"Jacky im Königreich der Frauen" als skurrile Komödie

Jacky (Vincent Lacoste, r.) begegnet beim großen Ball der Bubunnerie zum ersten Mal der Colonelle (Charlotte Gainsbourg).
Jacky (Vincent Lacoste, r.) begegnet beim großen Ball der Bubunnerie zum ersten Mal der Colonelle (Charlotte Gainsbourg).
Foto: Pandastorm
"Jacky im Königreich" des Franzosen Riad Sattouf ist eine Persiflage auf die traditionelle Geschlechterrolle. Denn hier haben die Frauen das Sagen.

Essen.. Das Prinzip ist extrem einfach und effektiv. Der Filmemacher und Comiczeichner Riad Sattouf dreht in „Jacky im Königreich der Frauen“ die realen Verhältnisse in islamistisch geprägten Staaten um. In der fiktiven Volksrepublik Bubunne herrschen die Frauen. Sie sind in der Armee und führen die Geschäfte. Die Männer kümmern sich um den Haushalt und dürfen sich in der Öffentlichkeit nur verschleiert zeigen.

Das größte gesellschaftliche Ereignis in Bubunne ist der Ball, auf dem die künftige Königin und Diktatorin des Landes ihren Ehemann auswählt. An diesem Abend ist alles möglich, sogar ein Aufstieg aus den untersten Schichten in die höchsten Kreise der Macht. Aber darum geht es dem liebenswert-naiven Jacky (Vincent Lacoste) nicht. Er hat sich in die Colonelle (Charlotte Gainsbourg) verliebt und will unbedingt ihr „großer Dödel“, wie der Mann der Herrscherin genannt wird, sein. Mit seiner Sehnsucht entfacht er sogar eine Art revolutionäres Feuer.

Filmemacher Riad Sattouf war für „Charlie Hebdo“ tätig

Der aus Syrien stammende Riad Sattouf, der lange als Zeichner und Comic-Autor für das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ tätig war, geht in seiner satirischen Abrechnung mit Unterdrückungssystemen nicht zimperlich vor. Anspielungen auf muslimische Fundamentalisten mischen sich mit Anleihen aus George Orwells anti-stalinistischen Romanen.

Die Männer in ihrer meist leuchtend roten ‚Schleierei’, wie ihr Gewand in der Kunstsprache des Films heißt, sind lächerliche Gestalten, unterwürfig bis zur Erniedrigung und immer darauf bedacht, eine möglichst gute Partie zu machen. Und die Frauen zeichnen sich vor allem durch Herrschsucht, Arroganz und Lust an gewalttätigen Machtspielchen aus. Wenn ein Mann ihnen gefällt, schrecken sie auch nicht davor zurück, ihn zu vergewaltigen.

Aber Sattouf setzt dies mit einer solchen Naivität und Lust an Übertreibungen in Szene, dass es wieder an Schärfe verliert. Natürlich weiß jeder, auf wen der Filmemacher mit seinen Pfeilen des Spotts zielt. Dennoch ist sein Film kein politisches Traktat. Sattouf feiert schlicht die Freiheit der Kunst. Und das verleiht seinem Film nun, nach dem Massaker in der Redaktion von „Charlie Hebdo“, eine Sprengkraft, die weit über seine Gags hinausgeht.

Wertung: vier von fünf Sternen