Mark Wahlberg als Professor, der dem Glücksspiel verfällt

Kinostart - "The Gambler"Ihm ist alles egal: Jim Bennett (Mark Wahlberg) braucht viel Geld, um weiter spielen zu können.
Kinostart - "The Gambler"Ihm ist alles egal: Jim Bennett (Mark Wahlberg) braucht viel Geld, um weiter spielen zu können.
Foto: Claire Folger/Paramount
Was wir bereits wissen
Im Film „The Gambler“ schlüpft Mark Wahlberg in die Rolle des besessenen Spielers Jim Bennett, der in die Fänge von skrupellosen Kredithaien gerät.

Essen.. Ach, immer diese Kreditklemme! Das kann einen als Glücksspieler schon zur Verzweiflung bringen – und ums Leben. Oder ist es eher die Verzweiflung am Leben, die einen zum Glücksspieler werden lässt? Das ist die philosophische Frage, die im Film „The Gambler“ steckt. Mark Wahlberg gibt in dem Spieler-Drama den stets gut gekleideten Titelhelden, den Literaturprofessor Jim Bennett, den weder Mutters Moralpredigt noch Geldmangel oder die Zuneigung einer jungen blonden Studentin von seiner verhängnisvollen Glücksspielsucht abbringen können.

Wir erleben per Countdown die letzten sieben Tage des Spielers Jim Bennett. Besser gesagt: die letzten sieben Nächte. Er taucht ein in die Nacht, ins illegale Glücksspiel, verliert läppische 260 000 Dollar, leiht sich Geld bei zweifelhaften Kreditgebern oder seiner nörgelnden Mutter.

Geld oder Leben

Der gute Mann hat aber trotz durchgezockter Nächte am nächsten Tag keine Ringe unter den Augen, lehrt brav Literatur, fördert die schöne blonde Studentin Amy (Brie Larson), die ihm auch gleich verfällt und triezt den gelangweilten Basketballspieler Lamar (Anthony Kelley) kurz vor der Profilaufbahn – mit dem er dann gleich auch eine illegale Sportwette inszeniert, um seine Rouletteleidenschaft quer zu subventionieren.

Statt Rot oder Schwarz steht für Bennett am Ende die knifflige Frage „Geld oder Liebe?“, beziehungsweise Geld oder Leben? Es ist aalglattes, dialogsattes Schauspielerkino, das Regisseur Rupert Wyatt („Planet der Affen – Prevolution“) da auf die Leinwand bringt – dunkle Depressionen schillern im Casino-Kapitalismus eben besonders eindrucksvoll, das versucht Mark Wahlberg als Spieler hier rüberzubringen.

Das Problem ist nur: der schön-schaurige Schein ist oberflächlich, emotional packen kann einen das Remake des Films „Spieler ohne Skrupel“ aus dem Jahr 1974 nicht, da kann auch die tollste Location an der Westküste und die schönste Ruine als

Autobiografisch gefärbt

Verbrecherresidenz so wenig helfen wie der kühle Soundtrack. Weil Wahlberg uns nicht packt, der Typ mit BMW und Maßanzügen, der auch bei Verlusten in sechsstelliger Höhe weder Schweiß noch Tränen vergießt. Und das bisschen Blut, das die Kredithaie ihm später entreißen, scheint er auch beinahe schmerzfrei abzusondern. Den Kitzel des Lebens also spürt er offenkundig nur, wenn die drei Kredithaie (politisch korrekt: ein Asiate, ein Schwarzer, ein Adipöser) ihm mit Gewalt nach eben diesem Leben trachten. Dem Zuschauer macht er es schwer, sich mit diesem emotionsarmen Spielsüchtigen zu identifizieren – mögen auch die Zutaten ringsrum noch so schön angerichtet sein.

John Goodman und Jessica Lange als Oscar-Kandidaten

Da mag einem eher das Herz aufgehen bei der wunderbaren Performance des Kredithais Frank (John Goodman) oder Roberta, Bennetts Mutter, gespielt von der wunderbaren Jessica Lange. Diese beiden reden dem eiskalten Casinolooser wenigstens mal ins Gewissen.

So haben Goodman und Lange vermutlich die deutlich besseren Lose in der Trommel, wenn es um die Oscars geht und werden jedenfalls eher an einen (Nebenrollen-)Oscar kommen als Wahlberg oder Wyatt, die womöglich auch in diese Richtung geschielt haben mögen. Und darob den Film rundgeschliffen haben wie einen glitzernden Jeton – der hat seinen Wert eben auch nur in einer Scheinwelt.

Wertung: drei von fünf Sternen