Im Supermarkt geht die Zivilisation vor die Hunde
16.01.2008 | 19:42 Uhr 2008-01-16T19:42:00+0100
In George A. Romeros Horror-Klassiker "Dawn of the Dead" flüchten sich die letzten "normalen" Menschen vor dem Ansturm der Untoten in ein riesiges Einkaufszentrum.
Jetzt, in Frank Darabonts "Der Nebel", findet sich eine große Gruppe von Menschen urplötzlich in einem Supermarkt isoliert, weil draußen das Ende der Welt angebrochen scheint. Eine auffällige Parallele, die sich auch in anderen Filmen dieses Genres immer wieder findet: Wenn von außen unerklärliches Grauen naht, sammeln die Autoren die Reste des Homo sapiens gern in den Wahrzeichen des Konsums. Als ob, solange man vertraute Markennamen um sich sieht, die Hoffnung auf Rettung langsamer schwinden würde.
"Der Nebel" heißt im Original "The Mist", ist also mitnichten eine weitere Neuverfilmung von John Carpenters "The Fog". Dafür ist es der mittlerweile vierte Film, den Regisseur Darabont ("The Green Mile") aus einem Stoff von Stephen King entwickelt hat. Der 1980 erstmals publizierte Kurzroman schildert das Auftauchen einer unerklärlichen Nebelwand, die auf den Bundesstaat Maine zurollt. Schlimmer noch: In den dichten Schwaden nähern sich auch zunächst unbestimmbare Wesen, von denen nur eines sicher ist - sie verschlingen alles, was sich im Dunst bewegt.
Darabont, im Laufe seiner vergleichsweise kurzen Karriere bereits für drei Oscars nominiert, benutzt diesen geradezu klassischen Horror-Plot, um am Beispiel einer abgekapselten Gruppe den Zerfall der Gesellschaft in Ausnahmesituationen exemplarisch vorzuführen. Während die anstürmenden Monster, am ehesten noch mit gigantischen Insekten-Mutationen vergleichbar, in ihrer Künstlichkeit stets als Ausgeburten der Tricktechnik erkennbar bleiben, schwillt die Gefahr innerhalb des Supermarktes eher unsichtbar an.
Schon bald haben die Kunden sich in drei Fraktionen gespalten. Da gibt es jene, die einen klaren Kopf behalten und unter Führung des eher unwillig in die Heldenrolle schlüpfenden Malers Drayton (Thomas Jane) den Ausbruch wagen wollen. Andere wiederum leugnen konsequent die Gefahr und verlieren zunehmend den Kontakt mit der Realität. Die schlimmsten Zeitgenossen allerdings sind die religiös leicht verführbaren, die das alles als Gottes Strafe betrachten und nur allzu gern auf das Gefasel einer in den Wahnsinn abdriftenden christlichen Fundamentalistin (Marcia Gay Harden) hereinfallen. Wenn diese Gruppe schließlich sogar bereit ist, den Ungeheuern auf brutalste Art ein Menschenopfer darzubringen, hat das Innen längst das Außen an Schrecken überholt. Wer will, mag da auch einen Kommentar zur amerikanischen Gegenwart erkennen.
Deutscher Kinostart: 17. Januar 2008
Regisseur: Frank Darabont
Darsteller: Thomas Jane, Marcia Gay Harden u.a.
So ist "Der Nebel" am Ende beides, ein Horrorfilm mit einschlägigen Szenen ebenso wie ein nachdenklicher Film über das Zwangsläufige von Gruppenprozessen und den Verlust zivilisierten Verhaltens. Es ist eine Situation, in der auch ein Tatmensch wie Drayton schließlich keine Hoffnung mehr erkennen kann. Seine Konsequenz daraus mündet in einem bedrückenden Finale voll schieren Entsetzens.
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