Judgment, der Schicksalsberg für Flüchtlinge

Meto Jovanovski und Miki Manojlovic in „Judgment - Grenze der Hoffnung".
Meto Jovanovski und Miki Manojlovic in „Judgment - Grenze der Hoffnung".
Foto: Krasimir Andonov
Was wir bereits wissen
Der Flüchtlingsfilm "Judgment" zeigt mit sehr viel Empathie, auf welch brenzligen Wegen die Menschen Zuflucht in einem neuen Land suchen.

Essen.. Flüchtlingsströme kommen nicht nur über das Wasser nach Europa, Schleuser haben auch über den Landweg ausreichend zu tun. In dem bulgarischen Film „Judgment – Grenze der Hoffnung“ von Stephan Komandarev sind es Flüchtlinge aus Syrien, die über die bulgarisch-türkische Grenze in die EU gelangen wollen. Dabei müssen sie den „Judgment“ genannten Felsen passieren, über dessen Grat der Grenzzaun verläuft. Im Laufe der Geschichte ist daraus ein Schicksalsberg geworden, an dem viele zugrunde gegangen sind. Den arbeitslosen Mitios kann das am Ende nicht mehr schrecken. In finanzieller Not macht er schließlich wieder mit bei den Schleusern.

Der osteuropäische Film ist keineswegs tot

„Judgment“ ist der Beweis dafür, dass der osteuropäische Film keineswegs tot ist. Mit viel Sorgfalt und Anteilname schildert Komandarev das karge Dasein der Menschen im Ort und setzt es in Kontrast mit der verschwenderischen Schönheit der umliegenden Bergwelt.

Mitios (Assen Blatechki) trägt dabei die größte Last: die Frau gerade gestorben, der Arbeitsplatz nicht mehr vorhanden, das bescheidene Haus für sich und seinen schulpflichtigen Sohn noch längst nicht abbezahlt. Und dann immer wieder diese quälende Erinnerung an einen tödlichen Zwischenfall am Judgment während des kalten Krieges, an dem er und sein damaliger „Kapitan“ (Miki Manojlovic) nicht unschuldig waren.

Der Regisseur erweist sich als starker Erzähler, der die Schicksalsfäden sacht verknüpft. Man lässt sich von diesen uns doch so fremden Schauspielern gerne hineinziehen in das karge Dorfleben und in den wachsenden Konflikt zwischen Mitios und dem „Kapitan“, der früher die Grenze mit Gewalt geschützt hat und sie nun durchlässiger werden lässt. Nur die Art, wie dieser Konflikt dann schließlich gelöst wird, das erinnert denn doch ein wenig an die standardisierte Melodramatik Hollywoods.

Wertung: vier von fünf Sternen