Jason Statham als Privatdetektiv und Bodyguard in Las Vegas

Was wir bereits wissen
In dem Actionfilm „Wild Card“ spielt Jason Statham einen Privatdetektiv und Bodyguard, der sein Geld verzockt und sich dann noch mit der Mafia anlegt.

Essen..  Den Briten Jason Statham mag man im Kino als Action-Held abgeheftet haben, er war aber eigentlich immer schon viel mehr als das. Bei ihm hat man immerhin das Gefühl, dass er sein Tun reflektiert, dass er trotz massiven Körpereinsatzes das Denken noch nicht verlernt hat. In seinem neuen Film „Wild Card“ geht er diesen Weg konsequent weiter: Unter der Regie von Simon West, der mit ihm bereits das Charles-Bronson-Remake „The Mechanic“ drehte, liefert er nun das Porträt des alkohol- und spielsüchtigen Ex-Söldners Nick Wild ab, der seit vielen Jahren in Las Vegas festsitzt und einfach nicht die Kraft hat, aus diesem Eldorado der falschen Illusionen auszubrechen.

Erinnerungen an „Heat“

Auch bei „Wild Card“ handelt es sich um die Neuverfilmung eines Stoffes, der 1986 bereits als „Heat“ mit Burt Reynolds in die Kinos kam. Der betagte William Goldman (83), einer der ganz großen Drehbuchautoren der 70er Jahre („Butch Cassidy and the Sundance Kid“, „Der Marathon-Mann“), hat sein Script von damals noch einmal überarbeitet. Und vielleicht ist das der Grund, dass die Ereignisse sich zwar in einer sichtbaren Gegenwart abspielen, Las Vegas aber in den Bildern von Kameramann Shelly Johnson so aussieht, als habe sich in dieser trügerischen Glitzerwelt seither nie etwas verändert.

Schon die Auftaktsequenz ist ein Schock

Wild hält sich dort als Privatdetektiv und gelegentlicher Bodyguard mehr schlecht als recht über Wasser. Schon die Auftaktsequenz ist ein Schock, denn da wird unser brüchiger Held von einem Ehemann wüst verprügelt, dessen Gattin er zuvor an der Bar plump angemacht hat. Eine abgekartete Sache natürlich, weil der Gatte damit bei seiner Holden endlich mal wieder Eindruck schinden wollte, aber auch ein Gradmesser für den Verfall der Figur Nick Wild. Später heuert ihn dann ein ängstlicher Internet-Millionär als Bodyguard an, weil der Überängstliche sich beim Spielen im Casino nicht sicher genug fühlt. Das richtige Statham-Gefühl taucht eigentlich erst auf, als eine befreundete Prostituierte ihn als Rächer engagieren möchte, weil sie von dem fiesen Sohn eines Mafioso brutal verprügelt und vergewaltigt wurde.

Ein Mann, der sich lieber selbst betrügt

Dazwischen lernen wir in diesem eindringlichen B-Movie in Nick Wild einen Mann kennen, der sich lieber selbst betrügt, als seine Träume wahr werden zu lassen. Immer wieder betont er, dass er für die 500 000 Dollar spart, die es ihn kosten würde, sich fünf Jahre lang sorglos durch die Welt zu bewegen. Darum ist es auch die sicher intensivste Szene des ganzen Films, wenn Nick am Blackjack-Tisch plötzlich eine Glückssträhne hat und die ersehnte Summe schließlich erreicht ist. Doch nur ein kurzer Besuch in der Toilette, nur ein tiefer Blick in den Spiegel, und Nick kommt zurück, um alles wieder aufs Spiel zu setzen.

Präzise Schauspielerarbeit

Wie Statham diesen Typen zeichnet, der Angst davor hat, dass seine Hoffnungen in Erfüllung gehen könnten, das ist eine präzise Schauspielerarbeit, wie man sie von Action-Gewächsen wie Schwarzenegger oder Dwayne Johnson nie erwarten würde. Hier tastet er sich in Bereiche vor, die eher an James Caan in „Spieler ohne Skrupel“ oder an Nicolas Cage in „Leaving Las Vegas“ erinnern. Natürlich wird Statham demnächst wieder in Filmen auftauchen, in denen seine Physis stark gefragt sein wird. Aber zwischendurch hat er mal eben gezeigt, was da alles auch noch in ihm steckt.
Wertung: vier von fünf Sternen