Nicolas Cage: Apokalypse mit Kaninchen
08.04.2009 | 13:58 Uhr 2009-04-08T13:58:00+0200
An Rhein und Ruhr. Kann ein Mann allein die finale Katastrophe verhindern und die bleichen Männer mit den Flüsterstimmen aufhalten? In Alex Proyas Mystery-Thriller "Knowing - Die Zukunft endet jetzt" kämpft Nicolas Cage mal wieder gegen den Weltuntergang.
Deutscher Kinostart: 09.04.2009
Regie: Alex Proyas
Darsteller: Nicolas Cage, Rose Byrne, Chandler Canterbury, Lara Robinson, Ben Mendelsohn u.a.
Nicolas Cage hat Amerika schon durch manche Krise begleitet. Nach dem Terroranschlag vom 11. September war er einer der wenigen überlebenden Polizisten in Oliver Stones „World Trade Center”. In „Next” verbesserte er sich noch vom billigen Las-Vegas-Wahrsager zum Weltenretter. Und nun begleitet er uns sogar bis zum Weltuntergang. Mit „Knowing - Die Zukunft endet jetzt”, dem in Amerika mit riesigem Erfolg gestarteten Mystery-Thriller von Alex Proyas, will Cage raus aus dem Hollywood-Mittelmaß. Auch wenn das Raumschiff am Ende andere mitnimmt.
Ein einziger Weltuntergang ist im Kino mittlerweile nicht genug. Doch was danach kommt, nach dem Einstürzen und Aussterben, den Flutwellen und Feuerwalzen, den heimtückischen Viren und außerirdischen Wüterichen, macht den Film-Apokalyptikern normalerweise Kopfzerbrechen. Ein Leben mit Robotern, Aliens, Kaninchen? Zuletzt hat man darauf im Kino oft ausweichende Antworten bekommen, irgendwas mit Amnesie, Psychologie, Fantasy-Hokuspokus. Proyas („The Crow”/„I, Robot”) weicht der Frage nicht aus. Und lässt erkennen, dass die Bilder von Morgen doch stark mit den Vorstellungen von Gestern behaftet sind.
Flutwellen, Feuerwalzen
Die Zukunft liegt in „Knowing” ohnehin weit in der Vergangenheit begründet: In Amerika jagen sie noch Kommunisten statt Terroristen, als eine kleine Klassenzimmer-Kassandra 1959 kryptische Zahlenreihen auf einen Zettel orakelt, der zum Jubiläum einer Schule in Lexington/Massachusetts mit einer Zeitkapsel in die Erde versenkt wird. 50 Jahre später bekommt der kleine Caleb (Chandler Canterbury) das Papier in die Finger und sein Vater John (Nicolas Cage) bald hinter das Geheimnis der Zahlencodes: Die Daten markieren große Unglücksfälle: Flugzeugabstürze, schwere Unfälle, Brandkatastrophen. Drei Termine stehen noch aus.
Kann man die Katastrophe aufhalten? Mit einer gebeugten Haltung zwischen Schicksalsergebenheit und Wissenschaftsglauben lässt der Regisseur seinen tragischen Helden auf die seltsamen Prophezeiungen los. Dabei ist dieser verbitterte Feierabend-Trinker John Koestler doch eigentlich einer, der über den Ozonschichtrand hinaus schauen kann: Ein früh verwitweter Astrophysiker, der abends im Mondschein mit seinem Sohn Caleb im Garten Burger grillt, obschon der viel lieber vor der Glotze hängt. Dann aber kommen die Flüsterstimmen und die bleichen Männer, und der düstere Mystery-Film nimmt atmosphärisch Fahrt auf.
Mystik und Mathematik
Mystik und Mathematik, Außenseiter und Außerirdische, das sind die Kombinationen, mit der Proyas seine düstere Gruselgeschichte wirkungsvoll aufraspelt. „Knowing” ist weniger glatt als „I Robot” und menschelnder als viele andere digitale Weltuntergangsszenarien. Ein geschicktes Spiel mit Gegenwartsängsten vor Terrorgewalt und Ökokollaps, keine Utopie.
Und Nicolas Cage, der mit „Knowing” nicht seine schlechteste Performance als amerikanischer Schmerzensmann abliefert, wird uns gewiss für weitere Weltuntergänge zur Verfügung stehen. NRZ
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