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Neue Literaturverfilmung - die Dorian-Horror-Picture-Show

14.04.2010 | 20:00 Uhr
Neue Literaturverfilmung - die Dorian-Horror-Picture-Show

Essen.Eine spannende Vorlage für eine filmische Moden-Schau würde Oscar Wildes Literaturklassiker „Das Bildnis des Dorian Gray“ ja schon abgeben. Aber Regisseur Oliver Parker bleibt dem Äußerlichen in seiner Neuauflage zu sehr verfallen und liefert eine opulente Gothic-Horror-Picture-Show.

Für ewige Jugend, ewige Schönheit die Seele verkaufen? 1891 stellte Oscar Wilde diese Frage mit seinem düsteren Roman „Das Bildnis des Dorian Gray ”: Nicht sein Spiegelbild, sondern ein Öl-Porträt zeigte die fiesen Spuren eines unmoralischen Lebenswandels. Wilde war seiner Zeit vor­aus; heute beackern wir, beflügelt von ästhetisch motiviertem Kontrollwillen, das eigene Spiegelbild, als wäre es Gemälde, Skulptur, Körperkunst.

Der Literaturklassiker wäre also eine spannende Vorlage für eine filmische Moden-Schau, eine Enthüllung. Doch bleibt Regisseur Oliver Parker dem Äußerlichen allzu sehr verfallen: Seine dritte Wilde-Adaption, eine opulente Gothic-Horror-Picture-Show, lässt keinen Raum für Selbstbespiegelung. Ben Barnes betört als schwarzmähniger, großäugiger Dorian. Auf seine Weise ebenso verführerisch aber ist der großartige Colin Firth als Lord Henry Wotton – jener radikale Hedonist, der Dorian in die Sünde zerrt. Der Film betont das Faustische: Auch im Roman verkörpert Wotton die Versuchung, hier nun ist er der Teufel selbst.

Röckeraschelnde Verführungsszenen

Die Fragen von Kunst, Leben und Lebenskunst, die Wilde so wortgewandt diskutieren lässt, werden allenfalls am Rande gestreift. Wo im Roman Dorian die Schauspielerin Sybil Vane noch verstößt, weil sie schlecht spielt, kommt er im Film gar nicht erst ins Theater – weil er mit Wotton im Hurenhaus versackt.

Anderes hingegen walzt Parker breit: Dorians Beziehung zum Maler Basil Hallward (Ben Chaplin) gipfelt in einem leidenschaftlichen Filmkuss, wo doch Wilde noch das „gay” versteckte (in Grays Namen und zwischen den Zeilen). Auch an röckeraschelnden Verführungsszenen scheint Parker zunehmend Gefallen gefunden zu haben, Blut geleckt hat er wohl ohnehin. Als Dorian Basil tötet, weil er das im Dachboden verstaute, um allerlei Schandtaten gealterte Porträt sehen will, schwimmt er schier im roten Saft.

Allerlei neumodische tiefenpsychologie

Bei Wilde ist dies schon fast das Ende des ganzen Dramas; Parker lädt allerlei neumodische Tiefenpsychologie nach, die Dorians Dilemma in seiner Kindheit verankert. Schließlich schickt er Gray auf Weltreise. Als er nach knapp drei Jahrzehnten heimkehrt, ist London geprägt von Autos, U-Bahnen, Schusswaffen, ist zudem freundlich gefärbt durch die Existenz einer schönen, selbstbewussten jungen Dame (Rebecca Hall) – Emily ist die Tochter Lord Henrys.

Einem wahren Hedonisten ist Lust das größte Gut. Für Lord Henry aber endet alle Philosophie an den Rocksäumen des eigenen Töchterchens. Sein Drama ist das eigentliche dieses Films.

Britta Heidemann

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