Minions auf Schurkensuche als Feuerwerk der Gags und Zitate

Klein, gelb und tollpatschig: die Minions.
Klein, gelb und tollpatschig: die Minions.
Foto: Universal Pictures
Was wir bereits wissen
Die Minions brauchen einen Bösewicht, dem sie dienen können: Eine Expedition voller Missgeschicke und komischer Einfälle quer durch die Jahrhunderte.

Sie sind klein, sie sind gelb und sie sind stets an ihren Latzhosen und Schutzbrillen zu erkennen. Die Rede ist von den Minions, diesen kleinen wuseligen Helferlein des herzensguten Bösewichts Gru in den zwei „Ich – einfach unverbesserlich“-Animationsfilmen. Die Sympathie, die diese putzig vor sich hin murmelnden Wesen dabei beim Publikum gewonnen haben, hat ihnen nun einen eigenen großen Film mit dem naheliegenden Titel „Minions“ beschert.

Das Werk der beiden Regisseure Pierre Coffin und Kyle Balda, das sich am Ende als Prequel zu den „Ich“-Filmen erweist, strotzt dabei nur so vor unentwegt neuen komischen Einfällen, die der Zuschauer manchmal gar nicht so schnell verarbeiten kann. Doch auch wenn man die Minions hier vorwiegend auf drei Figuren verdichtet, so fehlt dem Film auf Dauer doch eine Leitfigur wie Gru, die der Gag-Maschinerie Emotionalität und Stringenz verleihen könnte.

Drei Minions sollen es richten

Allein die erste halbe Stunde des Films ist eine wahre Tour de Force an Komik. Da erleben wir die Minions, die wohl älter als die Menschheit sind, wie sie quer durch die Jahrhunderte hindurch dieser einen fixen Idee folgen – einen Superschurken aufzutreiben, dem sie als Helferlein zur Seite stehen können. Doch wen sie sich auch aussuchen, jeder Versuch, jede Hoffnung geht irgendwie den Bach runter. Historische Missgeschicke pflastern ihren Weg.

Ob nun ein fieser Pharao durch ihre Schuld unter seiner eigenen Pyramide begraben wird, ob sie Draculas Schlafzimmer mit zu viel Sonnenlicht fluten oder Napoleon den entscheidenden Sieg vermasseln, alles endet im Chaos. Da ist es immerhin eine gute Idee, nur die drei Minions Kevin (überdurchschnittlich intelligent), Bob (eher kindlich) und Stuart (Ukulele-Spieler) sich vom Südpol aus auf den Weg machen zu lassen, um einen verlässlichen Bösewicht aufzutreiben.

Bösewichte-Kongress in New York

Die schrille Scarlet Overkill (deutsche Stimme: Carolin Kebekus) scheint endlich die Richtige zu sein. Man trifft sie und ihren schläfrigen Mann Herb auf einem Bösewichte-Kongress in New York und folgt ihr in das Swinging London des Jahres 1968, wo sie nichts Geringeres plant, als den Diebstahl der Krone. Ort und Zeit sind von den Drehbuchautoren natürlich exakt geplant, denn nun reiht sich auf der Tonspur ein großer Hit jener Jahre an den anderen, geben sich The Who, The Kinks und die Box Tops die Klinke in die Hand.

Jede Einstellung ist genau austariert, kein Bild mehr ohne tieferen Hintergrund. Wenn die drei wackeren Minions nach einer Flucht durch den Untergrund an einem Gully wieder ans Tageslicht wollen, schreiten in genau diesem Moment vier junge Männer, einer davon ohne Schuhe, über die Straße. Das ist so einer dieser schnurrigen Momente, denen man anmerkt, dass die Macher mit ihrem Film gleich mehrere Generationen ansprechen wollen. Also auch jene Altvorderen, die hier sofort die Anspielung auf die Beatles und das Album-Cover von „Abby Road“ erkennen können.

Für die Kinder bleibt die optische Komik, die ihren Höhepunkt erreicht, wenn ein Minion nach der Einnahme von Halluzinogenen (1968!) als Riese durch die Straßen stakst. Und während Scarlet Overkill, deren Name wahrlich Programm ist, sich mit gestohlener Krone zur neuen Herrscherin von Großbritannien ausrufen lässt, ertränkt die noch junge Elizabeth II. ihren Frust an der Theke eines Pubs.

„Minions“ kommt als ein Feuerwerk der Gags und Zitate daher, will mit jeder Einstellung überrumpeln. Nur leider ist die überzogene Kreisch-Säge Scarlet Overkill nun wirklich kein Ersatz für den „unverbesserlichen“ Gru, nach dem man sich doch hin und wieder zurücksehnt. Weil die Filme mit ihm ein Zentrum hatten und die Minions dort das waren, als das sie eigentlich kreiert wurden: Nebenfiguren.

Wertung: Vier von fünf Sternen