Jakobs Bruder
03.06.2009 | 06:45 Uhr 2009-06-03T06:45+0200Essen. In "Jakobs Bruder" spielen Klaus J. Behrendt und Christoph Maria Herbst ein ungleiches Geschwisterpaar. Seit Jahren zerstritten, führt die Alzheimer-Erkrankung der Mutter die beiden wieder zusammen.
Deutscher Kinostart: 04.06.2009
Regie: Daniel Walta
Darsteller: Klaus J. Behrendt, Christoph Maria Herbst, Sophie Rogall, Hannelore Elsner u.a.
Besprechung:
Seit etlichen Jahren haben Jakob (Klaus J. Behrendt) und Lorenz (Christoph Maria Herbst) nicht mehr miteinander gesprochen. Die beiden Brüder sind einfach zu unterschiedlich. Doch nun führt sie eine traurige Nachricht wieder zusammen. Wie Jakob von Lorenz erfährt, ist ihre Mutter (Hannelore Elsner) an Alzheimer erkrankt. Gemeinsam machen sich die Geschwister auf den Weg in die alte Heimat, um sie zu besuchen. Während der holprigen Anreise finden die Brüder endlich Zeit, all ihre schwelenden Differenzen aus der Welt zu schaffen.
In einer Mischung aus Roadmovie, Komödie und Familiendrama fokussiert sich "Jakobs Bruder" auf die verkorkste Beziehung der beiden Männer. In eingestreuten Rückblenden erfährt der Zuschauer in Daniel Waltas Spielfilmdebüt, warum zwischen ihnen Funkstille herrscht. Die Brüder haben sich nicht bloß auseinander gelebt, es gibt auch schwere emotionale Steine, die es aus dem Weg zu räumen gilt. Und genau darum dreht sich die Geschichte. Die Krankheit Alzheimer spielt hingegen nur eine untergeordnete Rolle. Dementsprechend klein ist Hannelore Elsners Gastauftritt als Mutter.
Neuer Schwung in angestammter Routine
Wesentlich dominanter agieren die männlichen Hauptdarsteller. Klaus J. Behrendt, bekannt als bärbeißiger "Tatort"-Kommissar Max Ballauf, spielt den wortkargen Jakob, der sich in der Abgeschiedenheit Ostfrieslands ein solides Leben aufgebaut hat. Ganz anders sieht es mit dem von "Stromberg"-Darsteller Christoph Maria Herbst verkörperten Lorenz aus. Er braucht den Trubel der Großstadt, ist vorlaut und bisweilen ein wenig vorschnell. Dass er sich als Moderator eines drittklassigen TV-Senders seine Brötchen verdient, passt vorzüglich ins Bild.
Die Brüder könnten somit unterschiedlicher kaum sein. Auf dem ersten Teilstück ihrer Reise verfallen sie deshalb in gewohnte Rollenmuster. Jakob sitzt mürrisch am Lenkrad, während Lorenz unentwegt quasselt. Erst als ihr Wagen ins Stottern gerät und sie von der Autobahn auf die Landstraße ausweichen müssen, kommt neuer Schwung in die angestammte Routine. Daneben bringt eine laszive Anhalterin, gespielt von Newcomerin Sophie Rogall ("Fickende Fische"), frischen Wind ins klapprige Auto.
Brüder halten zusammen
Seinem starken Ensemble ist es zu verdanken, dass "Jakobs Bruder" zu keinem Familiendrama von der Stange verkommt - zumal der harte, aber herzliche Ton zwischen Behrendt und Herbst vor Dialogwitz nur so sprüht.
Dabei schält sich schnell heraus, dass die Brüder trotz aller Unstimmigkeiten in Extremsituationen zusammenhalten. Als sich Lorenz aufgrund seiner forschen Art mit einem Brummifahrer anlegt, steht ihm der besonnene Jakob wie selbstverständlich bei. Mit "Jakobs Bruder" ist Walta ein kurzweiliger Kinoeinstand gelungen, der am Ende sogar mit einer dicken Überraschung aufwartet. (ddp)