Isabelle Huppert stürzt sich in ein romantisches Abenteuer

Die Liebe ist etwas eingerostet: Brigitte (Isabelle Huppert) und ihr Ehemann Xavier (Jean-Pierre Darroussin) auf dem gemeinsamen Hof.
Die Liebe ist etwas eingerostet: Brigitte (Isabelle Huppert) und ihr Ehemann Xavier (Jean-Pierre Darroussin) auf dem gemeinsamen Hof.
Foto: Wild Bunch Germany
Was wir bereits wissen
In der Komödie „Sehnsucht nach Paris“ spielt Isabelle Huppert eine Frau, die aus ihrem normalen Leben ausbricht und in die Stadt der Liebe reist.

Essen..  Immer wieder hat Isabelle Huppert in den vergangenen Jahren moderne, leicht neurotische Großstädterinnen gespielt. Mehr als jede andere französische Schauspielerin unserer Zeit verkörpert sie mit ihren fast schon transparenten Zügen und ihrer meist etwas herrischen Art die typische Pariserin, eine Frau von Welt, die es versteht, ihr Umfeld zu kontrollieren. Umso überraschender ist nun ihre Rolle in Marc Fitoussis melancholischer Komödie „Sehnsucht nach Paris“.

Die von Isabelle Huppert gespielte Brigitte Lecanu hat ihr ganzes Leben auf ihren Mann, den Rinderzüchter Xavier (Jean-Pierre Darroussin), zugeschnitten. Sie führt den Haushalt und hilft, wenn es sein muss, auch im Stall aus. Bei den Zuchtwettbewerben, zu denen Xavier am Wochenende mit seinen Tieren fährt, sitzt sie auf der Tribüne und macht Fotos. Doch dieses Leben füllt sie nicht aus. Es ist zu einer Tretmühle geworden, die sie nach und nach krank macht. Davon zeugt auch das immer weiter wachsende Ekzem an ihrem Hals.

Marc Fitoussis märchenhafte Erzählung

Brigitte sucht nach Auswegen. Also fährt sie nach Paris, um sich mit einem jungen Mann zu treffen, den sie zufällig auf dem Land kennengelernt hat. Wie Isabelle Huppert mit einer Pelzmütze auf dem Kopf durch die Straßen von Paris streift, hat in Marc Fitoussis märchenhafter Erzählung von einer Flucht aus dem Alltag fast etwas Magisches. Man sieht sie in diesen Szenen noch einmal mit anderen Augen.

Die Sicherheit, die Isabelle Huppert sonst ausstrahlt, ist einem wundersamen Zögern gewichen. Manchmal wirkt Brigitte fast naiv. Aber wie sie dann mit Enttäuschungen umgeht und sich im Lauf weniger Tage ein eigenes Leben erobert, zeugt von einer ungeheuren Kraft und einer bemerkenswerten Weisheit. Man sollte niemals dem ersten Eindruck oder gar dem äußeren Schein trauen. Das ist Marc Fitoussis zwar nicht gerade neue, dafür aber mit einer wunderbaren Leichtigkeit in Szene gesetzte Botschaft.

Auf der Grenze zwischen Wirklichkeit und Traum

Mit einer nahezu traumwandlerischen Sicherheit balanciert Fitoussis auf der Grenze zwischen Wirklichkeit und Traum, zwischen Drama und Märchen. Dabei ist es nicht nur Isabelle Huppert, die einen mit ihrer erstaunlich bodenständigen Ausstrahlung überrascht. Auch Jean-Pierre Darroussin verleiht seiner auf den ersten Blick eher eindimensionalen Figur eine verblüffende Tiefe. Sein Xavier ist eben nicht nur der alleine an seinen Zuchterfolgen interessierte Landwirt, sondern auch ein extrem einfühlsamer Mann, der genau weiß, wann er loslassen muss, um seine große Liebe zu halten. Wertung: vier von fünf Sternen