Nachts kriechen die Boxtrolls aus der Unterwelt empor

Sie erinnern an Kasperle-Puppen: die Boxtrolls. Der Film ist eine raffinierte Mixtur aus Stop-Motion-Puppentrick und digitaler 3D-Animation.
Sie erinnern an Kasperle-Puppen: die Boxtrolls. Der Film ist eine raffinierte Mixtur aus Stop-Motion-Puppentrick und digitaler 3D-Animation.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
"Die Boxtrolls" ist nach Alan Snows Kinderbuchvorlage entstanden. Es geht um die seltsame Stadt Cheesebridge, in der nachts aus der Unterwelt die Boxtrolls emporkriechen und alles mitnehmen, was nicht niet- und nagelfest ist. Eine raffinierte Mischung aus Puppentrick und 3D-Animation.

Essen.. Steampunk, das ist Retro-Chic für Hipster, gespeist aus viktorianischen und aktuellen Elementen aus Mode und Design; ein Computer mit Schornstein wäre ein geeignetes Anschauungsobjekt, ein Roman von Fantasyautor Michael Moorcock oder dieser Film, den das Animationsstudio Laika aus Alan Snows Kinderbüchern um die seltsame Stadt Rattingen destillierte.

Auf der Leinwand heißt die Stadt Cheesebridge, was insofern sinnvoll erscheint, weil die bedeutendsten Männer ganz oben auf dem Stadthügel in einer Villa residieren, weiße Hüte tragen und Käse essen.

Von den wahren Ängsten und Nöten der Bürgerschaft bekommen die noblen Herren nichts mit. Dabei herrscht unten in der Stadt große Furcht vor den „Boxtrolls“, die nachts aus der Unterwelt emporkriechen und alles mitnehmen, was nicht niet- und nagelfest ist.

Seit dabei das Baby des Erfinders Herbert Trubshaw verschwand, darf der ruchlose Archibald Snatcher Jagd auf die Boxtrolls machen. Niemand ahnt, dass der vermisste Junge in den Katakomben der Boxtrolls eine glückliche Kindheit verbringt. Und dann steigt er selbst hinauf in die Stadt, die steil und verwinkelt ist, die aber auch dunkel und geheimnisvoll ist wie Jack the Rippers London oder das Hameln des Rattenfängers nach den Bauplänen eines Dave McKean.

Auch der dritte Laika-Film (nach „Coraline“ und „ParaNorman“) ist eine raffinierte Mixtur aus Stop-Motion-Puppentrick und digitaler 3D-Animation.

Die Figuren erinnern an Kasperle-Puppen

Alle tragenden Figuren erinnern an Kasperle-Figuren nach Entwürfen eines E.T.A. Hoffmann, was eine verstörende Alternative zum keimfreien 3D-Design der Digitalschmieden Disney, Pixar und DreamWorks darstellt.

Kinder werden sich damit wohl schwer tun, eher schon werden solche Erwachsenen ihren Spaß finden, die schon immer mal die Vision eines H.G. Wells aus zeitgenössischer Illustration in Bewegtbild sehen wollten. Die dünne Kerngeschichte ist dabei angesichts der überbordenden Ästhetik leicht zu verzeihen.

Wertung: vier von fünf Sternen