In "3 Türken und ein Baby" wechselt Kostja Ullmann Windeln

Was wir bereits wissen
In der Komödie "3 Türken und ein Baby" greift Regisseur Sinan Akkuş interkulturelle Vorurteile und Missverständnisse auf. Die Gags zünden nicht immer.

Essen.. Komödien arbeiten mit Klischees. Das liegt auf der Hand. Schließlich sind sie den meisten Menschen auf die eine oder andere Weise vertraut, und so lassen sich aus ihnen reichlich Gags schlagen. Darauf verlässt sich auch der Filmemacher Sinan Akkuş. Seine Komödie "3 Türken und ein Baby" setzt von Anfang an vorbehaltlos auf Klischees. Das beginnt bereits bei seinen drei Nicht-Helden, den türkischen Brüdern Celal, Sami und Mesut Yildiz, die das Brautmoden-Geschäft ihrer Eltern weiterführen und kurz vor dem Bankrott stehen.

Celal (Kostja Ullmann) ist ein attraktiver und wortgewandter Aufreißer. Ein klassischer Macho, der in Wahrheit aber immer noch seiner ersten Liebe Anna (Jytte-Merle Böhrnsen) nachtrauert. Als er sie zufällig auf der Straße wieder trifft, ist sie mit einem Kinderwagen unterwegs und wird kurz danach bei einem Autounfall schwer verletzt. Um das Baby kümmert sich niemand, also nimmt Celal es widerwillig mit.

Für seinen zweiten Film bedient sich Akkuş recht dreist bei dem französischen 80er-Jahre-Komödienklassiker "Drei Männer und ein Baby". Wie einst Coline Serreau setzt auch er auf Figuren, die man sich kaum als Väter vorstellen kann und die dennoch Wachs in den kleinen Fingern des Babys sind. Zudem schwelgt Akkuş noch in zahlreichen interkulturellen Vorurteilen und Missverständnissen.

Aber letztlich sind es nicht einmal die eher wenig amüsanten Gags, die "3 Türken und ein Baby" einen überaus unangenehmen Beigeschmack geben. Der kommt von Akkuş’ Versuchen, gerade in der zweiten Hälfte des Films auf Emotionen zu spielen. Mit einmal soll der Betrachter nicht mehr nur über die Brüder lachen, sondern mit ihnen fühlen . Doch dafür ist es zu diesem Zeitpunkt längst zu spät.

Wertung: 1 von 5 Sternen