalb auch tapfer allen Annäherungsversuchen von Lisa, die wahrlich keine Variante scheut.
Erst als die Blondine sogar in das Haus der jungen Familie eindringt und das Baby anrührt, bekommt die Geschichte etwas Fahrt, aber kaum Spannung, von Erotik ganz zu schweigen. Selten ist ein Film mit diesem Thema so unsinnlich und verklemmt dargeboten worden wie dieser. Offenbar rührt es doch noch an einige amerikanische Tabus, wenn eine weiße Frau mit allen Mitteln unter die Gürtellinie eines schwarzen Mannes dringen will. Dabei spielt TV-Star Ali Larter diese Stalkerin Lisa durchaus überzeugend, soweit die Vorlage das eben zulässt. Die schlanke Schönheit Larter hätte eine bessere Rolle verdient gehabt.
Liebestolle Frau führt Ehemann in Versuchung
Wenn Lisa allerdings im Auto auf Derek wartet, dann den Mantel öffnet, um dem Mann ihren Körper anzubieten, dieser aber vom Bikini verhüllt ist, dann ist das zumindest für das westeuropäische Publikum eine geradezu lächerliche Zumutung. Denn wenn Regisseur Shill Nacktes schon nicht zeigen will oder darf, dann muss er in dieser Szene eben nur andeuten lassen, was die Blondine unternimmt, um den braven Ehemann ins sexuelle Abenteuer zu stürzen. Leider enthält der Film noch weitere Peinlichkeiten solchen Kalibers.
Der kommerzielle Erfolg von "Obsessed" in den USA kann nur mit der ungewohnten, vor einigen Jahren noch undenkbaren Handlung mit ihrer schwarz-weißen Personenkonstellation und der Popularität von Beyoncé Knowles erklärt werden. Doch das reicht keinesfalls, um das Interesse des deutschen Publikums zu erwecken, das auch aus Hollywood schon weit aufregendere und spannendere Filme zum Thema liebestolle Frau und Ehemann in Versuchung gesehen hat. In der Obama-Ära ist zwar vieles anders, aber eben nicht alles besser. (ap)