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"Jesus liebt mich" - Ein Erlöser mit Sinn für Humor

19.12.2012 | 18:20 Uhr
Schmucker Kerl: Mit Jeshua (David Fitz) scheint Marie den Traummann gefunden zu haben.Foto: Warnerbros

Essen.  „Jesus liebt mich“ ist - trotz drohender Apokalypse - ein Wohlfühlfilm. Florian David Fitz ("Vincent will Meer") ist als Regisseur und Hauptdarsteller ein kleines Kunststück gelungen: Endlich scheint der deutsche Filmjemanden zu haben, der eine Komödie mit Leichtigkeit und erfrischendem Humor jenseits aller Klebrigkeit versehen kann.

Er ist schon irgendwie merkwürdig, dieser Typ, mit dem Marie sich da beim Italiener zur Pizza verabredet hat. Sein Name Jeshua deutet auf israelische Abstammung, seine langen Haare auf einen schlechten Friseur. Und dann holt er noch während des Essens einen Bettler von draußen herein, teilt die Pizza mit dem Hungrigen und will ihm auch noch die Füße waschen. Marie ist anfangs genauso unangenehm berührt wie jeder in diesem Lokal, am Ende des Abends aber ist sie wie verwandelt. Und alle anderen auch.

Man weiß natürlich sofort, um welchen Sonderling es sich bei diesem schmucken Kerl handelt, denn schließlich gibt darüber schon der Filmtitel Auskunft: „Jesus liebt mich“ ist das Regiedebüt des Schauspielers Florian David Fitz („Vincent will Meer“), der daneben auch noch das Drehbuch (nach Motiven des Romans von David Safier) sowie die Hauptrolle übernommen hat.

Ein wenig viel, möchte man meinen, doch das Ergebnis gibt Anlass zu schönster Hoffnung. Hier scheint der deutsche Film endlich jemanden zu haben, der eine Komödie mit der notwendigen Leichtigkeit und zugleich mit erfrischendem Humor jenseits aller Klebrigkeit versehen kann.

Herrliche Gags platziert

Natürlich birgt hier schon die Grundsituation genügend Möglichkeiten, um herrliche Gags zu platzieren. Jesus ist auf die Erde gekommen, um noch einmal die Menschen zu besichtigen, bevor der Weltuntergang sie alle verschlingen wird. Und der ist nicht mehr weit, „nächsten Dienstag“, um genau zu sein.

 Auf Marie (Jessica Schwarz) wurde er aufmerksam , weil sie ihn an eine „alte Bekannte“ von früher erinnert hat, nur die Nase ist etwas anders. Gemeinsam mit diesem schönen Fremden erlebt die junge Frau schier Unglaubliches: Rollstuhlfahrer können plötzlich wieder laufen, Wasser verwandelt sich in Wein, und wenn ihn einer schlägt, hält Jeshua dem Angreifer auch noch die andere Wange hin.

Interview
Die Offenbarung nach Florian David Fitz

Der Shooting-Star des deutschen Films, bekannt aus dem Deutschen-Filmpreis-Sieger „Vincent will Meer“, im Gespräch sich, seine Selbstzweifel, die Christmette und über seinen neuen Film „Jesus liebt mich“, der jetzt in unseren Kinos anläuft.

Dass sie eigentlich gerade heiraten will, hat Marie bei all dem beinahe schon vergessen.

Fitz hat ein Gespür für Komik, die bei ihm immer nie überreizt wirkt. Und wenn er diesen Jesus zeigt, wie er vergeblich mit Marie zu schwimmen versucht, leider aber nur über Wasser gehen kann, dann belässt er diese Situation nicht im Lächerlichen, sondern löst sie auf wundervoll romantische Weise auf.

Womit wir bei einer anderen Besonderheit dieses Films sind, denn hier korrespondieren mühelos die romantische Komödie mit der Satire, das Weltuntergangsszenario mit dem Mysterienspiel.

Was Fitz an sich tut, das gönnt er auch anderen. Henry Hübchen beispielsweise, der einst mal der Engel Gabriel war, einer Frau wegen aber seine Flügel und seine Unsterblichkeit aufgegeben hat. Oder Nicholas Ofczarek, der einen herrlichen Teufel abgibt, immer von Fliegen umgeben und mit Toilettenspray tapfer gegen seinen Gestank ankämpfend.

Ex-Erzengel findet die große Liebe

Ganz nebenbei läuft zwischen diesen himmlischen Gestalten auch noch eine Provinzposse ab, in der Maries alter Vater (Peter Prager) eine dralle Polin heiraten will, die nur mal eben 40 Jahre jünger ist. Und in der bekannt wird, dass die große Liebe des Ex-Engels Gabriel niemand anders als Maries Mutter (Hannelore Elsner) war.

Aber da in diesem Film alles ein wenig anders ist als üblich, entpuppt die Polin sich trotz ihrer immensen Körperlichkeit als äußerst klug.

Premiere in der Lichtburg

  Und der griesgrämige Gabriel, einsam und dem Alkohol zugeneigt, darf noch einmal mit seiner großen Liebe über Wiesen und Felder tollen.

„Jesus liebt mich“ variiert das Thema von der möglichen Rückkehr des Erlösers auf eine sehr liebenswerte Weise. Dass er trotz drohender Apokalypse als Wohlfühlfilm wahrgenommen werden kann, ist schon ein kleines Kunststück. Florian David Fitz hat nun mit seiner Titelfigur auf jeden Fall etwas gemein: Auch er ist ein Hoffnungsträger.

Arnold Hohmann



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