Jennifer Aniston lebt in "Cake" ein Leben voller Narben

Claire Simmons (Jennifer Aniston) verliert ihre Tochter und wird süchtig nach Schmerzmitteln.
Claire Simmons (Jennifer Aniston) verliert ihre Tochter und wird süchtig nach Schmerzmitteln.
Foto: Warner
Was wir bereits wissen
Als trauernde Mutter wächst Jennifer Aniston in dem Drama "Cake" über sich hinaus. Die Anwältin versucht den Weg zurück ins Leben zu finden.

Essen.. Nanu, wieso denn die? Das war die spontane Reaktion, als Jennifer Aniston im Dezember für ihre Darstellung im Film „Cake“ für den Golden Globe als beste Hauptdarstellerin nominiert wurde – in einer dramatischen Rolle. Das Girlie aus der Sitcom „Friends“, seit mittlerweile 20 Jahren Garant für seichte Romantikkomödien, ging beim Globe leer aus, wurde beim Oscar ignoriert und die Welt war somit wieder in Ordnung. Diese Sichtweise hätte nicht falscher sein können, denn nun konnte der Film für den hiesigen Kinostart endlich gesichtet werden.

Der Weg zurück ins Leben

Man darf ehrlich erstaunt sein, wie Jennifer Aniston die Rolle der Anwältin Claire ausgestaltet, die bei einem fremd verursachten Unfall ihre Tochter verlor und selbst so schwer verletzt wurde, dass auch edle Schönheitschirurgie nicht alle Narben wegoperieren konnte. Der Rücken schmerzt, Schmerztabletten werden zum Suchtstoff und auch psychisch ist etwas geblieben; Claire steigt zwar in Autos, stellt den Beifahrersitz aber so tief, dass sie nichts vom Straßenverkehr sehen kann.

Es geht um den Weg zurück ins Leben, um Freundschaft und Vertrauen fassen und um die Schutzmechanismen, die genau das alles verhindern. Claires Ausweg sind eine rasche, beinahe wahllose Liebespraxis, Tablettenkonsum und galliger Sarkasmus und Jennifer Aniston findet für all das nuancierte Abstufungen der Charakterhässlichkeit. Man muss sich als Zuschauer reinknien, um Nähe zu Claire zu finden. Es ist eben nicht nur so, dass man überrascht ist, weil man es ihr nicht zugetraut hätte, wie damals bei Julia Roberts in „Erin Brockovich“; Jennifer Aniston spielt wirklich gut in einem Film, den sie selbst produziert hat.

Überraschende Kamerawinkel verleihen modernen Look

Sie wollte es also wissen, sich beweisen. Oft genug reicht der Film nicht im Ansatz an die Ambition des Stars heran. Aber hier greift nun die straffe Regie von Daniel Barnz, der dem Geschehen mit dynamischem Schnitt und überraschenden Kamerawinkeln einen modernen Look verpasst, weshalb „Cake“ nicht nur ein Starvehikel ist, er weiß auch die große Leinwand zu bedienen.

Wertung: Vier von fünf Sternen