Mademoiselle Chambon - das Schweigen der Herzen
12.08.2010 | 16:29 Uhr 2010-08-12T16:29:00+0200
Essen.Eine Frau, ein Mann und der Moment der Möglichkeit: Stéphane Brizés französische Romanze „Mademoiselle Chambon“ mit Sandrine Kiberlain und Vincent Lindon ist ein Liebesfilm ohne inflationär herausgekehrte Gefühle - und sehr sehenswert.
Eine Frau. Ein Mann. Ein Zug und der Moment der Möglichkeit. Einsam oder gemeinsam? Es ist eine eigentlich vertraute Kino-Konstellation, auf die Stéphane Brizés Liebesfilm „Mademoiselle Chambon ” auf ungewöhnlich leise Weise hinausläuft.
Selten hat der Seitensprung seinen Namen so sehr verfehlt wie in dieser sanften französischen Romanze. Was den Maurer Jean (Vincent Lindon) und die Lehrerin Mademoiselle Chambon (Sandrine Kiberlain) zusammenführt, ist nur ein kleiner Herzhüpfer, durch den die Welt doch vollkommen aus den Fugen gerät.
Das stille Ballett der Blicke
Ungelenk. fast zaudernd nähern sich die beiden an. Jean soll eines Tages vor der Klasse seines Sohnes über seinen Beruf sprechen. Mademoiselle Chambon, die Lehrerin, hat ein undichtes Fenster und sucht einen Handwerker. Als Jean das erste Mal zum Arbeiten in ihre Wohnung kommt, sieht er ihre Geige. Mademoiselle Chambon soll ihm vorspielen. Aber die zarte, scheue Frau scheut das Publikum. Schließlich dreht sie Jean den Rücken zu und spielt Edward Elgars Violin-Sonate in e-moll. Dann beginnt das stille Ballett der Blicke.
Brize findet für seine Liebesgeschichte Bilder voller stiller Sehnsucht, unausgesprochenem Einverständnis und kleinen Gesten von Verlegenheit.
Die Lebensmelodie ein wenig heller stimmen
Immer wieder verharrt die Kamera dabei auf den schweigsamen Hauptfiguren. Ein wenig unbeweglich wie zwei Menschen, die nicht wirklich aus ihrem alten Leben flüchten wollen. Das ist so gut oder schlecht wie jedes Durchschnittsleben in der Provinz, mit krankem Vater und ungesicherten Beschäftigungsverhältnissen. Da ist nur plötzlich dieser andere Mensch, der die Lebensmelodie ein wenig heller stimmen könnte.
„Mademoiselle Chambon“ ist ein Liebesfilm ohne inflationär herausgekehrte Gefühle. Die größte Intimität schöpft er aus der Tatsache, dass Kiberlain und Lindon auch im wahren Leben ein Paar waren. Wie sie die tastende Distanz zweier Frischverliebter neu abstecken, ist sehenswert.
10:08
Klasse Film mit toller Besetzung. Nur zu empfehlen!!!