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Life of Pi - Den Tiger lieben lernen!

26.12.2012 | 17:16 Uhr
Life of Pi - Den Tiger lieben lernen!
Zwei Schiffbrüchige: Der 17-jährige Pi und Richard Parker, der Tiger.Foto: Twentieth Century Fox

Essen.  Neu im Kino: Life of Pi. Regisseur Ang Lee („Brokeback Mountain“) hat Yann Martels Roman in eine 3-D-Bilderwelt verwandelt, die verzaubert und berührt. Lange galt die Geschichte, die auf mehreren Ebenen und verschlungenen Pfaden vom Glauben, Lieben und Hoffen erzählt, als unverfilmbar.

Gibt es eine schauerlichere Vorstellung als die, allein zu sein mit einem Tiger? Vielleicht: Allein zu sein auf hoher See, mehrere Leben weit von jeder Küste entfernt? Wenn diese beiden Schreckensvisionen zu einer werden: Dann haben Sie eine Idee davon, was der junge Inder Piscine Molitor Patel durchleidet.

Yann Martels Roman „Life of Pi“ („Schiffbruch mit Tiger“) erschien im Jahr 2001, und es ist nicht übertrieben zu sagen, dass die Lektüre bewusstseinsverändernd wirkt. Lange galt die Geschichte, die auf mehreren Ebenen und verschlungenen Pfaden vom Glauben, Lieben und Hoffen erzählt, als unverfilmbar. Nun aber hat Regisseur Ang Lee („Brokeback Mountain“) das Buch in eine 3-D-Bilderwelt verwandelt, die verzaubert, berührt – und dem intellektuellen Kern des Buches dennoch gerecht wird.

Im Boot mit Richard Parker

Im indischen Pondicherry wächst der kleine Piscine Molitor Patel auf, benannt nach einem Schwimmbad, „Pi“ gerufen. Als wäre dies nicht wundersam genug, lebt Pi inmitten wilder Tiere – denn sein Vater ist Zoodirektor.

Als Pi 17 Jahre alt ist, verlässt seine Familie Indien: Mitsamt aller Zootiere besteigen sie ein Schiff gen Kanada; Gérard Depardieu hat hier einen Auftritt als Koch. Ein Sturm aber reißt das Schiff in die Tiefe. Pi gerät auf ein Rettungsboot, mit einem verletzten Zebra, einer Hyäne, einem Orang-Utan – und einem 450 Pfund schweren bengalischen Tiger, Richard Parker genannt. Er macht den mitreisenden Tieren rasch den Garaus.

Hindu, Christ und Muslim zugleich

„Richard Parker ist bei mir geblieben“, heißt es im Roman: „Ich habe ihn nie vergessen. In meinen Träumen erscheint er mir noch. Eigentlich sind es Alpträume, aber Alpträume voller Liebe.“

Glaube, Liebe – gar Hoffnung? Dem erst 17-jährigen Darsteller Suraj Sharma ist es zu verdanken, dass Pis Hoffnung nicht vollkommen abwegig und naiv scheint. Denn in seinem Blick spiegelt sich der Glaube, den Pi von Anfang an in sich trägt. Seine Eltern hat er schier verrückt gemacht mit seinem religiösen Eifer, der ihn zugleich Hindu, Christ und Muslim sein ließ, beinahe unersättlich in seiner Wissbegier. Nun hat Gott, welcher Gott auch immer, ihm einen Tiger geschickt.

Täuschend echter Computertiger

„Es war Richard Parker, durch den ich Ruhe fand. Das ist die Ironie dieser Geschichte, dass gerade der, der mich zu Anfang so sehr ängstigte, dass ich darüber fast den Verstand verlor, am Ende derjenige war, der mir innere Ruhe und Lebenssinn gab, ja ich möchte fast sagen: Harmonie.“

Der Kampf gegen den und mit dem Tiger – übrigens kein Papier-, sondern über weite Strecken ein täuschend echter Computertiger – hält Pi am Leben. Großartige Bilder begleiten die Schiffbrüchigen, das Meer leuchtet, stürmt, schillert, tost, ein Anblick, der die Zuschauer in ihren Sitzen festtackert. Wenn der hell erleuchtete Ozeandampfer sinkt, wenn Fisch-Schwärme unter Pis Floß tauchen, wenn ein Wal sich über ihm erhebt, dann deutet der leicht übersteuerte Realismus der 3-D-Technik bereits an, was ganz am Ende des Films offenkundig wird: Wir erleben hier eine Erzählung.

Kongenial hat Ang Lee Martels Idee umgesetzt, hat ebenfalls eine Rahmenhandlung geschaffen, in der ein Schriftsteller sich vom gealterten Pi Bericht erstatten lässt. Versprochen war dem Schriftsteller eine Geschichte, die ihn an Gott glauben lässt. Und er bekommt sie auch. Aber anders als gedacht. Denn an was wir glauben, so Martels Credo, das hängt allein von der Güte der Erzählung ab. In diesem Sinne ist Ang Lee ein anbetungswürdiges Meisterwerk gelungen.

Wertung: Fünf von fünf Sternen

 
 
 
 
 

Britta Heidemann



Kommentare
25.02.2013
10:55
Life of Pi - Den Tiger lieben lernen!
von online-gedich.de | #2

Das sehe ich ganz anders and AndyST.

Dies ist ein "leiser" Film mit ruhigen Tönen, der zum Nachdenken anregen soll. Wer natürlich einen Action-Kracher erwartet, ist hier falsch beraten.

Ich wollte ihn eigentlich gar nicht sehen, denn ich kannte das Buch und mag keine Buchverfilmungen. Da aber meine Kinder beide Interesse bekundeten, bin ich mit. Ich habe es nicht bereut. In meinen Augen die erste Buchverfilmung, die der Vorlage mehr als nur ansatzweise gerecht wird. Alleine für die Szene, zu der es im Buch in etwa heißt: "...und dann schlug Richard Parker zu" hat sich der Besuch gelohnt.

Denn: Wenn Richard Parker in 3D zuschlägt, klebt man im Sitz, selbst wenn vom Buch weiß, was kommt.

Der zugegeben sehr ruhige Soundtrack ist absolut auf den Film abgestimmt. Die Tatsache, dass man ihn kaum wahrnimmt, spricht eigentlich für sich. Erst wenn der Soundtrack weggelassen würde, würde man merken, dass etwas fehlt.

Vermutlich ist AndyST mit falschen Erwartungen ins Kino gegangen.

28.12.2012
09:28
Life of Pi - Den Tiger lieben lernen!
von AndyST | #1

Nichtssagende Darsteller, nicht sonderlich einfallsreiche Geschichte, sehr langatmig.
Ich war enttäuscht und habe mich ziemlich gelangweilt im Kino. Das Beste war das Popcorn .-)

Bester Soundtrack? Der war so laff, dass ich ihn kaum wahrgenommen habe.

Also ganz ehrlich: den Hype um den Schinken verstehe ich nicht.
Naja, mit entsprechenden Pro-Aufwand kann man alles an den Mann bringen.

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