Metropolis - wie ein Flop zum Film-Klassiker wurde
12.02.2010 | 13:42 Uhr 2010-02-12T13:42:00+0100
Essen.Seine Kosten hätten die UFA beinahe ruiniert, anfangs kam „Metropolis“ weder bei Kritikern noch beim Publikum an – der klassische Fall eines Kunstwerks, das erst spätere Generationen zu schätzen wissen. Auf der Berlinale wird der restaurierte Stummfilm das erste Mal gezeigt.
H.G. Wells war nicht amüsiert: „Ich habe vor kurzem den dümmsten Film gesehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man einen dümmeren drehen kann.“ Die Rede war von Metropolis. Wells Worte konnte man am 17. April 1927 in der New York Times nachlesen. Zu dem Zeitpunkt war Wells einer der berühmtesten Schriftsteller der Welt, nicht nur im Science-Fiction-Bereich. Kaum ein Verriss hätte schwerer gewogen.
Der Autor der „Zeitmaschine“ hatte in vielen Punkten Recht, auch im Nachhinein: Die Figuren des Films sind klischeehaft, die antiindustrielle Botschaft ist platt, und die Klassenstruktur der Stadt ergibt wirtschaftlich und technologisch überhaupt keinen Sinn (welche Massenprodukte werden in Metropolis’ Unterwelt eigentlich hergestellt und wer soll sie kaufen, wenn nur die winzige Oberschicht Geld hat, fragt Wells).
Ein unangefochtener Klassiker
Warum Metropolis 83 Jahre später dennoch als unangefochtener Klassiker gilt, ist leicht zu erklären: Der Film ist kein erzählerisches Meisterwerk, aber ein visuelles. Wie viele Szenen sich ins kollektive Gedächtnis eingegraben haben, merkt man erst, wenn man die filmischen Wiedergänger sieht. Da ist die Roboter-Maria, deren Design man noch in den Konturen von C3PO aus Star Wars erkennt. Da sind die Sklavenarbeiter an riesigen Hebeln und Zahnrädern, die man in Chaplins Modern Times und 100 anderen Filmen findet.
Und natürlich ist da die Stadt – der türmende Moloch mit seinen vernetzten Wolkenkratzern, Hochbahnen und Häuserschluchten. Im Grunde kann man keine urbane Dystopie schauen, ohne an Fritz Langs Film zu denken. Elemente von Metropolis findet man in Batmans Gotham City ebenso wie im L.A. des „Blade Runner“-Universums oder Matt Groenings „Futurama“.
Wenn es einen Teil von Metropolis gab, den Wells nicht verstand, dann war es die Stilisierung. Die expressionistischen Kulissen sollten gar nicht die Wirklichkeit wiedergeben. Zumindest nicht im Sinne einer plausiblen Prognose. Metropolis sollte eine düstere Vision sein. Dafür spricht auch, dass der Film bei all seinen Science-Fiction-Elementen auch in der Tradition der gothic novel à la Frankenstein stand. Die Unterwelt von Metropolis ist mehr Horror-Höhle als Maschinenraum, und Rotwang, der böse (und deformierte) Wissenschaftler betritt sein Haus durch eine Tür, auf der ein Pentagramm prangt. Mit anderen Worten: Realismus war nicht der springende Punkt für Lang. Die platte politische Botschaft wohl auch nicht.
Wahrscheinlich ist es am besten, wenn man Metropolis als futuristisches Märchen begreift. Und vielleicht stopft die am Freitag auf Arte laufende Urfassung auch manches Handlungsloch, das Wells beklagte. Immerhin sah er nur 75 Minuten von ursprünglich mindestens 180. Dass Metropolis als Kunstwerk in Zukunft an Bedeutung verliert, ist unwahrscheinlich.
Die Uraufführung des restaurierten Stummfilms „Metropolis“ wird am Freitag, 12. Februar, (20.40 Uhr) live von Arte übertragen. 83 Jahre nach der Premiere wird der Film auf der Berlinale und gleichzeitig in der Alten Oper in Frankfurt am Main aufgeführt.
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