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"Julie & Julia" - eine Komödie als diplomatische Farce

03.09.2009 | 13:42 Uhr
"Julie & Julia" - eine Komödie als diplomatische Farce

Essen. „Julie & Julia” ist eine Küchen-Komödie mit einer hinreißenden Meryl Streep. Erzählt wird, wie die feine französische Küche dank einer Diplomaten-Gattin in die Heimat von Hot Dogs und Cheese-Burger einzog, und wie zwei Hausfrauen sich selbst verwirklichen.

Info
Julie & Julia

Deutscher Kinostart: 03.09.2009

Regie: Nora Ephron

Darsteller: Meryl Streep, Amy Adams, Stanley Tucci, Mary Lynn Rajskub u.a.

Der erste deutsche Fernsehkoch in den 1950er-Jahren hieß Clemens Wilmenrod, ein gelernter Schauspieler und Erfinder des „Toast Hawaii”. Über Wilmenrods vermeintlich weltmännischen Umgang mit Dosenobst und Fertigsoßen hätte seine amerikanische Kollegin Julia Child damals nur die Nase gerümpft: Gemüse kauft man frisch, Majonnaise schmeckt am besten selbstgerührt und für ein gutes Boeuf bourguignon muss man sich schon ein paar Stündchen Zeit nehmen, lautete ihre Devise.

Wie die feine französische Küche dank der von Meryl Streep mit komödiantischer Hingabe in die Schürze gestemmte Diplomaten-Gattin also in die Heimat von Hot Dog und Cheese-Burger einzog, davon erzählt Nora Ephrons recht pfiffig zubereitete Küchenkomödie „Julie & Julia”. Einerseits.

Von Paris nach New York

Julie & Julia. © Sony Pictures

Die restlichen Film-Zutaten hat die Drehbuch-Autorin („Harry & Sally”) den Aufzeichnungen der New Yorker Versicherungsangestellten Julie Powell entnommen, die sich 2002 über Childs legendäres Kochbuch beugte und ihre Sinnkrise mit dem Nachkochen der 524 Rezepte bewältigte. Nachzulesen in einem Blog, aus dem später ein Buch wurde und nun eine halbe Hollywood-Produktion. Eine Verwertungskette, von der Mälzer, Lafer & Co. hierzulande nur träumen können.

Zwei amerikanische Hausfrauen mit kulinarischen Selbstverwirklichungs-Absichten, zwei unterschiedliche Generationen, zwei Handlungsstränge, die zum Ende des Films allerdings etwas ermüdend miteinander verflochten werden. So pendelt die Kamera zwischen dem pittoresken Paris der 1940er-Jahre und dem modernen New York, zwischen der von Amy Adams mit leisem Lebens-Frust ausgestatteten Julie und der patenten Julia, die Meryl Streep diesmal als große Komödiantin herausstellt.

Charmante Wohlfühl-Komödie

Wie sie sich die exaltierte Erscheinung der amerikanischen Haute Cuisine-Pionierin überstreift, mit trutschiger Frisur und steifer Schürze, wie sie strahlend über einen Berg gehackter Zwiebeln triumphiert und im schrillen Operettenton einer Dame Edna die Farce in eine entbeinte Ente schiebt, ohne ihre Figur komplett der Parodie preiszugeben, das beweist Witz und Geschmack.

So ist „Julie & Julia” eine charmante Wohlfühl-Komödie im konservativen Geiste, wo die Frauen ihre Bestätigung am Herd finden und die Männer genussvoll applaudieren. Childs Ehe blieb kinderlos, sie wurde die Mutter aller Fernsehköche.

Martina Schürmann

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2009-09-03 13:42
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