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Mr. Frears glaubt an die Liebe

25.08.2009 | 23:22 Uhr
Mr. Frears glaubt an die Liebe

Düsseldorf. In seinen Filmen ist er manchmal ausschweifend, in Person eher zurückhaltend. Stephen Frears hat Geschichten wie "Gefährliche Liebschaften" und "High Fidelity" erzählt und meldet sich drei Jahre nach dem großen Erfolg von "Die Queen" mit "Chéri" zurück - ein Interview.

Stephen Frears erzählt von der Liebe. Mit Witz und Melancholie und üppigen Accessoires erzählt er von der Liebe Léas, der Kurtisane, die sich zur Ruhe gesetzt hat und für "Chéri" entflammt, den sie schon als kleinen Jungen kannte. In Frears jüngstem Film geht es wieder um Affären und darum, wer eigentlich ehrlich zu sich und zu anderen ist - ähnlich wie in "Gefährliche Liebschaften". Darin ließ er vor 20 Jahren Michelle Pfeiffer die schöne Unschuld spielen, in "Chéri" ist sie schön, aber alles andere als unschuldig. Und so eloquent der wohl bekannteste britische Regisseur seine Geschichten in der Bildersprache erzählt, so wortkarg gibt er sich im Interview.

Für Fotos posiert Stephen Frears nicht so gern. Bei der Premiere von "Chéri" im Open-air-Kino in Düsseldorf tat er's trotzdem. Foto: Monika Idems

Mr. Frears, wenn man diesen Film sieht, denkt man natürlich an „Gefährliche Liebschaften”. Wie viel hat „Chéri“ mit Ihrem Film von vor 21 Jahre zu tun?

Stephen Frears: Nichts.

Es ist auch eine französische Geschichte, die in der Vergangenheit spielt, das Drehbuch ist von Christopher Hampton...

Frears: Ich war wegen Christopher an dem Projekt interessiert. Christopher mag französische Romane, und er hat ein Drehbuch geschrieben, das ich mochte.

Was hat Ihnen daran gefallen?

Frears: Vielleicht war’s die Liebe. Es war anrührend und traurig. Dann habe ich den Roman gelesen und fand ihn wunderbar, so unkompliziert.

Info
Filme von Stephen Frears

Eine Auswahl:

Die Queen (2006)

Lady Henderson präsentiert (2005)

Kleine schmutzige Tricks (2002)

High Fidelity (2000)

Hi-Lo Country – Im Land der letzten Cowboys (1998)

Mary Reilly (1996)

Grifters (1990)

Gefährliche Liebschaften (1988)

Sammy und Rosie tun es (1987)

Mein wunderbarer Waschsalon (1985)

Glauben Sie an die Liebe?

Frears: An die Liebe? (Pause) Ja, ich denke schon. Immerhin bin ich schon lange verheiratet, und meine Frau ist wundervoll... Eine wundervolle Frau, wir sind seit 35 Jahren zusammen.

Aber wenn man einen Film wie diesen sieht – oder „Gefährliche Liebschaften” – scheint die Liebe doch sehr kompliziert zu sein.

Frears: Das sagen alle immer, dass sie kompliziert ist...

Aber sie liegt trotzdem im Bereich des Möglichen?

Frears: Dieser Film handelt von Menschen, die nicht begreifen, dass sie Menschen gefunden haben, die sie lieben. Eines der Dinge, die mich wirklich erstaunen, ist, dass ich es gemerkt habe. Dass ich gemerkt habe, dass ich jemanden gefunden hatte, mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen könnte. Es ist wie ein Wunder.

In einigen Ihrer Filme spielt Schönheit eine zentrale Rolle, Schönheit und Jugend. Gehören die beiden für Sie untrennbar zusammen?

Warum stört es Sie so, fotografiert zu werden, Mr. Frears? "Manche Menschen sind eben privater als andere." Foto: Monika Idems

Frears: Nun ja, das gehört zur Sprache des Kinos. Es ist tatsächlich eher die Sprache des Kinos als des Lebens.

Überrascht es Sie, dass die Leute immer noch darüber reden, dass es hier um eine ältere Frau und einen jüngeren Mann geht?

Frears: Das tun sie doch nicht mehr, oder?

Ich glaube schon.

Frears: Na ja, die Welt ist voller Dummheit. Menschen sind weise, die Welt ist dumm. Ich finde, die Menschen sollten lernen, nicht auf die Welt zu hören.

Ist denn irgendwas gut am Älterwerden?

Frears: Was sollte das sein?

Na ja, Sie feiern die Jugend in einigen Ihrer Filme – aber sie ist doch so flüchtig...

Frears: Ja. Ja, das ist schrecklich. Und sie wird auch noch an junge Leute verschwendet! Die Jugend wird an die Jugend verschwendet. Man ist doch immer voller Bedauern, oder?

„Gefährliche Liebschaften“, „Die Queen“, „Lady Henderson präsentiert“ und jetzt „Chéri“: Sie scheinen sich in vielen Ihrer Arbeiten auf Frauenfiguren zu konzentrieren...

Frears: Sie spielen eine große Rolle in meinem Leben. Ich bin umgeben von starken, beeindruckenden Frauen.

Glauben Sie, dass Sie Frauen verstehen können?

Frears: Nein! Aber ich kann mir meine Ahnungslosigkeit eingestehen.

Monika Idems


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