Michael Moore zeigt, dass sich Verbrechen lohnt
15.11.2009 | 09:31 Uhr 2009-11-15T09:31:00+0100
Essen. Er hat die Baseballkappe wieder ausgepackt und kämpft erneut mit der Kamera gegen Unrecht und soziale Missstände. In "Kapitalismus - Eine Liebesgeschichte" legt US-Filmemacher Michael Moore das rücksichtlose Finanzgebaren an der Wall Street bloß.
Die Filme eines Michael Moore besitzen zwar keine Spielhandlung, trotzdem wird niemand sie Dokumentarfilme nennen können. Tatsächlich haben sie mehr den Charakter von illustrierten Anklageschriften, verfasst von jemandem, der staunend die USA unter die Lupe nimmt und dabei immer neues Unrecht, immer neue gesellschaftliche Auswüchse entdeckt. Er selbst ist dabei seine eigene Identifikationsfigur: ein Mann aus dem Volke, immer noch mit Baseballkappe und Schlabberhosen unterwegs, um die Verantwortlichen für soziale und andere Missstände zur Verantwortung zu ziehen.
In seinem neuesten Film „Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte” jedoch ist nur noch wenig zu spüren von Moores beißendem Zynismus, von seinen lustvollen Attacken gegen Interessenverbände und Vorstandsetagen. Fast klingt er manchmal schon resignativ, wenn es um die Pervertierung des Kapitalismus geht. Wie ein enttäuschter Ehemann beinahe, der das wahre Gesicht seiner Frau zu spät entdeckt. Aber auch wie ein großer Naiver, der das Falschspiel von Banken und Konzernen zwar erkennt, das System aber nicht so recht begreift.
Krebsbefall des Kapitalismus
Eben weil er das rücksichtslose Finanzgebaren an der Wall Street, einem Spielcasino wohl nicht unähnlich, durch Dritte erklären lassen muss, konzentriert Moore selbst sich lieber auf signifikante Beispiele für den Krebsbefall des Kapitalismus. Er zeigt eine Familie, die die Raten für ihr Haus nicht mehr aufbringen kann, und die nun hinnehmen muss, dass die Polizei ihr Heim stürmt und sie wie Verbrecher abführt. Er deckt das „Dead Peasant”-Versicherungssystem auf, dass es Arbeitgebern erlaubt, Lebensversicherungen auf ihre Angestellten abzuschließen, um so auch noch am Tod der Lohnabhängigen zu verdienen. Die Hinterbliebenen haben von derart makabren Machenschaften natürlich keine Ahnung.
Moore zeigt Piloten, die mittlerweile nur noch deutlich unter 20 000 Dollar pro Jahr verdienen und mittlerweile auf Zweitjobs angewiesen sind. Wobei sich wie von selbst die Frage nach der künftigen Sicherheit im Flugverkehr stellt. Er sympathisiert mit entlassenen Arbeitern, die ihren finanziell gesunden Betrieb kurzerhand besetzen und damit dem Aktienkurs ein Schnippchen schlagen. Dass man einen katholischen Geistlichen in diesem Zusammenhang den Kapitalismus amerikanischer Prägung als „pure Sünde” verdammen hört, ist auch nicht alltäglich.
Der Ernst der Lage
Michael Moores Helden heißen Franklin Delano Roosevelt und Barack Obama. Bei letzterem gilt das Prinzip Hoffnung, von ersterem fördert er bisher nie gesehenes Filmmaterial zutage, in dem der bereits schwerkranke US-Präsident eine zweite, von ihm formulierte „Bill of Rights” verliest. Sie sollte den Bürgern das Recht auf ein angemessenes Heim, auf Beschäftigung, auf Erziehung und Gesundheitsversorgung garantieren. Alles Ziele also, die heute weiter entfernt scheinen denn je: Zwei Drittel aller persönlichen Insolvenzen in den USA werden mittlerweile durch die Kosten für Gesundheitsversorgung verursacht.
Wenn man schon den Eindruck gewonnen hat, dass Moore diesmal tatsächlich ein Film gelungen ist, der in seinem Ernst dem Anlass endlich einmal gerecht wird, holt der Filmemacher sein altes Ich plötzlich wieder hervor. Als wolle er seinen gesammelten Zorn endlich abreagieren, sieht man ihn in Bankhäuser spazieren, um den Vorstand zu inhaftieren. Und an der Wall Street spannt er um einzelne Gebäude das gelbe Absperrband der Polizei: „Crime Scene”, Schauplatz eines Verbrechens. Man kann es ihm nicht einmal verübeln.
12:07
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10:39
ein toller Mann wir brauchten mehr davon, damit das Volk ´mal sieht wie es verarscht wird....., klaus h
10:03
Was ist los? Hat der Dicke seine Kohle, die er durch seine vorherigen Polemiken verdiente, etwa an der Börse verzockt? ROFL
Naja, es wird genügend Folks, die seine Taschen dankbar wieder füllen werden!
Gruß
08:28
Wer glaubt, das was Moore in seinen Filmen dokumentiert, sei aus den Fingern gezogen oder Verschwörungstheorien, der kennt scheinbar nicht das Rechtssystem der USA. Wer solche Filme dort in die Öffentlichkeit bringt, muss das, was er zeigt auch mehrfach beweisen können. Wäre das nicht der Fall, würde M. M. mit einer Milliardenklage schon lange pleite sein.
06:59
#9 franco83
Leider sind die Narren wir !
06:20
Sorry, Filmen
06:19
Klar ist Michael ein Kapitalist und will mit seinen Filemen Kohle machen. Schließlich ist er Amerikaner und die sind nun mal Kapitalisten. Trotzdem ist mir sein Kapitalismus lieber, als die Gier- und Raffkementalität amerikanischer Bankster, Rüstungslobbyisten und Pharma-/Gentechnikvertreter. Und ohne Zynismus (Resignation) ist dieses Pack ehe nicht zu ertragen. Sogar die Justiz, war auch nichts Anderes zu erwarten, ist von ihnen aufgekauft.
02:36
ein noch kräftigerer linksruck könnte ameika nicht schaden.....
auch deutschland nicht......
je weiter links um so besser.....
das gute an der momentanen situation ist das der kapitalismus ja nicht gewonnen hat,eher ist das gegenteil der fall...er frisst sich selber je gieriger er wird....
das einzige was das menschliche(linke) spektrum machen muss ist abwarten und geduld haben.....
man muss nichtmal eine revolution befürchten...nein....das problem kapitalismus wird sich von ganz alleine erledigen...
.
00:47
Was für ein verlogenes [Editiert von Moderation] Moore doch ist und die Linksdussel glauben ihm auch noch. Wie Cartman schon sagte, wartet auf die nächsten Southparkfolgen. Es wird ein Schlachtfest.
00:38
[Editiert von Moderation - Bezog sich auf entfernten Kommentar]
Und zum Thema:
Klar ist Michael Moore ein Idiot mit seinem nervtötenden Zynismus, aber er zeigt nun mal leider Missstände die meist der Wirklichkeit entsürechen. Nur ist es dabei oft zu sehr Die große Michael Moore Show als das zu erkennen und durch seine Übertreibungen usw. weiß man bei den Sachverhalten teils nicht mehr, wie man sie einordnen soll und was nun wirklich so ist und was sich Moore zurecht biegt.